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Wirtschaftskrise fördert Fairtrade – Non-Food-Angebot unzureichend

München > Ökologische Aspekte und faire Produktionsbedingungen spielen neben der Rückbesinnung auf Preis und Qualität eine wachsende Rolle bei Kaufentscheidungen. Zwei Drittel aller im Rahmen der Studie “Europa Konsumbarometer 2010” befragten Europäer gaben an, bewusst Recyclingpapier zu verwenden. 40 Prozent betreiben aktiven Umweltschutz im eigenen Heim und mehr als jeder dritte Europäer hat schon öfters ins Bioregal gegriffen. Allerdings lässt die Begeisterung der Konsumenten bei Komfortverzicht oder größeren Investitionen zugunsten der Umwelt nach, so die Studie. Nur knapp jeder dritte europäische Befragte hat schon einmal aus ökologischen Aspekten den Zug genommen, anstatt mit Auto oder Flugzeug zum Ziel zu gelangen.

Das Europa Konsumbarometer wird jährlich von der Dresdner-Cetelem Kreditbank herausgegeben, einem auf die Absatzfinanzierung im stationären Handel und im E-Commerce spezialisierten Finanzinstitut. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit dem internationalen marktforschungsunternehmen BIPE im September 2009 mit einer Internet-Umfrage 7.900 Europäer in zwölf europäischen Ländern befragt.

Nach Überzeugung der Studie hat die Wirtschaftskrise den europäischen Konsumenten “nachhaltig” verändert. “Der verantwortungsvolle, vorausschauend denkende Verbraucher von heute möchte keinesfalls eine weitere weltweite Krise riskieren. Er achtet auf Umweltschutzkriterien, gesunde Erzeugnisse sowie einen gerechten Lohn”, analysierte Dr. Anja Welsch, Bereichsleitung Sales Support & Marketing der Dresdner-Cetelem Kreditbank. Ist der Aufwand gering, fällt ökologisch motivierter Konsum leicht und ist schon obligatorisch. Mit der wachsenden Anzahl von Produkten, die das Attribut ‘Bio’ im Namen tragen, wächst jedoch auch die kritische Betrachtung durch den Konsumenten, so Professor Dr. Andrea Gröppel-Klein vom Institut für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes. “Dann besteht die Gefahr, dass Bioprodukte neben der Exklusivität auch ihren Status als Qualitätsgaranten einbüßen”.

Die Zuwachsraten für Produkte aus dem fairen Handel sind in Europa ein langjähriger Trend. 44 Prozent der Befragung greifen gelegentlich zu Waren aus fairem Handel. Als Hauptgründe gegen den Kauf nennen 69 Prozent der Verbraucher zu hohe Preise und mehr als jeder dritte Befragte empfindet Fairtrade lediglich als ein weiteres Marketinginstrument. Eine Sonderrolle nimmt Großbritannien ein; dort besitzen gerechte Produktionsbedingungen eine hohe Bedeutung und 28 Prozent der Verbraucher kaufen häufig Fairtrade-Produkte.

Bioprodukte kommen im Gegensatz zum Fairtrade-Segment nicht nur der Umwelt zugute, sondern auch der eigenen Gesundheit. So nehmen Verbraucher bei Bioware höhere Preise in Kauf, während sie sich dies bei Fairtrade-Erzeugnissen nicht gefallen lassen.

Der faire Handel wird erst dann weitere Marktanteile gewinnen, wenn der Verbraucher intensiver informiert, die Glaubwürdigkeit gestärkt und die Attraktivität der Produkte gesteigert wird, sind die Studienherausgeber überzeugt.

In der Studie hatten 64 Prozent der Befragten ein unzureichendes Angebot im “Non-Food-Bereich” beklagt. Das ändert sich zusehends: So bieten seit der vergangenen Woche Adler-Modemärkte in 125 Städte in Deutschland, Österreich und Luxemburg T-Shirts aus Fairtrade-Baumwolle an. Die Baumwolle der Adler-T-Shirts stammt aus der Kooperative Agrocel in Indien. Seit 2005 ist diese Kooperative Fairtrade-zertifiziert und investiert Fairtrade-Prämie u.a. in die Gesundheitsvorsorge für ihre Mitglieder und in ein spezielles Gesundheitsprogramm für Schulkinder. “Gerade in der Textil- und Baumwollindustrie ist es wichtig, ein Zeichen für soziale Verantwortung zu setzen”, sagte TRANSFAIR-Geschäftsführer Dieter Overath, dessen Organisation das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt.

Foto: (v.l.n.r.) Lothar Schäfer (CEO, Adler), Model in T-Shirt aus Fairtrade-Baumwolle und TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath (Adler-Modemärkte GmbH)