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Palmöl: Kontroverse zwischen Greenpeace und Nestlé geht weiter

Berlin > „Die gute Nachricht für Indonesien, alle Nestlé-Kunden und Greenpeace: Nestle in Indonesien hat die Zusammenarbeit mit Sinar Mas zwischenzeitlich beendet. Und auch in keinem anderen Land kooperiert das Unternehmen mit diesem Lieferanten.“ Das hatten wir am Donnerstag berichtet und uns dabei auf eine Angabe von Nestlé berufen. Dem indonesische Konzern wird vorgeworfen, beim Anbau von Palmöl der Urwaldzerstörung Vorschub zu leisten.

Inzwischen teilte Greenpeace-Sprecher Björn Jettka gegenüber CSR NEWS mit: Nestlé bezieht weiterhin Palmöl von Sinar Mas – allerdings über Zwischenhändler wie Cargill und IOI; beide lieferten an Nestlé und IOI auch in das Werk, in dem Kitkat produziert wird. Und an diesem Produkt setzen die Greenpeacekampagnen an. Von Nestlé war zu dieser Frage keine Stellungnahme zu bekommen.

Palmöl wird als billigstes Pflanzenöl für viele Produktgruppen eingesetzt. Es findet sich in Waschmitteln und Kosmetik, wird in Blockheizkraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt und dem Diesel beigemischt. Letzteres beruht in Deutschland auf einer gesetzlich vorgeschriebenen Beimischungsquote. Das Vorgehen von Greenpeace ist taktisch geschickt: Am Beispiel einer Marke und eines bekannten Produktes wird der Konflikt aufgegriffen und für den Verbraucher thematisiert. Dies bietet die Chance, Verbraucherverhalten unmittelbar zu beeinflussen. Einerseits wird dies der Breite des Themas sicher nicht gerecht. Andererseits kann sich die Umweltorganisation sicher sein, so unmittelbar einen hohen Handlungsdruck auf den Handel auszulösen:

José Lopez, der für den entsprechenden Geschäftsbereich verantwortliche Manager bei Cargill, erklärte gegenüber Guardian Sustainable Business: Sein Unternehmen erwarte bis Ende April von Sinar Mas Aufklärung über die Vorwürfe von Greenpeace. Würden sich diese als zutreffend erweisen, erwarte er ein Ausscheiden dieses Lieferanten bis Mitte Mai.

Greenpeace kritisiert auch den Roundtable on Sustainable Palmoel (RSPO). Die im RSPO zusammengeschlossenen Unternehmen tun nach Überzeugung der Naturschützer nicht genug, um die Urwaldzerstörung in Indonesien zu stoppen. Torfböden würden mit den RSPO-Kriterien nicht geschützt. Auch von dem ersten RSPO-zertifizierten Palmöl im November 2008 zeigte sich Greenpeace nicht überzeugt. An dessen Produktion sei eine in Landkonflikte verwickelte Firma beteiligt gewesen, die ihre Plantagen zudem auch in Orang-Utan-Gebieten und geschützten Seengebieten anlege.

Die Palmöl verarbeitenden Unternehmen befinden sich zumindest auch kommunikativ im Rückstand: Angesichts der verfügbaren Menge zertifizierten Palmöls wäre eine sofortige Umstellung auf diesen nachhaltigen Rohstoff nicht möglich. Zumal es nicht nur um eine Zertifizierung des Anbaus, sondern um die gesamte Zulieferkette und dabei etwa um die Nachverfolgbarkeit dieses Palmöls geht. Es geht deshalb um einen komplexen Umgestaltungsprozess, der Zeit braucht und der – bei der Verwendung alternativer Rohstoffe – Produkte auch verteuern kann. Andererseits könnte ein Weg dahin beschrieben werden – mit überprüfbaren Meilensteinen. Und letztlich muss es auch darum gehen, dass die Zivilgesellschaft in Indonesien zu diesem Thema an Einfluss gewinnt und die indonesische Regierung den Urwald des eigenen Landes schützt.

Nestlè selbst bietet im Internet eine ausführliche Information zu seiner Palmöl-Politik:
http://www.nestle.com/MediaCenter/SpeechesAndStatements/AllSpeechesAndStatements/statement_Palm_oil.htm

Und es gibt auch eine Greenpeace-kritische Diskussion mit zahlreichen Informationen auf einem PR-nahen Blog:
http://talkabout.posterous.com/alles-konstuiert-nestle-zu-verurteilen-hilft