Nachrichten

Textildiscounters KiK wehrt sich gegen Panorama-Vorwürfe

Bönen > In der Serie „Panorama – die Reporter“ strahlte der NDR am Mittwoch und Samstag einen Film von Christoph Lütgert mit dem Titel: „Die KiK-Story – die miesen Methoden des Textildiscounters“ aus. Lütgert will mit seinem Beitrag die Methoden dokumentieren, die Billigpreise und das schnelle Wachstum des Textildiscounters ermöglichen sollen. Die Vorwürfe gegen die Arbeitsbedingungen der KiK-Mitarbeiter in Deutschland und die Zustände in den Zulieferbetrieben in Bangladesch weist das Unternehmen selbst zurück.

Das NDR-Team besuchte Dhaka in Bangladesch und ging dort Kontakten nach, die die „Kampagne für saubere Kleidung“ vermittelt hatte. 6-Tage-Wochen mit jeweils 9 Stunden Regelarbeitszeit, verringerte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, unbezahlte Überstunden und in Einzelfällen Arbeitszeiten von 8.00 Uhr morgens bis 3.00 Uhr nachts lauten die Vorwürfe, mit denen Arbeiterinnen aus KiK-Zulieferbetrieben zu Wort kommen. Und das alles für Monatslöhne zwischen 20 und 35 Euro, so der Bericht. Für die Zuschauer besonders eindrücklich: Lütgert besucht eine Näherin, die für ihren todkranken Bruder keinen Arzt bezahlen kann.

Im Blick auf die Arbeitsbedingungen in Deutschland kritisiert der Beitrag Stundenlöhne zwischen 5 Euro und 6,50 Euro, fehlende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die Behinderung gewerkschaftlicher Organisation. Eine ehemalige KiK-Filialleiterin berichtet vor der Kamera, sie sei mit ihrem ganzen Team von einem auf den anderen Tag ausgetauscht worden, nachdem sie einen Anschluss an die Gewerkschaft diskutiert hatten.

Der Beitrag ist im „Michael-Moore-Stil“ des sich auch selbst portraitierenden investigativen Reporters gehalten und appelliert auch an den Sozialneid – zumindest in den Szenen, in denen die Villa von KiK-Gründer Stefan Heinig gezeigt wird.

KiK selbst stellt dagegen, als verantwortungsbewusster und fairer Arbeitgeber seinen Angestellten markt- und branchenübliche Löhne zu zahlen. Zudem gebe es vom Auszubildenden bis zur Führungskraft eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen. Im internen Umgang sollen Vertrauen, Fairness, Wertschätzung und Offenheit Grundlage des unternehmerischen Handelns bilden. Deshalb steht KiK nach eigenen Worten mit seinen Mitarbeitern in einem kontinuierlichen Informationsaustausch, praktiziert Teamarbeit und fördert Eigeninitiative und verantwortliches Handeln. Die Gründung von Betriebsräten werde definitiv nicht behindert, so das Unternehmen.

Den Vorwurf, nichts zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken in Bangladesch zu unternehmen, will KiK auf keinen Fall stehen lassen. In der Zentrale in Bönen ist eine CSR-Abteilung mit neun Mitarbeitern angesiedelt. Deren Leiterin Petra Katzenberger berichtet: Über zwei Millionen Euro hat KiK bisher in seine CSR-Programme investiert. Damit wurden bisher mehr als 900 Audits durchgeführt. An deren Ende stehe jeweils ein Verbesserungsplan, dessen Umsetzung überwacht werde. KiK setzt dabei auf Qualifizierungsprogramme, Schulungen und Workshops für seine Zulieferer und auf einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Begleitet wird dieser Prozess von der renommierten Hamburger CSR-Beratung Systain Consulting. Mit den lokalen NGOs Awaj Foundation und Phulki steht KiK in regelmäßigem Austausch und organisiert mit seinen Dialogpartnern einen jährlichen Roundtable.

Am Beispiel des schwerkranken Jungen aus Dhaka wird deutlich, wie begrenzt die mediale Darstellung komplexer Zusammenhänge gelingt. NDR-Reporter Lütgert betont zwar immer wieder: „Alles hängt mit allem zusammen“. Als Verantwortliche für die Not der Menschen in den Slums von Dhaka kommen allerdings nur westliche Unternehmen vor, deren Zulieferketten in diese Stadt reichen. Der Staat Bangladesch und sein Gesundheitssystem, die Zivilgesellschaft und die internationale Gemeinschaft als naheliegende weitere Verantwortungsträger bleiben außen vor. Dabei kann ein schlichter Boykott der Produkte der dort einkaufenden westlichen Unternehmen für die Menschen in Bangladesch keine Lösung sein.

Weitere Informationen zu der unternehmerischen Verantwortung von KiK:
www.kik-textilien.com/de/ueber-kik/verantwortung/geschaeftspartner/lieferkette/

Foto: Beiträge wie der von Panorama verbreiten sich auch im Internet – hier bei YouTube (CSR NEWS)