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Managervergütung: Weltweit stellen Finanzdienstleister ihre Vergütungssysteme um

Frankfurt > Weltweit reagieren Unternehmen aus der Finanzbranche auf öffentlichen Druck und gesetzliche Veränderungen und stellen ihren Vergütungsmix für Vorstände und Führungskräfte um. Die US-Regierung hat einen Sonderbeauftragten zur Überprüfung der Managergehälter eingesetzt. In Deutschland beschloss der Bundestag im vergangenen Sommer das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung. Die Diskussion über Managergehälter reißt nicht ab: So standen am Wochenende die Manager der HEAG Südhessische Energie AG am Pranger – insbesondere wegen der Ruhestandsregelung für ein Vorstandsmitglied. Eine internationale Studie des Beratungsunternehmens Mercer unter 61 Unternehmen aus dem Banken-und Versicherungssektor zeigt nun: Die Mehrzahl der Unternehmen verringert den Anteil des Jahresbonus am Vergütungsmix und erhöhte zugleich die Grundgehälter und verpflichtende Aufschübe.

Insbesondere in Europa haben viele Institute einen verpflichtenden Aufschub der Bonuszahlungen in Abhängigkeit von der Leistung und dem Risiko eingeführt. Häufig sind dabei Bonus-Malus-Systeme, bei denen der Jahresbonus auf ein Sparkonto eingezahlt und bei rückläufigem Unternehmenserfolg nachträglich verringert werden kann. Während einerseits viele Institute ihre aufgeschobenen Boni an den Unternehmenserfolg koppeln wollen, haben andererseits bisher nur wenige Unternehmen die Gestaltung dieser Vergütungskomponenten spezifiziert. 80 % der von Mercer befragten Unternehmen haben ihre Short-Term-Incentive-Programme bereits überarbeitet oder planen entsprechende Änderungen. Zudem gewinnen nicht finanzielle Leistungskriterien an Bedeutung: 68 % der untersuchten Unternehmen haben Performance Scorecards eingeführt und messen damit neben den finanziellen auch nicht finanzielle Leistungsindikatoren, insbesondere Kundenzufriedenheit, Risikomanagement und Compliance.

Ein Drittel der von Mercer befragten Unternehmen nahm staatliche Hilfe in Anspruch; dadurch wurden 82 % dieser Unternehmen Richtlinien für ihre Vorstandsvergütungen auferlegt. Zur Entwicklung in Deutschland sagte Bernd Thomaszik, Leiter Vergütungsberatung von Mercer Deutschland: „Mit der Selbstverpflichtung von acht großen deutschen Banken und der drei größten deutschen Versicherungsunternehmen haben die Finanzdienstleister den Weg hin zur nachhaltigen Intcentivierung von Vorständen und Mitarbeitern bekräftigt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat ferner die Anforderungen an die Vergütungssysteme definiert und folgt damit den Anforderungen des Financial Stability Board.“ Eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit bleibt Unternehmen, die ihre Vorstandsvergütungen umbauen, auch in Zukunft sicher.

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