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Kontroverse um Palmöl – Greenpeace attackiert Nestlé

Hamburg > „Jeder Biss in einen KitKat-Schokoriegel zerstört das Leben der letzten Orang-Utans ein bisschen mehr.“ Davon zeigte sich Corinna Hölzel, Greenpeace Waldexpertin, gestern in Frankfurt überzeugt. Aktivistin der Naturschutzorganisation protestierten vor der deutschen Nestle Zentrale in Frankfurt am Main sowie an weiteren Konzernstandorten. Anlass des Protestes: Nach einem Greenpeace-Bericht bezieht Nestlé Palmöl von der indonesischen Unternehmensgruppe Sinar Mas, der vorgeworfen wird, durch den Bau und Betrieb von Papiermühlen ihrer Tochtergesellschaft APP den Regenwald in Indonesien zu zerstören. Nach Greenpeace-Angaben verletzt das Unternehmen internationale Standards und indonesisches Recht, indem es sich an Landkonflikten beteiligt, wertvolle Regenwälder rodet und so den Orang-Utans ihren Lebensraum entzieht. Greenpeace forderte Nestlé auf, bestehende Verträgen mit dem indonesischen Lieferanten zu kündigen, so wie dies bereits die Firmen Unilever und Kraft getan hätten. Den Bedarf von Nestlé an Palmöl beziffert Greenpeace mit 320.000 Tonnen für die zurückliegenden drei Jahre. Der Protest spielt sich auch im Internet ab, wo ein Greenpeace-Video zu der Aktion “Give rainforests a break” bei You Tube weite Verbreitung findet.

Auch Nestlé sieht die indonesischen Regenwälder durch die Ausweitung des Palmölanbaus gefährdet. Nestlé Deutschland beziehe jedoch nur etwa 7.000 Tonnen Palmöl pro Jahr, das entspreche rund 0,03 % der weltweiten Produktion. Und seit dem Jahr 2010 deckt das Unternehmen seinen gesamten Bedarf an Palmöl mit so genannten Green Palm Zertifikaten ab. Mit diesen Zertifikaten wird der nachhaltige Anbau unterstützt, was die Rodung zusätzlicher Regenwaldflächen verhindern soll. Entwickelt wurde das Green Palm Zertifikat am so genannten Round Table for Sustainable Palm Oil.

Das ist eine Übergangslösung, denn zugleich will Nestlé soweit und sobald wie möglich zertifiziertes, nachhaltig angebautes Palmöl beziehen. Spätestens ab 2015 soll die gesamte Produktion damit abgedeckt werden; mit ersten Zwischenschritten wurde begonnen. Es gibt jedoch noch einige praktische Probleme zu lösen: So ist der Markt für zertifiziertes Palmöl bisher noch nicht hinreichend entwickelt. Es hackt nach Unternehmensangaben vor allen Dingen bei der industriellen Weiterverarbeitung des Palmöls. Hier ist eine getrennte Verarbeitung von Palmöl aus nachhaltigem Anbau nicht gewährleistet, und eine vollständige Rückverfolgbarkeit des Öls zu einzelnen Plantagen oder Anbietern ist derzeit nicht möglich.

Diese Probleme brauchen dringend eine Lösung, denn besonders in Indonesien schreitet die Urwaldzerstörung schnell voran. Seit dem Jahr 1950 wurden dort nach Greenpeace-Angaben insgesamt 74.000.000 ha Wald vernichtet, eine Fläche doppelt so groß wie Deutschland. Die Trockenlegung und Rodung der Torfwälder wirkt sich besonders dramatisch auf den Klimaschutz und die Artenvielfalt aus, diese Wälder beheimaten vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans oder Sumatra-Tiger. Indes ist Palmöl nicht nur ein indonesisches Produkt: Zu den 19,2 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (2008) gesellten sich im gleichen Jahr 17,7 Millionen Tonnen aus Malaysia. Und Thailand will als drittgrößter Palmölproduzent im laufenden Jahr eine Menge von immerhin 1,3 Millionen Tonnen erzeugen.

Die gute Nachricht für Indonesien, alle Nestlé-Kunden und Greenpeace: Nestle in Indonesien hat die Zusammenarbeit mit Sinar Mas zwischenzeitlich beendet. Und auch in keinem anderen Land kooperiert das Unternehmen mit diesem Lieferanten.