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Corporate Social Responsibility in Österreich

Ein Gastkommentar von Dirk Raith, Universität Graz.
Österreich ist zentralistisch und korporatistisch geprägt. Die Entwicklung von Corporate Social Responsibility hierzulande ist in diesem Kontext zu sehen. Zugleich ist sie ein schöner Anschauungsfall dafür, dass es sich bei CSR um eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung handelt, nicht bloß um ein neutrales „Management-Tool“ –– um einen „Diskurs“, in dem sich letztlich – so zeigt es auch eine aktuelle Studie* – die Mehrzahl der UnternehmerInnen selbst ein Machtwort der Politik wünschen würde.

Den Anstoß zu dieser Auseinandersetzung um CSR in Österreich gab 2003 die Gründung der unternehmensnahen Initiative CSR Austria (heute respACT): Sie beauftragte den ersten österreichweiten CSR-Survey, vergab erstmals den TRIGOS-Preis „für Unternehmen mit Verantwortung“ und veröffentlichte noch im selben Jahr ihr programmatisches „CSR-Leitbild der österreichischen Wirtschaft“. Die Opposition von Gewerkschaften und NGOs gegen diese „unternehmensgetriebene“ Initiative folgte auf den Fuß.

Die österreichische CSR-Debatte verläuft seither – unter Einbindung neuer zivilgesellschaftlicher Akteure – entlang der traditionellen sozialpartnerschaftlichen Konfliktlinien: WirtschaftsvertreterInnen um die Initiative respACT propagieren CSR (insbesondere in KMUs) als strategisches Management-Tool, das sich formal und moralökonomisch über den geteilten Nutzen („Win-Win“) für Unternehmen und Gesellschaft als hybrider „business case“ definiert. ArbeitnehmerInnenvertretungen und kritische NGOs um das Netzwerk Soziale Verantwortung verstehen CSR dagegen als freiwilliges, aber durch materiale ethische Kriterien inhaltlich definiertes Konzept mit dem Ziel, Standards gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung allgemein verbindlich zu heben.

„Anreizbasierte Ansätze“, welche diese Pattstellung zwischen „Markt-“ und „regulatorischem Ansatz“ in einer „freiwilligen Verbindlichkeit beyond compliance“ aufheben könnten, sind zwar u. a. in EU-induzierten Modernisierungen der Rechtslage (etwa im „Rechnungslegungsänderungsgesetz“ von 2004 und im „Bundesvergabegesetz“ von 2006) angelegt. Es gibt auch entsprechende politische Bekenntnisse zur Förderung von CSR im österreichischen Außenwirtschaftsleitbild und im aktuellen Regierungsprogramm. Ernsthafte Veränderungen der Rahmenbedingungen zur effektiven Förderung gesellschaftlich verantwortlichen Wirtschaftens sind bislang aber keine in Sicht.
Zugleich zeigt eine aktuelle Studie*, dass die bisherigen Kampagnen zur Verbreitung von CSR als strategisches Management-Tool in österreichischen Unternehmen und der Öffentlichkeit kaum Früchte getragen haben: In weniger als einem Drittel der österreichischen Unternehmen ist CSR überhaupt ein Begriff. Die Mehrzahl sieht sich außerstande, freiwillig soziale oder ökologische Aspekte ihrer Verantwortung zu berücksichtigen. Über zwei Drittel der österreichischen Unternehmen können als „nicht aktiv“ (31%) bzw. „kaum aktiv“ (38%) in Sachen CSR angesehen werden.

Entsprechend sieht nur ein verschwindender Teil der Unternehmen den Appell an den „business case“ als zielführend zur Förderung gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung an. Über die Hälfte äußern sich dagegen stark befürwortend hinsichtlich allgemein verbindlicher Mindeststandards, zwei Drittel äußern starke Zustimmung für die Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen für CSR, also dafür, wettbewerbspolitisch für Markttransparenz, Unterscheidbarkeit und eine Bevorzugung verantwortlich agierender Unternehmen zu sorgen.

* Dirk Raith, Bernhard Ungericht, Thomas Korenjak: Corporate Social Responsibility in Österreich. Eine Bestandsaufnahme, Münster-Hamburg-Berlin-Wien-London: LIT-Verlag 2009.
164 S., 19.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-50110-3
http://lit-verlag.de/isbn/3-643-50110-3

Dirk Raith ist Soziologe, Lektor und Mitglied der „Forschungsgruppe Unternehmen und Gesellschaft“ am Institut für Internationales Management der Universität Graz.

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