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Bremst oder fördert moderne Telekommunikation die gesellschaftliche Integration behinderter Menschen?

Berlin > Welchen Einfluss hat die moderne Telekommunikation auf die Integration von Menschen mit Behinderungen? Diese Frage wurde vergangenen Donnerstag in einer Podiumsdiskussion bei Telefónica O2 Germany erörtert, zu der das Unternehmen zusammen mit der UPJ-Bundesinitiative eingeladen hatte. Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten auf Basis der Ergebnisse des Online-Dialogs auf diskutiere.de die unterschiedlichen Aspekte dieses Themas. Mit dem von VerbaVoice neu entwickelten Schriftdolmetsch-Dienst für hörgeschädigte Menschen wurde die Veranstaltung für diese Zielgruppe zugänglich gemacht.

2010 ist das Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Ein Themenschwerpunkt dabei ist „Integration statt Ausgrenzung – Selbstbestimmte Teilhabe für alle Menschen“, der unter anderem die Verbesserung der sozialen Integration behinderter Menschen zum Ziel hat. In der Diskussionsveranstaltung in der Münchner O2 Zentrale wurde debattiert, welchen Beitrag die Telekommunikationsindustrie hier im Europäischen Jahr und darüber hinaus leisten kann. Moderiert von Fernsehjournalistin Conny Czymoch diskutierten Joachim Unterländer, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Familie und Arbeit des Bayerischen Landtags, Judith Faltl, Landesvorsitzende des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbunds, Prof. Dr. Annette Leonhardt, Inhaberin des Lehrstuhls für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik an der Universität München sowie André Krause, Managing Director Finance bei Telefónica O2 Germany.

Seit dem 26. Oktober 2009 gingen Experten und Betroffene auf www.diskutiere.de, der Dialog-Plattform von UPJ, der Frage nach, welche Rolle die Telekommunikation bei der digitalen Integration von Menschen mit Behinderung übernehmen kann. Ein erstes Fazit der Online-Debatte: Die Teilnehmer waren sich über das hohe Potenzial moderner Technologien grundsätzlich einig. Entscheidend für die tatsächliche Nutzbarkeit seien allerdings die Anwenderfreundlichkeit der Produkte und Dienste sowie die Haltung der Anbieter gegenüber behinderten Menschen.

Zudem wurde in der Diskussion im Internet darauf hingewiesen, dass Unternehmen Menschen mit Behinderung als Zielgruppe ernst nehmen sollten – auch aus wirtschaftlichem Interesse. Judith Faltl meinte dazu: „Barrierefreiheit sollte eigentlich Standard sein und nicht nur als Alleinstellungsmerkmal gesehen werden. Es stellt sich die Frage: Sind wir noch soziale Marktwirtschaft oder nur noch Marktwirtschaft? Wir wollen und müssen profitorientiert sein, das ist klar. Aber es gehört ein gewisses Maß an Bereitschaft dazu, sich auf solche Themen einzulassen.“

Frau Prof. Leonhardt machte zudem darauf aufmerksam, dass durch den demografischen Wandel immer mehr Menschen betroffen sein werden. „Ab einem Alter von 80 sind hundert Prozent der Menschen mehr oder weniger schwerhörig.“ Sie wies auch darauf hin: „Die Technik kann zwar helfen, aber sie kann den zwischenmenschlichen Kontakt nicht ersetzen. Daher brauchen wir beides.“

André Krause fasst zusammen: „In Deutschland leben circa 800.000 Menschen mit Sinnesbehinderung. Mit der Entwicklung barrierefreier Produkte und speziell zugeschnittener Services können wir zu deren digitaler Integration beitragen. Die heutige Diskussion gab wichtige Impulse für die fortlaufende Zusammenarbeit mit dieser Kundengruppe.“

In einem waren sich die Diskutanten und Teilnehmer einig: Lösungen können nur gemeinsam erarbeitet werden. „Es ist einmalig, dass O2 heute Abend Hörende und Gehörlose zusammengebracht hat“, so eine Stimme aus dem Publikum.

Über den Dienst VerbaVoice
VerbaVoice bietet im Rahmen eines Pilotprojekts einen neuen Dienst an, der die Übertragung des gesprochenen Worts in Text ermöglicht. Dieser Text wird über eine eigens dafür eingerichtete Internetplattform auf den Laptop oder das Mobilfunkgerät des Hörgeschädigten übermittelt. Dies geschieht mithilfe innovativer Technologien und Schriftdolmetschverfahren. Der Hörgeschädigte kann auf diese Weise dem Gesprochenen nahezu in Echtzeit durch Mitlesen folgen. O2 ist Kooperationspartner.

Weitere Informationen finden Sie auf www.diskutiere.de

Foto: Stefan Heigl