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BSCI verfünffacht Mitgliederzahl in dreieinhalb Jahren

Brüssel > Die Business Social Compliance Initiative (BSCI) verzeichnet seit 2007 ein schnelles und stabiles Wachstum ihrer Mitglieder: Lag die Mitgliederzahl 2007 noch unter 100, so waren es Anfang 2009 bereits 251 und zum Jahresende 2009 insgesamt 430 Mitglieder. Die Beitrittszahlen sind auch in diesem Jahr stabil und inzwischen ist die Zahl der Mitglieder auf über 550 angewachsen. Das meldet die BSCI im Zusammenhang mit dem nun vorgelegten Jahresbericht 2009. Der Mitgliederzuwachs ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass Mitgliedsunternehmen ihre Importeure zu einer eigenen BSCI-Mitgliedschaft motivierten, so BSCI-Geschäftsführer Lorenz Berzau. Dies hat den Vorteil, dass die Importeure unmittelbar auf die Produzenten in den Ursprungsländern Einfluss nehmen können und andererseits ihre eigenen internen Geschäftsprozesse nicht gegenüber dem Hauptabnehmer offenbaren müssen. Zudem konnte die BSCI neue Unternehmen und Marken für die Mitgliedschaft gewinnen. Und die Initiative wächst schrittweise über ihren bisherigen Schwerpunkt Textil hinaus. So gewinnt die Warengruppe Elektronik innerhalb der BSCI an Bedeutung.

Ein Schwerpunkt der BSCI ist die koordinierte Auditierung von Zulieferbetrieben nach einem eigenen Verhaltenskodex, der Themen wie Versammlungsfreiheit, Antidiskriminierung, Mindestlöhne, Umweltaspekte oder das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit umfasst. In den zurückliegenden sechs Jahren sind insgesamt 15.000 Audits nach den BSCI-Standards durchgeführt und damit die Arbeitsbedingungen von über vier Millionen Beschäftigten in Zulieferfirmen überprüft worden. Häufige Verstöße gegen den BSCI-Kodex fanden sich zu den Themen Arbeitszeit, Bezahlung, Managementpraxis und Arbeitssicherheit. Die BSCI ist um eine Verbesserung ihrer Audits bemüht und führte dazu im vergangenen Jahr z.B. einen standardisierten Fragebogen für Mitarbeiterbefragungen ein. Zudem dauern die Audits heute länger als in der Vergangenheit, damit die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben besser erfasst werden können. Auditiert wird jeweils auf der letzten Fertigungsstufe. Eine vollständige Auditierung der gesamten Zulieferkette bis zu den Herstellungsbetrieben jeder Garnrolle und den Spinnereien würde einen enormen Zeitaufwand für die Auditoren bedeuten und viele Unternehmen vor zu große finanzielle Herausforderungen stellen, berichtet Berzau. Der Endfertiger übernimmt somit Verantwortung für seine Zulieferer.

Ein zentrales und in der Öffentlichkeit lebendig diskutiertes Thema sind die Löhne in den (asiatischen) Zulieferbetrieben. Der BSCI-Standard verlangt die Zahlung eines gesetzlichen Mindestlohns und strebt darüber hinaus die Zahlung existenzsichernder Löhne an. In ihrem Jahresbericht räumt die BSCI ein, dass Mindestlöhne oft nicht die Lebensunterhaltskosten der Mitarbeiter und ihrer Familien decken, also keine existenzsichernden Löhne sind. Nach BSCI-Auffassung sollten Mindestlöhne existenzsichernd sein. Die Initiative brachte das Thema daher in lokale Round Table-Gespräche in China, Bangladesch und Indien ein, um vor Ort Nichtregierungsorganisationen und Regierungen an der Suche nach einer Lösung zu beteiligen.

Ein weiteres zentrales Tätigkeitsfeld der BSCI ist die Qualifizierung von Zulieferbetrieben. Der BSCI-Vorsitzende Ferry den Hoed und sein CEO Jan A. Egger halten die Kombination von Audits und Schulungen für den besten Weg zur Verbesserung der Situation in den Zulieferbetrieben. Ein Schwerpunkt der Initiative lag daher im vergangenen Jahr im Ausbau des Schulungsangebotes. So wurden 2009 etwa 2.000 Zulieferer in zehn Ländern mit mehr als 50 Schulungen erreicht, darunter 32 Veranstaltungen in Partnerschaft mit dem China National Textile and Apparel Council (CNTAC).

Der BSCI-Jahresbericht entspricht den GRI-Guideliness und gibt den Grad der Erfüllung mit der Ebene C an.

Der Bericht im Internet:
http://www.bsci-eu.org/index.php?id=2035

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