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Russische NGO protestiert gegen russisches Unternehmens – CSR gewinnt durch internationale Verknüpfung an Bedeutung

Moskau > Die russische Nichtregierungsorganisation Socio-Ecological Union protestiert gegen das russische Unternehmen Uralchem, einen Produzenten chemischer Düngemittel. Der Protest traf Uralchem zum Zeitpunkt eines geplanten Börsengangs und führte nach Angabe der NGO zu dessen Absage, das Unternehmen selbst macht die aktuelle Marktsituation dafür verantwortlich. Andere Presseberichte nennen die 1,4 Mrd. USD Schulden des Konzerns als Ursache. Sicher ist: Der Protest der russischen NGO erregte weltweit Aufsehen, was umso beachtlicher ist, als Uralchem im französischen Dieppe die Errichtung einer Wiederaufbereitungsanlage plant.

Maxim Shingarkin, Vertreter der Organisation Socio-Ecological Union, warnte potentielle Investoren von Uralchem vor einem solchen Engagement: „Wir glauben, dass der bei der Börseneinführung eingestrichene Betrag dazu dienen wird, die Schulden des Unternehmens zu tilgen, während die Fabrikanlagen von Uralchem weiterhin ganze Städte ersticken und Düngemittel produzieren werden, die massenweise durch Qualitätskontrollen durchfallen.“

Socio-Ecological Union wirft Uralchem ernsthafte Verstöße gegen umweltrechtliche Regelungen vor: So habe die Nachlässigkeit von Uralchem bei ökologischen Sicherheitsvorkehrungen im letzten Jahr zu mehreren tödlichen Unfällen geführt und die Luft- und Wasserqualität in den Städten Kirovo-Chepetsk, Voskresensk und Berezniki schwer beeinträchtigt. In Voskresensk gehe von einem 200 Meter großen, illegal aufgeschütteten Hügel aus Phosphogips die Gefahr einer Vergiftung des Flusses Moskwa aus. Kontrollen der staatlichen Umweltaufsichtsbehörde RosTechNadsor seinen behindert worden.

Uralchem selbst betont dagegen auf seiner Corporate-Responsibility-Website, dass es die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001 erfülle und dies auch durch ein internationales Zertifikat zu seinem Unternehmensbereich Azot nachweisen könne. Zudem sei man Teil der Initiative „Responsible Care (RC)“. Die chemische Industrie verpflichtet sich in der weltweiten Initiative zu verantwortlichem Handeln. In 53 Ländern führen Chemieverbände nationale RC-Programme durch – seit Oktober 2007 gibt es auch ein russisches RC-Programm. Der internationale Chemieverband ICCA lenkt die 1985 in Kanada gestartete Initiative, in Europa wird sie durch den Europäischen Chemieverband Cefic koordiniert. Uralchem betont im Zusammenhang mit seinem RC-Programm, es achte besonders auf sichere Produktionsprozesse, die sichere Arbeitsplatzgestaltung und ein modernes System der Arbeitssicherheit.

Der Protest der nach eigenen Worten internationalen Socio-Ecological Union gegen Uralchem ist ein beachtlicher Vorgang, zumal internationale NGOs mit Restriktionen seitens der russischen Regierung leben, freie Medien und eine kritische Berichterstattung nicht häufig sind und der Aufbau bürgerschaftlicher Strukturen in Russland Zeit braucht. CSR ist in Russland ein weitgehend neues Thema, Konzepte und Strategien gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung stehen am Anfang und entsprechende Strukturen fehlen bisher. „Insgesamt besteht der Eindruck, dass Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten öffentlich darstellen, um damit Medienaufmerksamkeit zu erzielen, ohne dass ein tatsächliches Engagement nachweisbar wäre“, so die Einschätzung der Deutschen Botschaft in Moskau. Durch die globale Ausrichtung der russischen Wirtschaft wird CSR zunehmend Bedeutung erlangen – auch das macht der Vorgang um Uralchem, dessen geplatzten Börsengang und das in Frankreich geplante Engagement des Unternehmens deutlich.

Uralchem im Internet:
www.uralchem.com/eng/

Die Social-Ecological Union im Internet:
www.seu.ru/about/eng/