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PwC: Bedeutung der Biodiversität unterschätzt – gravierende Folgen durch Schäden an Ökosystemen

Frankfurt a.M. > Westeuropäische Manager unterschätzen die Bedeutung der Biodiversität: Während 53 % der Vorstandsvorsitzenden südamerikanischer Unternehmen den Rückgang der Artenvielfalt als Risiko für das zukünftige Wachstum ihres Unternehmens wahrnehmen, sind es in Westeuropa nur 18 %. Das weist die Studie „Global CEO Survey 2010“ aus, für die PricewaterhouseCoopers 1.200 CEOs weltweit befragt hat. Dabei drängteder Klimawandel das Thema Biodiversität zu Unrecht in den Hintergrund, belegt PwC in einem Briefing mit dem Titel „Biodiversity and business risk“ eindrücklich. Als Beispiel dient dort unter anderem der Tsunami aus dem Jahr 2004. In Südostasien ging zwischen den Jahren 1980 und 2002 der Umfang der Mangrovenwälder um 28 % zurück; die Wälder mussten vor allem kommerziellen Shrimp-Farmen weichen. Die Bedeutung von Mangrovenwäldern als natürlicher Schutz wurde dann bei dem Tsunami auf tragische Weise deutlich: Mit Mangroven bewaldete Küstenstreifen waren von der Flutkatastrophe erkennbar weniger betroffen als andere.

Das PwC-Briefing gibt die finanziellen Folgen aus dem Rückgang der Artenvielfalt unter Beeinträchtigung der Ökosysteme für das Jahr 2008 mit einem Verlust von 2 bis 4,5 Milliarden US-Dollar an. Weitere Beispiele aus der Studie: Der Rückgang der Waldbestände in Bangladesch, China, Indien und Vietnam im Jahr 1998 begünstigte Überflutungen, die etwa 25 Millionen Hektar Getreidefelder betrafen und einen wirtschaftlichen Schaden von 23 Milliarden US-Dollar hinterließen. Durch das Aussterben eines Großteils der nordamerikanischen Bienenschwärme entstand Produzenten in den USA im Jahr 2007 ein Schaden in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar. Und auf den Philippinen führte die extensive Rodung von Waldflächen zu einem Wassermangel, der das regionale 100-Megawatt-Wasserkraftwerk nur noch in Intervallen arbeiten lässt und der damit auch für Produktionseinbußen in der Wirtschaft verantwortlich zeichnet.

Der Verlust von Biodiversität geht einher mit nicht nachhaltigen Entwicklungsmustern der globalisierten Welt, etwa dem Raubbau an natürlichen Ressourcen, landwirtschaftlicher Übernutzung oder ungeregelter Urbanisierung. Betroffen davon sind nicht nur Unternehmen aus Primärindustrien wie dem Bergbau, der Mineralöl-und Gasbranche und der Land-und Forstwirtschaft. PwC fordert deshalb eine systematische Erfassung und Auswertung entsprechender Risiken. Dazu zählen Mehrkosten durch Dürreverluste und Überschwemmungen, aber auch Mehrkosten durch staatliche Regulierungen wie Umweltschutzauflagen und-abgaben oder Importverbote. Zudem gehe es für Unternehmen um die Auswirkungen des Themas Biodiversität auf ihr Unternehmensimage und den Wert ihrer Marken. Und es geht um die Zukunft der Welternährung: Bis zum Jahr 2050 werden neun Milliarden Menschen zu ernähren sein, die zugleich mehr Nahrungsmittel konsumieren werden. Dadurch wird der Nahrungsmittelverbrauch gegenüber heute um 70 % steigen. Die Landwirtschaft ist zu ihrer Leistungsfähigkeit auf Biodiversität angewiesen – was mancher vergisst: Funktionierende Ökosysteme stellen für die landwirtschaftliche Produktion geeigneter Böden zur Verfügung, regulieren die Wasserzufuhr und die Befruchtung der Pflanzen und schaffen klimatische Stabilität.

Die Studie steht in englischer Sprache im Internet zum Download bereit:
www.pwc.de/de/biodiversity