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CSR im Mittelstand: politischem Engagement droht Wirkungslosigkeit

Bonn > „Der Mittelstand hat ganz klar ein soziales Gewissen“, sagte Ernst Burgbacher, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ende April in einer Presseerklärung seines Hauses. Als Beispiel für im Mittelstand gelebte CSR-Programme nannte Burgbacher flexible Arbeitszeiten für Eltern, Spenden an Jugendmannschaften lokaler Fußallvereine und die Abgabe von PCs an benachbarte Schulen – überwiegend also philanthropische Aktivitäten, die keinesfalls den Kern von Corporate Social Responsibility darstellen. Burgbacher bezog sich mit seinen Äußerungen auf die Studie „Wirtschaftspolitische Ansätze zur Unterstützung von Corporate Social Responsibility-Aktivitäten“.

Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung legte die von Dr. Franz Maaß verfasste und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte Studie im März vor. Deren Analyse der Corporate Social Responsibility bleibt allerdings sehr oberflächlich und die daraus abgeleiteten Ratschläge versprühen nicht zu viel Praxisnähe:

In der Industrie praktizieren 98,6 % der Großunternehmen und 94, 3 % der Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) bereits CSR, zitiert die Studie aus einer 2007 durchgeführten Erhebung. Dem liegt ein offensichtlich sehr breites Verständnis von gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung zugrunde, bei dem etwa „sämtliche Maßnahmen der betrieblichen Sozialpolitik … als CSR-Initiativen interpretiert werden“. Angesichts dieser Zahlen kommt die Studie zu dem Schluss, dass staatliche Maßnahmen nur auf eine Erweiterung und Differenzierung dieses Engagements zielen können. Wobei ergänzt wird, dass sich ein Einfluss von CSR auf wirtschaftlichen Erfolg nicht nachweisen lasse und CSR im Wesentlichen auf die Steuerung des Verhaltens interner und externer Stakeholder ziele.

In keiner Weise wird kritisch diskutiert, dass nach den im eigenen Text veröffentlichten Zahlen 94,3 % der Unternehmen CSR-Aktivitäten in der Arbeitsphäre angeben, 81,9 % beim Corporate Giving dabei sind, aber nur 38,6 % die Herstellung umweltfreundlicher Produkte melden.

Klar sind in der Studie die Worte zum staatlichen Interesse an CSR: „Das Interesse des Staates an CSR kann darin bestehen, die Marktkräfte für gesellschaftliche Problemlösungen nutzbar zu machen, um den Staatshaushalt zu entlasten, staatliches Handeln quantitativ und qualitativ zu unterstützen und durch die Erzielung von Bürgernähe zu legitimieren.“ Unter den Vorschlägen zu dem, wie der Staat CSR im Mittelstand fördern könne, findet sich alles Mögliche: die Vermittlung von Kooperationen zwischen KMU und NGOs, die Verbreitung von Informationen zur CSR-Praxis und die Schaffung von Zertifikaten. Vorschläge, die jeweils im Einzelnen kritisch zu diskutieren wären. Was aber fehlt, ist jegliche Reflexion auf die aktuelle Diskussion zur Einkaufsmacht des Staates und deren möglichen Einfluss auf verantwortliches Unternehmertum.

Und so sieht Staatssekretär Burgbacher den politischen Beitrag des Staates zur Förderung gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung im Mittelstand dann darin, „CSR-Aktivitäten öffentlich bekannt zu machen und zu würdigen.“ Originell oder neu ist das nicht. Dem politischen Handeln sind eine gründlichere Analyse der Ist-Situation und kreativere Perspektiven zu wünschen. Sonst wird es wirkungslos verpuffen.

Die Studie zum Download im Internet:
http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=843

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