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Nachhaltige Baumwolle gewinnt an Bedeutung

Berlin > Das Thema „nachhaltige Baumwolle“ nimmt Fahrt auf. Das belegen zwei Ereignisse des heutigen Tages: Die Aid by Trade Foundation stellte die Verifizierungskriterien ihrer Initiative „Cotton made in Africa“ in Berlin der Fachöffentlichkeit vor. Und C&A Europa meldete unter Berufung auf eine globale Marktanalyse von „Organic Exchange“, es habe sich weltweit an die Spitze der nachhaltig angebauter Baumwolle vertreibenden Einzelhandelsunternehmen gesetzt.

Die Verifizierungskriterien von Cotton made in Africa wurden gemeinsam von der niederländischen Universität Wageningen, Pricewaterhouse Coopers und Baumwollgesellschaften vor Ort entwickelt. Von den unabhängigen Zertifizierungsunternehmen Ecocert und Africert wurden sie im Feld getestet und gleich erfolgreich auf die Cotton made in Africa Anbaugebiete in Benin, Sambia und Burkina Faso angewendet. Die Kriterien orientieren sich anderem an den Richtlinien der International Labour Organisation (ILO), den Konventionen zum Pestizideinsatz von Stockholm und Rotterdam sowie an den OECD Wettbewerbsrichtlinien. Sie enthalten Ausschlusskriterien, die über die Aufnahme von Baumwollgesellschaften und Kleinbauern in das Cotton made in Africa Programm entscheiden, sowie soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeitsindikatoren. Diese Nachhaltigkeitsindikatoren müssen nicht von Beginn an erfüllt sein. Von den Partnern wird aber erwartet, dass sie sich durch die Teilnahme an der Initiative kontinuierlich verbessern. Die Erfüllung der Indikatoren kann entsprechend einer Ampel von den Verifizierern bei den zweijährigen Audits als „rot“, „gelb“ oder „grün“ bewertet werden. In Bezug auf die Farmer wird unter anderem überprüft, ob Dreifelderwirtschaft betrieben wird, wie Pestizide eingesetzt werden, ob Kinder und Erwachsene an Bildungsmaßnahmen teilnehmen und inwiefern ein gültiger Vertrag zwischen Bauer und Baumwollgesellschaft besteht. Zu den Ausschlusskriterien gehören Sklaverei und Menschenhandel sowie die Beschränkung auf Regenfeldanbau. Im Verifizierungsprozess fungiert die Baumwollgesellschaft als „Management Unit“ und sind damit z.B. für die Erstellung eines Managementplans verantwortlich. Der Plan legt fest, welche Verbesserungen bis zur nächsten Überprüfung wie erreicht werden müssen und welche Unterstützung Cotton made in Africa etwa in Form von Farmerschulungen zur Verfügung stellt. Dabei kooperiert die Initiative mit der Bill and Melinda Gates Foundation und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Mit dem Verkauf von nachhaltig angebauter Baumwolle punktet C&A Europa. Die Zahl der von C&A in seinen 1.410 europäischen Filialen verkauften Einzelstücke aus Bio-Baumwolle erhöhte sich 2009 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 17 Prozent auf rund 18 Millionen Teile. Für das Jahr 2010 plant C&A den Verkauf von rund 23 Millionen Biobaumwoll-Textilien. Damit würden 10 Prozent der Baumwollkollektion des Unternehmens aus zertifizierter Bio-Baumwolle bestehen – wobei Bio-Baumwolle derzeit lediglich 0,75 Prozent der weltweiten Baumwollproduktion ausmacht. „Gerade angesichts des schwierigen konjunkturellen Umfeldes und eines global rückläufigen Textilmarktes ist der anhaltende Erfolg von Bio-Textilien im Geschäftsjahr 2009 sehr ermutigend“, erklärte dazu Andreas G. Seitz, Mitglied des European Executive Board und Vorstandssprecher von C&A Europa.

Nach Angaben von Organic Exchange konnte der Umsatz von Bio-Textilien von weltweit 3,2 (2008) auf 4,3 Mrd. US-Dollar gesteigert werden. Aufgrund des weiterhin erwarteten Wachstums von jährlich 20 bis 40 Prozent rechnet Organic Exchange damit, dass der weltweite Einzelhandelsumsatz mit Textilien aus Bio-Baumwolle auf 5,1 Mrd. (2010) beziehungsweise 6 Mrd. US-Doller (2011) ansteigen wird. Die weltweite Anbaufläche für Bio-Baumwolle erstreckt sich derzeit auf rund 253.000 Hektar in 22 Ländern. Organic Exchange spricht in seinem Bericht von weltweit rund 220.000 Farmern, die ihren Lebensunterhalt durch den Anbau von Bio-Baumwolle bestreiten. Nach Angaben von Organic Exchange ist das Erntevolumen der organisch angebauten Baumwolle 2009 gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent von 145.872 Tonnen auf 175.113 Tonnen angestiegen. Damit ist der Anstieg geringer ausgefallen als im Vorjahr, das durch eine deutliche Überproduktion geprägt war. „Wer Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie fördern möchte, muss einen ganzheitlichen Ansatz wählen, der über den reinen Verkauf von modischer Kleidung aus Bio-Baumwolle weit hinausgeht“, sagte Seitz. Deshalb startete C&A in der Vergangenheit eine ganze Reihe von Initiativen – insbesondere in Indien. Dazu gehören der Abschluss von Kooperationsabkommen mit ausgewählten landwirtschaftlichen Betrieben, die deren finanzielle Risiken bei der Umstellung auf Bio-Baumwolle minimieren, Schulungsprogrammen für Farmer, Spinnereien, Händler und Lieferanten sowie zahlreiche soziale Projekte, die unter anderem der schulischen Bildung von Kindern aus der Landbevölkerung dienen.

Organic Exchange im Internet:
www.organicexchange.org

Weitere Informationen zum Verifizierungskatalog von Cotton made in Africa im Internet:
www.cotton-made-in-africa.com