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Greenpeace-Protest nach 100 Tagen Ölkatastrophe: Welche Zukunft hat der Slogan Beyond Petrol?

Wie ernst ist BP der Slogan „Beyond Petrol“? Was denkt das Unternehmen über die Zukunft der Erneuerbaren Energien? Und wie wird der Beitrag von BP aussehen? Während BP gestern die Quartalszahlen verlas und den Rücktritt seines CEO verkündete, protestierten in Bochum und London Greenpeace-Aktivisten. Ihr Vorwurf: „Beyond Petrol“ ist Greenwashing.

Bochum > Heute ist die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 100 Tage alt. Während BP gestern seine Halbjahreszahlen vorstellte und den Rücktritt von CEO Tony Hayward zum 1. Oktober 2010 abkündigte, protestierten Greenpeace-Aktivisten vor der BP-Zentrale in Bochum und an rund 50 Londoner Tankstellen. Greenpeace kritisiert die ökologische Bilanz des Konzerns: Von seinem jährlichen Umsatz von über 200 Milliarden US Dollar investiere BP nicht einmal 0,5 Prozent in klimafreundliche Energien, heißt es. So plane der Konzern, auch in den kommenden Jahren lediglich eine Milliarde Dollar in Erneuerbare Energien zu investieren – in riskante Ölförderprojekte lenke der Konzern dagegen 19 Milliarden Dollar. „Der Ölkonzern BP versucht sich mit dem Firmenslogan ‚beyond petroleum‘ ein grünes Mäntelchen umzuhängen“, sagte Karsten Smid, Energieexperte bei Greenpeace. BP sei es nicht ernst meint mit dem Wandel: In riskante Ölförderprojekte lenke der Konzern 20mal so viel Geld wie in Erneuerbare Energien.

Was denkt BP über Erneuerbare Energien?

2005 gründete BP den Geschäftsbereich „Alternative Energy“ und beschloss dabei eine mehrere Jahre verteilte Gesamtinvestition von 8 Milliarden US Dollar in dieses Geschäftsfeld. Jährlich werde etwa eine Milliarde US Dollar in alternative Energien investiert und BP liege damit ganz im Plan, bestätigte ein BP-Sprecher gegenüber CSR NEWS.

Der scheidende BP-Chef Tony Hayward betonte den Aspekt der Versorgungssicherheit für den Anteil unterschiedlicher Energieträger an der Energieversorgung: „Innerhalb des Energiemix werden tendenziell die Energieformen bevorzugt, die Versorgungssicherheit bieten“, sagte Hayward am 4. Dezember 2009 vor der World Oil and Gas Assembly in Bangalore. Aufgrund der aktuellen Situation stehen nun andere Sicherheitsaspekte bei der Diskussion im Vordergrund.

Uwe Franke, Vorstandsvorsitzender der BP in Deutschland, legte seinen Standpunkt am 8. April 2010 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) dar. Franke greift die öffentliche Diskussion auf und schreibt: „Während der letzten Jahre hoher Ölpreise wurde häufig das Ende des Ölzeitalters ausgerufen. Quer durch die politischen Parteien hallt es nach: ‚Weg vom Öl!'“. Öl sei seit mehr als 40 Jahren die mit Abstand bedeutendste Primärenergie in Deutschland, 2009 mit einem Anteil von knapp 35 Prozent. Die Erde verfüge noch über genügend Öl-Reserven und Ressourcen. Das Öl sei ein ausgesprochen wirtschaftlicher Energieträger. Und die aktuelle Begeisterung über Elektromobilität berge Gefahren für politisch-ökonomische Entscheidungen, da ein Technologiesprung bei Batterien derzeit nicht erkennbar sei.

Beyond Petrol – What next?

Nach dem Ereignissen im Golf von Mexiko werden sich BP und dessen zukünftiger CEO Robert Dudley ganz neu fragen lassen müssen, wie ernst es das Unternehmen mit dem Slogan „Beyond petrol“ meint und was BP zur Entwicklung Erneuerbarer Energien beitragen wird. In Bochum hielten ölverschmierte Greenpeace-Aktivisten ein Banner mit der Aufschrift: „BP: Raus aus der Tiefsee“. Zeitgleich „schlossen“ Greenpeace-Aktivisten in London rund 50 BP-Tankstellen, indem sie die Notschalter der Tankstellen betätigten. „Closed. Moving beyond petroleum“ war dort auf Bannern zu lesen.

Nach Greenpeace-Angaben arbeitet BP an insgesamt 32 Ölförderprojekte in der Tiefsee. Allein bei 14 Projekten werde bereits Öl gefördert, neun Tiefseeprojekte würden derzeit vorangetrieben und weitere neun Projekte in einer Tiefe von über 200 Metern seien in Planung. Besonders eine BP-Plattform im Mittelmeer erregt derzeit Proteste: Dort soll vor der Küste Libyens Öl aus 1750 Metern Tiefe gefördert. Das Projekt liegt rund 600 Kilometer von den Küsten Siziliens und Griechenlands entfernt.

BP teilte gestern bei der Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Quartal 2010 mit, dass das Vorsteuer-Ergebnis durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko mit 32,2 Mrd. US Dollar belastet wird. So hat BP einen Fonds für Schadenersatzzahlungen eingerichtet und mit 20 Mrd. US Dollar ausgestattet.

Foto: Die im Golf von Mexiko eingesetzte Ölplattform Thunder Horse