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Aktuelle Nachhaltigkeitsberichte: Mitarbeiterorientierung im Fokus

Frankfurt > In den letzten Tagen sind eine ganze Reihe lesenswerter Nachhaltigkeitsberichte erschienen, die dem Umgang mit den eigenen Mitarbeitern einen hohen Stellenwert einräumen. Drei Beispiele:

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) veröffentlicht ihren Nachhaltigkeitsbericht als 22-seitiges Kapitel im Rahmen ihres Geschäftsberichts. Mitarbeiterbezogene Themen finden sich hier unter der Überschrift „Wissensbilanz“ und bilden den Mittelpunkt des OeNB-Nachhaltigkeitsberichtes. Die Weiterentwicklung und der Einsatz des Mitarbeiterwissens sind Grundvoraussetzungen für hochwertige und professionelle Leistungen und Wissenstransfer schafft Vertrauen, heißt es in dem Text. Die OeNB hat aussagekräftige Indikatoren zu den „Investitionen in das wissensbasierte Kapital“, den „wissensbasierten Prozessen“ und dem „wissensbasierten Output“ gebildet und stellt dabei die Jahre 2007 bis 2009 in den Vergleich. Der Frauenanteil in der Belegschaft beträgt 40 Prozent, in der Führungsetage sind es hingegen 19 Prozent Frauen – das will die Nationalbank verbessern. Im Krisenjahr 2009 sanken die durchschnittlichen Aus- und Weiterbildungstage und die Aus- und Weiterbildungsquote leicht auf 3,2 Tage bzw. 55,1 Prozent. Von den 984 Mitarbeitern nutzen immerhin 5 die Chance zu einem Sabbatical. Zu dem wissensbasierten Output rechnet die Nationalbank eine wachsende Zahl von Fachartikeln und wissenschaftlichen Artikeln ihrer Mitarbeiter – insgesamt 283. Im Krisenjahr 2009 sank der Vertrauensindex auf 65 Prozent – gegenüber 70 Prozent zwei Jahre zuvor. Die übersichtliche Präsentation relevanter und auch kritischer Indikatoren überzeugt in dem Nachhaltigkeitsbericht der OeNB.

Mit der TÜV Rheinland Holding legte ein international tätiges Prüfungsunternehmen seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht vor, zu dessen Portfolio Dienstleistungen in Sachen Corporate Social Responsibility gehört. Auch im TÜV-Rheinland-Bericht spielt die Mitarbeiterorientierung eine wichtige Rolle. 13.804 Mitarbeiter verzeichnete der Konzern im Jahresdurchschnitt 2009, davon 6.753 in Deutschland. Im Krisenjahr 2009 konnte der TÜV Rheinland die Zahl seiner Mitarbeiter in Deutschland um 6,8 Prozent steigern. Wer die im Bericht angebotenen Statistiken verstehen will, muss allerdings zum Taschenrechner greifen. 20.080 Weiterbildungstage auf 6.753 Mitarbeiter in Deutschland, das macht 3 Tage pro Mitarbeiter. Auch bei der Feststellung des Frauenanteils in der Belegschaft hilft der Rechner: Dieser Anteil liegt bei 36 Prozent und damit für technische Berufe überdurchschnittlich hoch. Der Leser scheitert jedoch an der Frage nach dem Frauenanteil in der Führungsetage: „Auch die 157 Führungskräfte bei TÜV Rheinland sind überwiegend männlich“, heißt es dazu lediglich in dem Bericht. Um den Frauenanteil zu erhöhen, hat der TÜV Rheinland Programme gestartet wie die Flexibilisierung der Arbeitszeit mit Teilzeit- und Telearbeitsplätzen oder die Einrichtung eines Notfallkindergartens. Klare Leistungsindikatoren und eine Vergleichbarkeit über mehrere Jahre hinweg, das mag man dem nächsten Nachhaltigkeitsbericht des TÜV Rheinland wünschen.

Und auch die Deutsche Börse Group informiert in ihrem Corporate Responsibility Bericht 2009 mit dem Titel „Dialog leben“ zu ihrem mitarbeiterbezogenen Engagement. 3.600 Mitarbeiter sind für die Deutsche Börse tätig, davon 1.620 in Deutschland. Der Frauenanteil an der Belegschaft betrug 36,4 Prozent, im oberen Management ist keine Frau tätig, im mittleren Management liegt die Frauenquote bei 14 Prozent. Mit einer Frauenquote von 41 Prozent unter den Neueinstellungen deutet sich eine Trendwende an. Vollzeitliche Mitarbeiter nahmen im Jahr 2009 an durchschnittlich zwei Weiterbildungstagen teil. Ein tabellarischer Vergleich der Trainings 2008 und 2009 weist einen deutlichen Rückgang der Trainings im Krisenjahr 2009 aus. Die Deutsche Börse rief im vergangenen Jahr mehrere Initiativen zu dem nicht nur in dieser Branche aktuellen Thema Work-Life-Balance ins Leben, unter anderem Mitarbeiter-Workshops zum Stressmanagement. Und sie bietet in Deutschland eine Kinderbetreuung im Notfall, die 2009 mit mehr als 100 Betreuungstagen in Anspruch genommen wurde. Als besonders erfolgreich kann die Deutsche Börse die Einrichtung des Innovationsmanagements YouNovate verbuchen, über das seit dem Start im Juli 2009 bereits 573 Ideen eingereicht wurden.

Die Berichte im Internet:

Oesterreichische Nationalbank
TÜV Rheinland Holding
Deutsche Börse Group