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Welttag gegen Kinderarbeit: 850.000 Kinder in Südafrika betroffen

Berlin > Weltweit arbeiten über 200 Millionen Kinder. Rund 115 Millionen Kinder sind von besonders gravierenden Formen der Kinderarbeit betroffen, erleiden gesundheitliche und psychische Schäden und können nur in den seltensten Fällen die Schule besuchen. Der vergangene Samstag wurde als „Internationaler Tag gegen die Kinderarbeit“ begangen. Dabei richtete sich der Blick angesichts der Fußballweltmeisterschaft besonders auf den afrikanischen Kontinent.

Ausgerufen wurde der Welttag gegen die Kinderarbeit im Jahr 2002 durch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Nach der UN-Kinderrechtskonvention umfasst Kinderarbeit solche Tätigkeiten von unter 18-jährigen, die ihnen schaden oder sie am Schulbesuch hindern. Nach den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) darf ein Kind erst dann einer Arbeit nachgehen, wenn es mit 15 beziehungsweise 14 Jahren nicht mehr schulpflichtig ist. Neuerdings sollen eine Reihe nachhaltigkeitsorientierter Siegel dafür garantieren, dass Waren frei von ausbeuterischer Kinderarbeit entstehen (FairTrade, GoodWeave, XertifiX, FairStone, STEP, FLP und andere). Den immer noch hohen Stand der Kinderarbeit wollen NGOs, Unternehmen und Politiker nicht hinnehmen:

Nach dem Willen der Politiker im rheinischen Monheim etwa sollen Unternehmen, die sich nicht nachweislich von ausbeuterischer Kinderarbeit distanzieren, ab sofort von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden. Ein entsprechender Antrag wurde im Stadtrat von allen Fraktionen unterstützt. Danach dürfen die Stadt Monheim und ihre Eigenbetriebe nur noch Produkte und Dienstleistungen berücksichtigen oder erwerben, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit erstellt werden. Das Kinderhilfswerk terre des hommes appelliert in diesem Zusammenhang an die Bundesregierung, eine Servicestelle für sozialökologische Beschaffung einzurichten. Diese soll Städten, Gemeinden und Unternehmen Kriterien und Informationen für den Einkauf sozialverträglich hergestellter Produkte zur Verfügung stellen.

Dass die kommerzielle Ausbeutung von und die Gewalt gegen Kinder auf dem afrikanischen Kontinent eine große Rolle spielt, darauf weist die UNICEF hin: Nach UNICEF-Angaben muss jedes dritte Kind in Afrika bereits im Alter zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten, mit über 35 Prozent liegt der Anteil arbeitender Mädchen und Jungen in Sub-Sahara-Afrika weltweit am höchsten. In Südafrika sind davon schätzungsweise 850.000 Kinder betroffen. Hinzu kommen schätzungsweise 50.000 Kinder, die in den Jahren 2008 und 2009 in Südafrika zu Opfer von Gewalt wurden. Im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft befürchten manche eine Zunahme der Ausbeutung von Kindern und des Kinderhandels. Weil während des Weltcups alle Schulen dort geschlossen sind, könnten für längere Zeit unbeaufsichtigt Kinder schneller in gefährliche Situationen geraten. Mit einem Aktionsplan will die UNICEF während der Fußball-Weltmeisterschaft besonders benachteiligte und gefährdete Kinder schützen und für die Umsetzung der Kinderrechte in Südafrika werben. „Wirksamen Kinderschutz gibt es nur, wenn die ganze Zivilgesellschaft sich für Null-Toleranz gegen Ausbeutung von Kindern einsetzt“, sagte Aida Girma, die Leiterin von UNICEF in Südafrika.

Positiv hebt die UNICEF hervor, dass 14 führende Unternehmen der Tourismusindustrie in Südafrika den internationalen Verhaltenskodex der Tourismusindustrie gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern rechtzeitig vor Beginn der WM unterzeichnet haben – darunter die Autovermieter AVIS und Hertz sowie die Hotelketten Radisson und Protea. Für einen Erfolg der Bemühungen gegen die Ausbeutung von Kindern sei die Mitwirkung der Tourismusindustrie entscheidend, betonte Aida Girma.

Bereits Ende Mai startete eine landesweite Aufklärungskampagne gegen sexuelle Ausbeutung und Missbrauch. Zu den Mitwirkenden an dieser Kampagne gehört die Tankstellenkette TOTAL: Dort sind kleine rote Karten mit der Nummer einer Hotlines erhältlich, bei der Kindermissbrauch oder -ausbeutung gemeldet werden können. Zwar hätten sich nach dem Ende der Apartheid viele südafrikanische Familien die Lebensbedingungen verbessert und die Regierung wendet mehr Mittel für soziale Zwecke auf als jemals zuvor. Jedoch sei Südafrika immer noch eine geteilte Gesellschaft und mehr als die Hälfte aller Kinder lebten von weniger als einem Dollar am Tag, so die UNICEF.

So verweist auch die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach MdB, anlässlich des Welttages gegen die Kinderarbeit auf die Situation in Sub-Sahara-Afrika und appelliert an eine übergreifende gesellschaftliche Zusammenarbeit: „Es bedarf des gemeinsamen Einsatzes der Industrie- und Entwicklungsländer sowie NGOs und Unternehmen, um die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu beseitigen“.

Informationen zur Kinderarbeit bei terre des hommes:
http://www.tdh.de/content/themen/schwerpunkte/kinderarbeit/

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