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Die Buddenbrooks für Manager von heute: Wichtigtuerisches vom Wichtigen unterscheiden

Rheinhessen > „Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können“, lässt Thomas Mann den Gründer des Familienunternehmens Buddenbrook, Jean, in seinem Roman „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“ sagen. Unternehmenslenker können aus dem im 19. Jahrhundert spielenden Roman lernen. Zum Beispiel, dass „der Moment der geschäftlichen Enthemmung, die dem Gefühl entspringt, mit der Zeit gehen zu müssen, auch wenn es althergebrachten Ehrbegriffen wiederspricht, der Beginn ihres inneren und äußeren Verfalls ist“, schreibt Dr. Alexandra Hildebrandt in ihrem Buch „Welche Zeiten, in denen wir leben. Was erfolgreiches Unternehmertum ausmacht.“ Manager werden zu Wertevernichtern, wenn ihnen der innere Kompass fehlt und ihr Handeln nicht im Einklang mit dem eigenen Gewissen steht.

Und so liest sich das von Raimund Frey ansprechend illustrierte Büchlein vor allem als eine Anfrage an die persönliche Orientierung. Marktwirtschaft braucht Ethik, und Ethik bedeutet: Menschen setzen sich mit Werten und Normen auseinander und leben und arbeiten danach. Nicht alle Menschen orientieren sich an einer verinnerlichten Ethik, auch nicht alle Manager. Es gibt diejenigen, die „sich selbst und der Welt abhanden gekommen“ sind, unbehauste und identitätslose Menschen. Solche, die Geld und Erfolg für das Eigentliche halten. Manager, die ihr Vermögen vermehren und das Vermögen verlieren, zu lieben oder geliebt zu werden. Unternehmenslenker, die den Verlust einer inneren Haltung mit Imageaufbau und Positionierungsstrategien kaschieren.

Im Buddenbrook-Roman ist es Thomas Buddenbrook, der für den Niedergang des Familienunternehmens steht. Mit 42 Jahren hat er seinen jugendlichen Charme verloren, lebt als „freud- und antriebsloser Mensch wie hinter einer Milchglasscheibe“ und schafft es nicht mehr, „das Wichtigtuerische vom Wichtigen zu unterscheiden“. An keiner Stelle des Textes tauchen Namen von heutigen Unternehmen oder Unternehmenslenkern auf. Dennoch drängt sich dem Leser der Gedanke an den insolventen Arcandor-Konzern auf, wenn Alexandra Hildebrandt schreibt: „Die gegenwärtige Wirtschaftskrise zeigt ähnliche Entwicklungen – nur vergrößert: Unternehmen stoßen ihre Logistik ab, verkaufen ihre Immobilien und haben dadurch keine Reserven mehr, diese in Notzeiten zu verkaufen. Sie haben stattdessen langlaufende und hohe Mietverpflichtungen.“

Corporate Social Responsibility braucht die Verankerung in der ethischen Orientierung der Verantwortlichen. Diese entsteht da, wo Manager das eigene Leben und die Bedingungen der eigenen Existenz in den Blick nehmen. „Manager schlecht geführter Unternehmen (…) sind Analphabeten, wenn es darum geht, sich auf die Sprache ihres Körpers einzulassen.“ Fragen nach unserer Beziehung zum Glück, zu Gott, zur eigenen Vergänglichkeit gehören zum Leben und beeinflussen unsere ethischen Grundentscheidungen. Impulse für die Ausrichtung des eigenen Werte-Kompass gibt das Buch im Anhang in einer „Wort-Sammlung für erfolgreiches Unternehmertum“.

Wer einen systematischen Zugang zum Thema Unternehmensethik sucht, wird nicht zu diesem Buch greifen. Wer sich aber unterhaltsam in Bezug auf die Orientierungspunkte seiner eigenen Ethik hinterfragen lassen will, dem ist das Büchlein zu empfehlen.

Dr. Alexandra Hildebrandt:
Welche Zeiten, in denen wir leben. Was erfolgreiches Unternehmertum ausmacht.
1. Aufl., Saulheim/Rheinhessen (Kehsler Verlag) 2010
ISBN 978-3-942385-00-8
Preis: 15,95 EUR, von denen 2,00 EUR an die Stiftung i.G. Verantwortung tragen gehen.