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IT-Hersteller Foxconn verlor Anschluss: bei CSR und seinen Mitarbeitern

Taipeh > Wenn heute in Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan, die Hardware-Messe Computex startet, steht ein Unternehmen ungewollt weiterhin im Mittelpunkt: Foxconn, eine Marke der taiwanischen Hon Hai Precision Industry Co. Ltd. 1974 von Terry Gou als Hersteller von Kunststoffprodukten gegründet, gilt Foxconn heute als einer der größten Hersteller von Elektronik- und Computer-Teilen weltweit. Konzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell und Sony lassen dort fertigen, bei Foxconn wird Apples neues iPhone 4G zusammengebaut. Eine Selbstmordserie unter den Beschäftigten zog die weltweite Aufmerksamkeit auf ein Unternehmen, das bereits vor vier Jahren für seine Arbeitsbedingungen in der Kritik stand. Mindestens zehn Selbstmorde ereigneten sich dort nach unterschiedlichen Presseberichten in den vergangenen Tagen. Der letzte davon, kurz nach dem Firmenchef Terry Gou am Mittwoch mit Journalisten eine Fabrik mit etwa 300.000 Arbeitern besucht und unter anderem einen Swimmingpool und eine Telefon-Hotline für Mitarbeiter mit emotionalen Problemen vorgestellt hatte. Nun hat Foxconn seinen insgesamt 800.000 Beschäftigten in China eine Gehaltserhöhung von 20 Prozent in Aussicht gestellt. Apple und Dell haben eine Überprüfung der Arbeitsbedingungen bei dem Zulieferer angekündigt.

Ein Blick auf die Website hinterlässt den Eindruck von einem Unternehmen, dass nach einer Protestwelle vor vier Jahren eine Serie von Corporate Social Responsibility-Maßnahmen startete und bei dem dieses Thema dann wieder an Bedeutung verlor. Die Jahre 2006 bis 2008 verzeichneten einige Aktivitäten in diese Richtung wie etwa die Einrichtung eines Foxconn Global SER Commitee, in einem CSR Ranking von Oxfam Hongkong und CSR Asia erreichte das Unternehmen Platz 8 und für das Jahr 2008 gab Foxconn sogar einen CSR-Bericht heraus. Dieser Bericht beschreibt Corporate Social and Environmental Responsibility als höchsten Unternehmenswert und die Mitarbeiter als dessen höchstes Gut. Eine barrierefreie Kommunikation – wie etwa eine Hotline – mit der Unternehmensleitung solle helfen, deren Bedürfnisse besser zu verstehen. Das Thema Work and Life Balance kommt in dem CSR-Bericht kurz vor: Foxconn bietet danach dazu Kurse und kostenlose Beratung an und bietet Eltern wie auch ledigen Mitarbeitern Unterstützung.

In den letzten beiden Jahren sind bei Foxconn keine Neuigkeiten oder Dialoge zum Thema CSR zu finden. Dafür sieht sich das Unternehmen heute wieder ähnlichen Vorwürfen gegenüberausgesetzt wie vor vier Jahren: Sprechverbote, 12-Stunden-Tage, Sechs-Tage-Woche und überstrenge Vorarbeiter sollen das Arbeitsklima prägen. Wenn Foxconn nun mit dem Angebot von Gehaltserhöhungen oder (nach anderen Presseberichten) mit einem Schreiben an seine Angestellten reagiert, in dem das Unternehmen Selbstverletzungen und Selbsttötungen verbietet, dann zeigt das zumindest eins: Von den Bedürfnissen seiner Mitarbeiter hat Foxconn wenig verstanden.

Das Unternehmen im Internet:
www.foxconn.com

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