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Stiftungs-Bundesverband fordert mehr Unabhängigkeit für Unternehmensstiftungen

Berlin > Die weitgehende Unabhängigkeit einer Unternehmensstiftung von ihrem Stiftungsunternehmen schafft Glaubwürdigkeit. Das betont der Bundesverband Deutscher Stiftungen in seinen gestern vorgestellten „Zehn Empfehlungen für gemeinnützige Stiftungen“. Das Papier richtet sich an Unternehmen, die mit einer eigenen Stiftung im „Dritten Sektor“ – der Zivilgesellschaft – tätig werden wollen. Unternehmensstiftungen tragen wesentlich zum Kapitalwachstum im Stiftungssektor bei: Fast alle DAX-Unternehmen und mehrere hundert anderer Unternehmen haben bereits eigene Stiftungen gegründet. Ein besonderes Highlight der letzten Monate bildete etwa die Gründung der mit einem Startkapital von rund 400 Millionen Euro ausgestatteten Siemens-Stiftung.

Stiftungen sind nicht nur ein Spiel-, sondern auch ein Standbein im dritten Sektor, so das Papier des Bundesverbandes. Sie sollen als möglichst eigenständige Akteure wirken können. Deshalb empfiehlt der Bundesverband Deutscher Stiftungen eine zur Zweckerfüllung ausreichende Kapitalausstattung, laufende finanzielle Zuwendungen ohne Bindung an Einzelprojekte und mit Planungssicherheit und schlanke Stiftungsgremien, in denen begrenzte Mandatszeiten eine Fluktuation sicherstellen. Das hauptamtliche Personal sollte bei der Stiftung selbst angestellt und der Stiftungs-Geschäftsführer nicht in die Hierarchie des Unternehmens eingebunden sein. Bei der Besetzung der Leitungsfunktionen sollen Stiftungswissen und Kenntnisse im Arbeitsfeld der Stiftung zur Geltung kommen; das Stiftungsunternehmen kann sein Know How in Management und Administration einbringen. Die „für glaubwürdiges Wirken sinnvolle weitgehende Unabhängigkeit“ der Stiftung sollte auch in einer eigenen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und in der Gestaltung von Corporate Identity und Corporate Design zum Ausdruck kommen. Erarbeitet wurden die Empfehlungen von einem verbandsinternen „Forum Unternehmensstiftungen“, aus dem im Mai ein fester Arbeitskreis entstehen soll.

Die Wirklichkeit in vielen Unternehmensstiftungen sieht indes heute anders aus: Manche sind mit schmalem Startkapital ausgestattet und leben von den jährlichen Zuwendungen des Stiftungsunternehmens. Personelle Überschneidungen zwischen Stiftungsunternehmen und Unternehmensstiftung sind häufig, wobei das Personal beim Unternehmen angestellt ist. Oft fehlt es bereits an einer räumlichen Trennung. Stiftungen gewinnen bei der Organisation gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung an Bedeutung: Große Unternehmen wie die Siemens AG sourcen ihre Corporate Social Responsibility Aktivitäten in gemeinnützige Stiftungen aus oder strukturieren diese innerhalb einer unternehmensnahen Stiftungslandschaft neu – wie etwa bei der Bayer AG. Auch eine andere Frage der Beziehung zwischen Unternehmen und Stiftung bleibt dabei offen: Wie kann eine Stiftung weiter als Sensor des Unternehmens in der Zivilgesellschaft wirken und so kreative Impulse in sein Unternehmen hinein vermitteln?

Unternehmensstiftungen können „ihren“ Unternehmen neue Horizonte eröffnen, einen weiteren Kreis von Stakeholdern erschließen, Mitarbeiter aktivieren und ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber stärken und einen Reputationsgewinn bewirken. Damit das gelingt, appelliert der Bundesverband Deutscher Stiftungen an stiftungswillige Unternehmen: Bietet den Neugründungen von vornherein genug Eigenständigkeit. „Aber unser Papier kann auch für bereits bestehende Unternehmensstiftungen Argumentationslinien aufzeigen, um mehr Unabhängigkeit zu erreichen“, so Anke Pätsch, Sprecherin des Stiftungs-Bundesverbandes.

Die „Zehn Empfehlungen für gemeinnützige Unternehmen“ finden Sie hier im Internet.