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CSR-Reporting: Auf dem Prüfstand

Die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung wird häufig infrage gestellt. Während im Märchen ein Echtheitszweifel mit einer Nacht auf 20 Matratzen und einer Erbse eindeutig geklärt werden kann, bedarf die Trennung von Spreu und Weizen im CSR-Reporting deutlich härterer Kriterien.

Hamburg (csr-service) Die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung wird häufig infrage gestellt. Während im Märchen ein Echtheitszweifel mit einer Nacht auf 20 Matratzen und einer Erbse eindeutig geklärt werden kann, bedarf die Trennung von Spreu und Weizen im CSR-Reporting deutlich härterer Kriterien. Die externe Prüfung des CSR-Berichts soll den Unternehmen helfen, den Vorwurf des Greenwashing zu entkräften und den Stakeholdern die „wahren Prinzessinnen“ des CSR-Reportings zu enthüllen.

Von Nadja Loitsch, Kirchhoff Consult AG

Die Eilmeldungen zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko brachten die heile CSR-Welt in eine kritische Schieflage. Von der durch BP verursachten Naturkatastrophe konnte auch das grün eingefärbte Sonnenlogo nicht ablenken, das der Konzern im Zuge eines Rebrandings von British Petrol in Beyond Petroleum eingeführt hatte, um sich selbst einen nachhaltigen Anstrich zu geben. Befremdlich wirken plötzlich die vielen Top-Platzierungen in bedeutenden Rankings und Awards für das nachhaltige Engagement, die den Öl- und Energiekonzern schmücken. So prämierten die CorporateRegister’s CR Reporting Awards 2010 den Nachhaltigkeitsbericht als Runner-up im Wettstreit um den „Best Report“ und als Reporting mit der „Best Openness and Honesty“. Auch das Tomorrow’s Value Rating feierte die Mutter des Greenwashing als führend in puncto nachhaltiger und sozialer Verantwortung. In dem von Kirchhoff organisierten Good Company Ranking dagegen, das das gesellschaftliche Engagement der 90 größten europäischen Aktiengesellschaften bewertet, wurde BP schon 2007 in das Mittelfeld verbannt.

Und so gießt BP 780 Millionen Liter Rohöl ins Feuer der Diskussion um die Frage: Ist CSR-Berichterstattung seriös und transparent oder ist sie ein Rädchen in der Marketing-Maschinerie, die emsiges Greenwashing betreibt? Können Rankings und Awards überhaupt eine Hilfestellung sein, wenn es darum geht, genau diese Frage zu beantworten? Schließlich bewerten sie nur die Informationen, die ihnen das Unternehmen zugesteht.

Externe Prüfung als Lösung

Eine Antwort erhoff en sich viele von der externen Prüfung durch den Wirtschaftsprüfer. Bereits 2008 ergab eine Studie von KPMG und SustainAbility, dass über zwei Drittel der Stakeholder die externe Prüfung des Reportings für wichtig erachten. Dieser Aufforderung folgten laut CorporateRegister rund ein Viertel der auf ihrer Plattform berichtenden Unternehmen, um die Vorbehalte gegenüber ihrer Berichterstattung zu verringern und sowohl den Erwartungsdruck als auch das gestiegene Vertrauensbedürfnis der Stakeholder zu berücksichtigen. Den Stakeholdern liefert eine Prüfung ein vertrauenerweckendes Signal, um ein Urteil über die Qualität und Substanz des vorliegenden Berichts zu fällen. Zusätzlich wertet sie den Bericht im Idealfall zur Entscheidungsgrundlage für potenzielle Investoren auf. Denn im Unterschied zu Rankings und Awards bekommt der Wirtschaftsprüfer, der die externe Prüfung vollzieht, auch Sachverhalte zu sehen, die aus strategischen Gründen nicht für die Öffentlichkeit (und somit auch den Wettbewerb) bestimmt sind.

Das Unternehmen profitiert doppelt von der externen Prüfung: Es erhält nicht nur einen positiven Reputationsschub, sondern auch vertiefende Einblicke in das eigene Risiko-, Qualitäts- und Innovationsmanagement mit Fokus auf den ethischen und umweltbetonten Werten. Der Wirtschaftsprüfer kann den Finger auf interne Wunden legen und klare Aufgaben für das Unternehmen formulieren. Dann heißt es anpacken, um die Strategie zu justieren und glaubwürdige Antworten zu geben. Prozesse, die von außen nicht immer sichtbar sind – und vielleicht gerade deshalb vom Makel der Medienrelevanz freigesprochen werden können.

Probe aufs Exempel

Eine Studie der TU Dresden zur Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung hat 86 internationale Unternehmen aus dem Energiesektor nach den Anforderungen der Global Reporting Initiative unter die Lupe genommen. Das Ergebnis belegt: Geprüfte Reportings befolgen die Guidelines der GRI besser als nicht geprüfte – sowohl in der Fülle der publizierten Informationen als auch in der Vollständigkeit der Erfordernisse.

Dennoch können sich nach wie vor viele Unternehmen nicht überwinden, sich über die Schulter schauen zu lassen. Zumeist scheitert es an den Kosten und den fehlenden verbindlichen Standards einer externen Prüfung.

Die Reifeprüfung

Dabei stellt die Prüfung des eigenen Reportings einen wichtigen Schritt in Richtung Glaubwürdigkeit dar. Kombiniert mit Tools wie dem Integrated Reporting oder der interaktiven Beteiligung der Stakeholder am Erstellungsprozess besteht eine gute Chance, das Vertrauen zu konsolidieren.

Im Energiesektor hat dies bereits Schule gemacht: Unternehmen zeigen dort eine hohe Bereitschaft, ihr Reporting von großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nach internationalen Standards – wie ISAE 3000 und AA1000 AS – prüfen zu lassen. So positiv die Bereitschaft dieser Unternehmen einzuordnen ist, vorherrschend sind allerdings Prüfungshandlungen, in denen der Wirtschaftsprüfer den Unternehmen lediglich eine begrenzte Urteilssicherheit („limited assurance“) ausspricht.

Verantwortung auf dem Prüfstand

Die Prüfung der Daten und Zahlen ist jedoch keine Garantie für die heile Welt. Denn auch im BP Nachhaltigkeitsbericht testierten Ernst & Young einwandfreie Berichterstattung. Ein gutes Reporting und eine grüne Imagekampagne verhindern kein folgenschweres Unglück wie im Golf von Mexiko – dafür bedarf es tief greifender, strategischer Weichenstellungen. Doch es schaff t immerhin eine valide, gesicherte Grundlage, an der sich das Unternehmen messen lassen muss. Und die ist mehr gefragt denn je. Denn dass die Datenlage zum Komplex CSR ernst genommen werden muss, zeigt der Trend, das Thema „Nachhaltigkeit“ zunehmend ausführlich im Geschäftsbericht zu behandeln (siehe Artikel ab Seite 8) – und somit auch dort die Aussagen auf Stichhaltigkeit vom Wirtschaftsprüfer prüfen zu lassen.

Was bleibt ist die Gewissheit, dass selbstkritisches Reporting auch ohne externe Prüfung glaubwürdiger ist als verwässerte Wahrheiten und Grünfärberei.

TEXT nadja.loitsch@kirchhoff.de