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FAIRmade: ein neues Produktsiegel mit ungewöhnlichem Hintergrund

Demnächst soll ein weiteres Siegel nachhaltige Produkte kennzeichnen: FAIRmade. Dabei gibt es heute schon zu viele Gütezeichen. Trotzdem ist die Herausgabe von FAIRmade richtig, sagen die Verantwortlichen. Denn dieses Siegel kennzeichnet eine Besonderheit: Arbeitsmarktzugänge für eine oft ausgeschlossene Gruppe.

Kassel > FAIRmade heißt ein neues Siegel, das Verbraucher über die innere Qualität eines Produktes informieren. Das Siegel wird voraussichtlich im Herbst auf den ersten Waren zu sehen sein. Ein Siegel mehr in einem für den Verbraucher schon heute unübersichtlichen Feld von Qualitätsabzeichen. Allerdings ein Außergewöhnliches: Dieses Siegel belegt, dass der in Werkstätten für Behinderte Mitarbeiter (WfBM) erbrachte Wertschöpfungsanteil mindestens 20 % beträgt. Ökologisch einwandfrei muss das Produkt auch sein. Und die Herausgeber sind sich der kommunikativen Herausforderung ihrer Idee bewusst.

Mit dem Siegel will der Verein FAIRmade e.V. die WfBMs bei der Vermarktung von Eigenprodukten stärken. Denn die sind viel zu oft „verlängerte Werkbank“ für das produzierende Gewerbe und dadurch in Wirtschaftskrisen besonders stark betroffen, berichtet Vereinsvorstand Frank Beyer. Ob ein eigenes Siegel dazu der richtige Weg ist, wurde im Verein lange diskutiert. Ein Vorteil: Das Siegel klebt direkt am Produkt und ist für den Kunden somit unmittelbar sichtbar. Eine Website soll dazu über die Bedeutung des Siegels aufklären. Für den Erfolg des Siegels ist eine funktionierende Kommunikationsstrategie entscheidend, ist Beyer überzeugt.

Für WfBMs geht es dabei auch um die Qualitätsentwicklung. Viele Werkstätten für behinderte Menschen haben bereits Qualitätsmanagementsysteme eingeführt und zertifizieren lassen, die den Umgang mit den Mitarbeitern umfassen. Auch solche Standards werden von dem Siegel gefordert. FAIRmade e.V. hat jetzt Lizenzverträge vorbereitet, die den Werkstätten deutschlandweit vorgestellt werden. Das wird die Diskussion über die Vermarktung von Eigenprodukten und die werkstattinternen Qualitätsstandards fördern. Für die geht es auch um die Verbesserung ihres Images – „von der Bastelstube hin zum innovativen Sozialunternehmen“.

Grundsätzlich können auch Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes die Integration behinderter Arbeitnehmer fördern. Das geht etwa im Rahmen sogenannter Integrationsbetriebe – eigener Betriebseinheiten mit besonderen Möglichkeiten einer öffentlichen Förderung. Das leistet zum Beispiel die BASF und stellt dort zum Beispiel Blaumänner für die BASF-Mitarbeiter her. Viel zu wenig Unternehmen nutzen diese Möglichkeit jedoch. Ohne die WfBMs blieb eine große Zahl behinderter Menschen unbeschäftigt. So bleibt zu hoffen, dass diesen Werkstäten die bessere ökonomische Absicherung über Eigenbetriebe gelingt – und FAIRmade einen Beitrag dazu leisten kann.

Weitere Informationen im Internet:
http://fairmade.de