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GLOBALG.A.P.: Zusatzmodul für Sozialstandards online

Köln > GLOBALG.A.P. steht für “The Global Partnership for Good Agricultural Practice”. Weltweit sind über 100 000 Erzeuger aus 110 Ländern nach GLOBALG.A.P oder nach einem GLOBALG.A.P anerkannten Standard zertifiziert. Unter den rund 300 zertifizierten Produkten nimmt der Bereich “Obst und Gemüse” den größten Stellenwert ein. Eine wachsende Anzahl von Zertifikaten wird etwa im Bereich “Aquakultur” ausgegeben. Und: Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung gewinnt an Bedeutung. Dafür steht das Projekt “GLOBALG.A.P. Risk Assessment on Social Practice” oder kurz “GRASP”. Nach Abschluss der zweiten Projektphase ist nun ein Projektbericht erschienen und wesentliche Module des Sozialstandards für die Landwirtschaft stehen im Internet zum Download bereit. GRASP ist ein freiwilliges Zusatzmodul und kein integrierter Bestandteil der akkreditieren GLOBALG.A.P Zertifizierung.

GLOBALG.A.P. entstand Ende der 90er Jahre als seine Initiative des Lebensmittelhandels zur Qualitätssicherung in der Landwirtschaft. Damit sollten Doppelkontrollen vermieden und ein einheitlicher Standard sichergestellt werden. Dazu galt es, die Produzenten mit ins Boot zu bekommen. So sind die Gremien des GLOBALG.A.P. heute paritätisch mit Vertretern von Handel und Herstellern besetzt. Etwa 80 Prozent der zertifizierten Erzeuger sitzen in Europa, die Zahl der zertifizierten afrikanischen und nordamerikanischen Betriebe steigt jedoch beständig. 2001 erschien die erste Version der GLOBALG.A.P.-Standards; sie werden seitdem alle drei bis vier Jahre den aktuellen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis angepasst. Überwacht werden die Standards durch 1.500 Auditoren von 130 unabhängigen und auch (halb-)öffentlichen Zertifizierungsstellen weltweit.

Das Entstehen von GRASP hat etwas mit der öffentlichen Kritik an Coop Schweiz vor etwa fünf Jahren zu tun: Beim Obst- und Gemüseanbau in Südspanien werden illegale Wanderarbeiter aus Afrika ausgebeutet, hieß es damals. Coop reagierte und wandte sich an GLOBALG.A.P. mit der Forderung, weitere Sozialstandards in das Regelwerk zu integrieren. 2005 entstand daraus das GRASP-Projekt, an dem sich auch die deutsche GTZ beteiligte. Die zentrale Fragestellung des Projektes: Wie können soziale Indikatoren auf eine bezahlbare Weise in den GLOBALG.A.P.-Standard integriert werden? In Fokus standen während dieser ersten Phase die Länder Spanien, Brasilien, Kenia und Vietnam und die Aufgabe, eine Liste von Kontrollpunkten zu erstellen und mit Regierungen, Gewerkschaften, NGOs und Produzenten zu diskutieren. Daraus sollte ein in der Praxis umsetzbarer Kriterienkatalog entstehen. Klar waren von Anfang an die Begrenzungen: Zertifizierungsorganisationen können Betriebe kontrollieren, aber keine gesellschaftlichen Probleme – wie etwa die illegale Einwanderung – lösen, betonte Kerstin Uhlig von GLOBALG.A.P. im Gespräch mit CSR NEWS.

GRASP umfasst einen Katalog von zwölf Fragen rund um die Themen Betriebsrat, Beschwerdewesen, öffentliche Corporate Policy zu den Sozialstandards, Schulung zu den Sozialstandards, Dokumentation der Arbeitsverträge, Zahlung der vereinbarten Vergütung und Einhaltung von Mindestlöhnen, Ausschluss von Kinderarbeit und Schulbesuch der Landarbeiterkinder, Erfassung der täglichen Arbeitszeit und Beachtung gesetzlicher Arbeitszeitregelungen sowie Vergünstigungen für Arbeitnehmerfamilien und Gemeinwesen. Zu diesen Themen müssen die teilnehmenden Betriebe Dokumentationen vorlegen, die dann geprüft werden.

An einer zweiten Projektphase in den Jahren 2008 bis 2010 beteiligten sich neben Coop, der GTZ und GLOBALG.A.P. auch EDEKA, Lidl, die METRO Gruppe und die Migros. Der Schwerpunkt lag nun auf der lokalen Interpretation der Richtlinien in acht Ländern. Die Interpretationen für Kenia etwa weisen aus, dass eine normale Arbeitswoche 45 Stunden umfasst: acht Stunden von Montag bis Freitag und fünf Stunden am Samstag. Abweichend davon gilt für Nachtwächter eine Arbeitszeit von 60 Stunden. Die lokalen Interpretationen sind Voraussetzung für die Anwendbarkeit von GRASP; sie existieren derzeit für elf Länder (unter anderem für Österreich, Spanien, Brasilien, Südafrika und Kenia) und müssen somit für die Mehrzahl der Länder noch erstellt werden. Das geschieht nachfrageorientiert und unter Einbeziehung der lokalen Stakeholder. Pro Land ist dabei mit einem Kostenaufwand von etwa 10.000 Euro zu rechnen. Dieser Betrag muss von den Beteiligten aufgebracht werden, da sich das Projekt wirtschaftlich selbst trägt. Der Aufwand für die GRASP-Zertifizierung kann gering gehalten werden, indem sie mit den GLOBALG.A.P.-Audits verbunden wird.

GRASP ist kein Label, betont Uhlig, sondern ein Standard zur Qualitätssicherung und -verbesserung. Die dabei erforderlichen Dokumentationen schaffen Bewusstsein für soziale Themen und stoßen Veränderungen an. Das Thema Sozialverantwortung wird breit aufgehängt und hat bereits lebendige Diskussionen unter den Mitgliedern angestoßen: Wollen wir wissen, wie die Wirklichkeit in den Produktionsstätten aussieht? Dass sich die Audits auf eine Dokumentprüfung konzentrieren, hält Uhlig nicht für kritisch: Es sei viel schwieriger, ein Dokument zu fälschen als die Realität wirklichkeitsgetreu zu erfassen. Und die gut geschulten Auditoren würden die Aufzeichnungen dann auch einer Plausibilitätsprüfung unterziehen und könnten etwa die Zahl der für die Bearbeitung einer bestimmten Fläche erforderlichen Arbeiter gut einschätzen.

Die Dokumente zum GRASP wurden Ende Juni im Internet veröffentlicht; noch in der Diskussion befindet sich ein GRASP-Standard für Aquakulturen.

Die GRASP-Dokumente und der aktuelle Projektbericht im Internet:
http://www.globalgap.org/cms/front_content.php?idcat=126