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Frauenquote der Deutschen Telekom findet Beifall in der Politik

Bonn > Die Einführung einer Frauenquote für die oberen und mittleren Führungspositionen in der Deutschen Telekom stößt im politischen Raum auf Zustimmung. „Die Telekom hat begriffen, dass Vielfalt in Führungspositionen und mehr Frauen an der Spitze für ein internationales Unternehmen selbstverständlich sein müssen und die Wertschöpfung des Unternehmens verbessern“, erklärte die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Elke Ferner MdB. Und die CDU-Familienpolitikerin Ingrid Fischbach MdB bezeichnete die freiwillige Einführung der Frauenquote als „ein nachahmenswertes Beispiel, dem schnell viele weitere Dax-Unternehmen folgen sollten.“ In der politischen Diskussion bestehen zwischen CDU und SPD Auffassungsunterschiede in der Frage, ob eine Frauenquote in Unternehmen freiwillig oder verpflichtend sein sollte.

Einer politischen Entscheidung will die Deutsche Telekom mit der Einführung ihrer Frauenquote offensichtlich zuvorkommen. In ihrer Pressemitteilung verweist sie auf die in einigen europäischen Ländern geführte Diskussion über die Vorbereitung entsprechender Gesetze, die sich am Beispiel Norwegens orientieren könnten. Dort sind börsennotierte Unternehmen seit dem Jahr 2006 zu einem Frauenanteil von mindestens 40 % in Aufsichtsgremien verpflichtet. In den Niederlanden wurde jüngst entschieden, dass bis zum Jahr 2016 in Unternehmen ab 250 Mitarbeitern der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen mindestens 30 % betragen muss.

Hintergrund entsprechender Überlegungen ist auch in Deutschland der bleibend geringe Frauenanteil auf Führungsetagen. Eine Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung aus dem vergangenen Jahr belegt: Je höher das Börsensegment, desto niedriger der Frauenanteil. Unter den DAX 30 Unternehmen befindet sich derzeit nur eine Frau im Vorstand: das ist Barbara Kux im Vorstand der Siemens AG. Und nur 16 der 160 Aktiengesellschaften in den wichtigsten deutschen Börsenindizes haben mindestens eine Frau in ihre Vorstände berufen. Nachdenklich stimmt: Zwischen den Jahren 2001 und 2006 gab es keinen signifikanten Zuwachs an Frauen in Führungsetagen. Das weckt den Ruf nach gesetzlichen Vorgaben.

Auch bei der Deutschen Telekom blieb den Maßnahmen zur Frauenförderung ein durchschlagender Erfolg bisher verwehrt. Nun gilt als Zielvorgabe, bis Ende des Jahres 2015 einen Frauenanteil von 30 % in oberen und mittleren Führungspositionen weltweit vorzuweisen. Das unterlegt der Konzern mit einem festen Fundament: Elternzeitmodelle, Teilzeitmodelle für Führungskräfte, flexible Arbeitszeitmodelle und Kinderbetreuungsangebote sowie praktische Unterstützungsleistungen im Alltag werden ausgebaut. Für Neueinstellungen von Hochschulabsolventen, bei Auswahlprozessen, bei Talentpools sowie bei der Teilnahme an Führungskräfte-Entwicklungsprogrammen werden Zielwerte eingeführt. Und in Führungskräfte-Entwicklungsprogrammen müssen künftig mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein. Für die Deutsche Telekom ist die Neuausrichtung in ihrer Personalpolitik mit der Erwartung an eine wachsende betriebswirtschaftliche Effizienz verbunden: „Mehr Frauen in Führungspositionen ist kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei. Es ist ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für unseren Erfolg. Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser“, sagte Telekom-Chef René Obermann. Bleibt abzuwarten, welche Konzerne dieser Erkenntnis demnächst folgen werden.