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Stiftungen brauchen Chance zu niedrigschwelligem Start – Erfahrungen der Veolia Stiftung

Berlin > Sylke Freudenthal ist Geschäftsführerin der Veolia Stiftung. Und sie gehört dem Forum an, das in diesem Monat innerhalb des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen „Zehn Empfehlungen für gemeinnützige Unternehmensstiftungen“ verabschiedet hat. Freudenthal steht hinter diesen Empfehlungen, sieht manchen Nuancen aber auch anders und weiß, dass Stiftungen je nach ihrem Hintergrund sehr unterschiedlich funktionieren. Vor allen Dingen spricht sich dafür aus, Unternehmensstiftungen einen niedrigschwelligen Start zu ermöglichen.

Das Papier der Stiftung-Bundesverbandes schlägt vor, dass Unternehmen ihre Stiftungen mit reichlich Kapital ausstatten und sie so von dem stiftenden Unternehmen unabhängig werden lassen. Bei der Veolia Stiftung ist das anders: Die Veolia-Gruppe in Deutschland hat ihre Stiftung mit einem Kapitalstock von 100.000 € ausgestattet und trägt die Stiftungsarbeit seit nunmehr zehn Jahren durch langfristige vereinbarte laufende Zuwendungen. Ein solches Modell wirkt auf „Unternehmen in bewegten Märkten nicht abschreckend“, so Sylke Freudenthal. Und auch mit diesem Modell können große Fördersummen zusammenkommen: So hat die Stiftung in den zurückliegenden zehn Jahren bereits über 260 Projekte mit einem Volumen von mehr als 2.000.000 € unterstützt. Der Schwerpunkt der Stiftungstätigkeit liegt in Berlin. Gefördert werden Projekte zur Schaffung oder zum Erhalt von Arbeitsplätzen, zum Erhalt der Umwelt und zur Umweltbildung sowie zur sozialen Integration benachteiligter Menschen.

Auch in zwei anderen Punkten entspricht die Veolia Stiftung den Vorschlägen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen nicht: Das Erscheinungsbild (die Corporate Identity) der Stiftung passt zum Unternehmen. Und Sylke Freudenthal als Geschäftsführerin der Stiftung ist zu einem guten Teil in Unternehmensstrukturen integriert. „Nicht umsonst bezeichnet man Menschen in dieser Funktion als Grenzgänger. Sie sind in der Unternehmenswelt und im gemeinnützigen Sektor gleichermaßen unterwegs, schlagen Brücken zwischen beiden Bereichen.“, sagt sie, „Dabei habe ich genug Handlungsspielraum.“ Die Unabhängigkeit der Stiftung wird durch einen mehrheitlich extern besetzten Stiftungsvorstand gesichert. Neben der Leiterin Kommunikation der Veolia Wasser GmbH, Dr. Petra Warnecke, gehören die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, Prof. Barbara John, und die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick, Gabriele Schöttler, dazu. Der Stiftungsvorstand entscheidet über Projekte im Land Berlin. Deutschlandweite Projekte werden in Kooperation mit der französischen Schwesterstiftung Fondation d’entreprise Veolia Environnement umgesetzt; darüber wird dann in Paris entschieden. Die Stiftung kann überall dort tätig werden, wo die Veolia Gruppe mit ihren Geschäftsfeldern Wasser, Entsorgung, Energie und Verkehr tätig ist.

Interessant hat die Veolia Stiftung eine Herausforderung gelöst, die sich bei dieser Art Stiftungsarbeit regelmäßig stellt: Die Frage nämlich, wie Impulse aus der Stiftung in das Unternehmen zurückfließen können. Bei der Veolia Stiftung gibt es für jede geförderte Initiative einen Paten in der Mitarbeiterschaft des Unternehmens. So erleben und gestalten die Veolia-Mitarbeiter die Projekte ihre Stiftung unmittelbar mit. Über 150 Mitarbeiter haben sich bereits auf diese Weise ehrenamtlich engagiert. „Unternehmensstiftungen sind ein Teil des CSR-Konzepts von Unternehmen. Schon deshalb muss es gelingen, dass beide – Unternehmen unter Stiftung – voneinander profitieren“, sagt Sylke Freudenthal.

Foto: Projektforum der Veolia Stiftung im Juni 2009 [Veolia Stiftung]