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Green Avantgarde Berlin – ökologische und sozial verantwortliche Mode mit Nachholbedarf

Berlin > Heute endet die Green Avantgarde Berlin, die im Rahmen der etablierten Berliner Modewoche stattfindet und Beispiele einer ökologisch verträglichen und sozial verantwortlichen Produktion von Mode aufzeigen will. Die Zahl sozial-ökologischer Modeanbieter ist in den zurückliegenden Jahren deutlich gewachsen. Eine große Zahl kleiner Start-Ups drängt an den Markt. Was aber zeichnet eine „grüne“ Mode aus? Der Veranstalter der Green Avantgarde, Karl-Rainer Ahé, musste auf eine entsprechende Journalistenfrage passen. „Hier halte ich mich zurück“, zitiert ihn die EthikBank, einer der Sponsoren der Veranstaltung, in ihrer Pressemitteilung.

Einen sehr lesenswerten Überblick zur Situation auf dem „grünen“ Modemarkt bietet die von Dominic Kloos verfasste Studie „Sozial ökologische Mode auf dem Prüfstand. Überblick und Analyse“, die das Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind herausgegeben hat. Die Studie bietet eine Übersicht zur Geschichte sozial-ökologischen Denkens im Textil-und Bekleidungssektor, benennt die gegenwärtigen Akteure und zeigt Trends sowie Schwachstellen auf.

204 Markenhersteller im Umfeld sozial-ökologischer Mode haben die Studienverfasser angeschrieben, trotz wiederholter haben jedoch nur 23 den Fragebogen beantwortet. Der Umsatz der meisten erfassten Unternehmen liegt unter 250.000 € pro Jahr, der große Teil der Unternehmen in diesem Markt ist damit eher klein. Auch damit mag zusammenhängen, dass weniger als ein Drittel dieser Unternehmen einen Umwelt- oder Sozialbericht herausgibt. Bei den Umweltstandards halten 56 % der antwortenden Unternehmen nicht alle wichtigen Standards ein. Fast alle Unternehmen achten dagegen darauf, soviel wie möglich Bio-Baumwolle zu beziehen. Über die Hälfte der kauft und verkauft Textilprodukte aus fairem Handel. Obwohl über zwei Drittel angeben, alle ILO-Kernarbeitsnormen einzuhalten und zu übertreffen, ergab eine stichprobenweise Durchsicht der Webseiten Mängel bei den Sozialstandards und Kodizes der Unternehmen. Die heute verwendeten Siegel stellen nach Einschätzung der Studie kein befriedigendes Instrument der Einhaltung von Sozialstandards da. Auch fehlen konkrete Informationen zur Beschaffungskette und zu Einkaufspraktiken von Importunternehmen, so die Studie.

In den letzten Jahren ist der Anteil von Bio-Baumwolle an der globalen Baumwollproduktion stark gestiegen; trotzdem macht er zurzeit noch nicht einmal ein Prozent der Gesamtproduktion aus. „Ein starkes Wachstum des Marktes alternativer Modeanbieter ist trotz des derzeitigen Booms und einiger Fortschritte bei rechtlichen Regelungen… nicht anzunehmen, da die Produkte in der Regel teurer sind als Standardprodukte“, heißt es in der Studie. Ein Durchbrechen des Nischendaseins in größerem Stil sei eher unwahrscheinlich. Entscheidend sei etwa die Frage, wie sich das kritische Konsumenten-Verhalten entwickeln wird.

Die sehr übersichtlich gegliederte und lesenswerte Studie des Südwind-Instituts mit vielen Informationen zu ökologischen und sozialen Standards in der Modebranche und zu den Akteuren auf diesem Feld steht im Internet zum Download bereit:

http://www.suedwind-institut.de/downloads/2009-01_som_SW-Studie_2009-12_sozial-oekologische-mode.pdf