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Unternehmen Verantwortung: Was die Gesellschaft erwartet und wie Unternehmen reagieren

Das öffentliche Interesse an den Auswirkungen unternehmerischer Tätigkeit wächst. Wer das ignoriert, setzt sich der Gefahr von Wertverlusten und Reputationsschäden aus. Aber wie organisieren kleinere und mittlere Unternehmen ihre Geschäftsprozesse nachhaltig?

Das Interesse der Öffentlichkeit an dem, was Unternehmen und ihre Tätigkeiten für Umwelt und Gesellschaft bedeuten, wächst seit einigen Jahren. Kein Unternehmen kann es sich deshalb heute leisten, dieses Interesse zu ignorieren und als verantwortungslos zu gelten. Das hat verschiedene Gründe:

Unternehmen im Fokus des öffentlichen Interesses

Zum einen sind da unternehmerischen Aktivitäten geschuldete Naturkatastrophen – wie derzeit die durch den Untergang der BP-Förderplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ausgelöste Ölpest. Hier wird zugleich etwas deutlich, dass Bürger in einer globalen Welt bereits seit längerer Zeit empfinden: Die Reichweite politischer Gestaltung ist begrenzt und die Macht der Regierungen endet zu oft an den Grenzen ihrer Nationalstaaten. Unternehmen dagegen handeln weltweit – und werden dabei von professionell organisierten Nichtregierungsorganisationen beobachtet und in die Verantwortung genommen. Und nicht zuletzt zieht sich Politik in Zeiten leerer öffentlicher Kassen hierzulande zunehmend aus Verantwortungsbereichen zurück und überlässt dieser der Zivilgesellschaft: den Bürgern und ihren Unternehmen.

Die Themen, für die sich die Gesellschaft interessiert, spielen dabei nicht nur in großen Unternehmen eine Rolle. Es geht um Umweltauswirkungen von Produkten und Produktionsprozessen, um Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben Asiens und Afrikas, den Umgang mit Mitarbeitern weltweit, die Verantwortungsübernahme an den Unternehmensstandorten und für die durch die unternehmerische Tätigkeit (mit-)verursachten Probleme.

Es geht also nicht zuerst um das, was Unternehmen alles Gutes tun (könnten). Anders gesagt: Es geht nicht zuerst darum, wie Unternehmen ihr Geld ausgeben, sondern wie sie es verdienen.

Der Fachbegriff für dieses Thema heißt „Corporate Social Responsibility (CSR)“ und lässt sich mit „gesellschaftliche Unternehmensverantwortung“ übersetzen. In Unternehmen mit eigener Public Relations-Abteilung besitzt CSR durchgehend eine hohe Bedeutung und in größeren Unternehmen gibt es bereits eigene CSR-Abteilungen. Alle deutschen DAX 30-Unternehmen berichten zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme – vorwiegend in eigenen Nachhaltigkeitsberichten oder in Nachhaltigkeitskapiteln ihrer Geschäftsberichte. Diesen Unternehmen ist bewusst: Ohne eine gute gesellschaftliche Reputation werden die Kapitalbeschaffung, die Gewinnung fähiger Mitarbeiter und die Motivation der Belegschaft schwierig.

Diese Fragen sollten Sie beantworten können

Wenn sich kleine und mittlere Unternehmen mit dem Thema gesellschaftliche Unternehmensverantwortung beschäftigen, werden sie nicht mit dem Aufbau einer CSR-Abteilung oder dem Abfassen eines Nachhaltigkeitsberichtes beginnen. Sie können sich aber mit der Beantwortung einiger Fragen rechtzeitig vor Augen führen, welche Bedeutung das Thema für sie besitzt und wo ein besonderer Handlungsbedarf besteht. Rechtzeitiger jedenfalls als manche Global Player, die sich diesen Fragen erst unter großem öffentlichen Druck und angesichts schmerzlicher Reputationsschäden stellten:

• Kenne ich die Bedingungen, unter denen die von mir benötigten Rohstoffe und Vorprodukte hergestellt werden?
• Welche Auswirkungen hat der Herstellungsprozess meiner Produkte auf die Umwelt?
• Wie beeinflussen meine Dienstleistungen Umwelt und Gesellschaft?
• Gehen von der Nutzung meine Produkte oder Dienstleistungen Gefahren aus?
• Welche natürlichen Ressourcen verbrauchte ich dafür? Was habe ich unternommen, um den Ressourcenverbrauch zu minimieren?
• Wie beurteilen meine Arbeitnehmer ihr Unternehmen?
• Welche Bedeutung hat mein Unternehmen für die Menschen an den Unternehmensstandorten?
• Was habe ich getan, damit unternehmensweit gesetzliche Standards eingehalten werden?
• Kenne ich die international anerkannten Standards, die sich zum Bespiel im UN Global Compact wiederfinden? Setze ich sie um?
• Wissen meine Mitarbeiter, welchen ethischen Standards sich Eigentümer und Unternehmensleitung verpflichtet wissen? Und erleben sie, dass diese Standards umgesetzt werden und auch in Konfliktsituationen gelten?

Ein Anfang ist gemacht, wenn sich die Unternehmensleitung mit diesen Fragen beschäftigt. Und wenn sie sich auch nach außen – insbesondere gegenüber den Mitarbeitern – darauf festlegt, das Unternehmen verantwortungsvoll führen zu wollen.

CSR betrifft alle Bereiche Ihres Unternehmens

Dann braucht es eine offene Atmosphäre, in der in allen Unternehmensbereichen und Abteilungen über Verantwortungsfragen gesprochen werden kann. Im Einkauf geht es um die Risiken in der Zulieferkette, die Konstruktionsabteilung beschäftigt sich mit Umweltbelastungen im Produktlebenszyklus, die Buchhaltung fragt nach der Reduzierung des Papierverbrauchs, der Vertrieb nach den Kundeninformationen zu möglichen Produktrisiken.

Ein wichtiger weiterer Schritt ist der Austausch mit anderen.
• In manchen Regionen sind bereits CSR-Stammtische entstanden, die den Austausch zwischen den Unternehmen erleichtern.
• Zudem gibt es Unternehmenszusammenschlüsse, die einen solchen Austausch initiieren, etwa future e.V. oder UPJ e.V.
• Bei den Industrie- und Handelskammern finden sich zunehmend Ansprechpartner für das Thema CSR.
• Veranstaltungen und Tagungen wie etwa das jährlich stattfindende Forum EnviComm vermitteln einen guten Einblick in das Thema.
• Es gibt spezialisierte Beratungsunternehmen, die auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen Gestaltung der unternehmerischen Tätigkeit begleiten.
• Und nicht zuletzt bietet CSR NEWS täglich Nachrichten und Fachinformationen zu den Themen der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung.

Kein Unternehmen kann von einem Tag auf den anderen alle Unternehmensprozesse verantwortungsorientiert gestalten. Und kein Unternehmen wird jemals alle Verantwortungsrisiken sicher ausschließen können. Denn nicht zuletzt sind beim Thema Verantwortung immer mehrere Akteure mit im Boot: die Politik, Kunden und Lieferanten, die Mitarbeiter und andere gesellschaftliche Akteure. Trotzdem: Die Öffentlichkeit kann in der Regel unterscheiden, ob sich ein Unternehmen auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen Unternehmensgestaltung befindet – oder nicht.