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UN Global Compact und GRI kooperieren: mehr Aufwand und Chancen für KMU

Der UN Global Compact und die GRI kündigen eine Kooperation an. Die GRI-Richtlinien werden zur empfohlenen Berichtssprache für den Fortschrittsbericht zum UN Global Compact. Das verändert nicht viel für große Unternehmen, die bereits nach GRI berichten. Bei kleinen und mittleren Unternehmen konnte sich der Standard bisher aber nicht durchsetzen. Was bedeutet die neue Situation für sie?

New York > Die zwischen der Global Reporting Initiative (GRI) und dem United Nations Gobal Compact vereinbarte Zusammenarbeit fordert insbesondere kleine und mittlere Unternehmen heraus. Die GRI kündigte an, Themengebiete und Prinzipien des Global Compact in die eigenen Richtlinien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu integrieren. Im Gegenzug wird der Global Compact die GRI-Richtlinien als „Berichtssprache“ für die regelmäßigen Fortschrittsberichte der unterzeichnenden Unternehmen und Organisationen vorschlagen. Während viele große Unternehmen bereits nach GRI berichten, bedeutet die neue Regelung für kleine und mittlere Unternehmen eine Herausforderung. Hier besteht noch viel Unsicherheit mit der Anwendung der GRI-Richtlinien.

Kooperation verbessert Berichtsqualität

Bernd Kasemir von der Züricher Managementberatung Sustainserv sieht dennoch für Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung einen Nutzen in den durch diese Kooperation möglichen Synergien: „Mit der neuen Verbindung von UN Global Compact und GRI Reporting kommen strategisches und fachliches Reporting zur Nachhaltigkeit zusammen.“ Die Kombination der beiden Systeme sei für große Firmen besonders schlagkräftig. Aber auch für KMU sieht Kasemir Vorteile: „Kleinere Firmen können sich etwa durch die UN Global Compact Prinzipien inspirieren lassen, einen einfachen GRI Bericht auf Anwendungsebene C strategisch richtig aufzustellen.“ Sustainserv ist ein Schweizer GRI-zertifizierter Trainingspartner und hat mit seinen Kunden über 50 GRI-Berichte erstellt, die zum Teil mit UN Global Compact-Reports kombiniert waren. Nach Kasemirs Erfahrung erreicht eine gute Verbindung aus strategischer Zielsetzung und fachlich seriösem Reporting zur Nachhaltigkeit den besten Effekt. „Daran mangelt es heute zum Teil noch. Die Kooperation zwischen GRI und UN Global Compact wird helfen, die Qualität der Unternehmenskommunikation zur Nachhaltigkeit weiter zu verbessern“, ist Kasemir überzeugt.

Welcher Aufwand bedeutet die neue Situation für Unternehmen? Werden gerade kleinere Unternehmen mit den neuen Berichtsstandards nicht überfordert? CSR NEWS sprach darüber mit Doreen Herrmann von der Berliner CQC Consulting:

CSR NEWS: Frau Herrmann, was bedeutet diese Kooperation von UN Global Compact und GRI für Unternehmen?

Doreen Herrmann: Die GRI-Indikatoren bieten Unternehmen – neben einer praktikablen Möglichkeit zur Nachhaltigkeitsberichterstattung – eine hervorragende Orientierung für den Aufbau eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems bzw. einer CSR-Strategie. Zudem bieten sie eine praktikable Möglichkeit, die zehn Global Compact Prinzipien durch eine Vielzahl an einzelnen GRI-Indikatoren umzusetzen und greifbar zu machen. Demnach entstehen keine wesentlichen Änderungen für ‚GRI-konforme‘ Unternehmen, da sie bereits umfangreich ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten umsetzen. (Vorausgesetzt, dass das Berichtete auch auf ‚tatsächlichen Taten‘ beruht). Umgekehrt steigen die Anforderungen für Unternehmen, die Mitglied des Global Compacts sind, jedoch nicht nach den GRI-Kriterien ihren jährlichen Fortschrittsbericht abliefern.

Auf kleine und mittlere Unternehmen im Global Compact kommt also ein Mehraufwand zu?

Für KMU, die nicht nach den GRI-Kriterien berichten, steigt der Berichterstattungsaufwand. Andererseits bietet ihnen eine Berichterstattung nach GRI-Kriterien eine Möglichkeit zur klaren Strukturierung und Professionalisierung. Um die KMU nicht zu ‚überfordern‘, begrüße ich es, die GRI lediglich als ‚vorgeschlagene Berichtssprache‘ zu empfehlen und nicht als verpflichtenden Standard festzusetzen. So wird auch Unternehmen mit begrenzten Ressourcen die Möglichkeit zur schrittweisen Annäherung und Verbesserung in Richtung GRI gegeben und schließt diese nicht von vorn herein aus. Sinnvoll könnte es sein, bei Verzicht der GRI-Berichtssprache die Pflicht einer Begründung einzuführen. So würde sich jedes Unternehmen, das Mitglied des Global Compacts ist, in jedem Falle mit den GRI auseinander setzen müssen – schon allein um eine aussagekräftige Begründung zu formulieren. Im Laufe der Zeit würden auch diese eventuell verschiedenen Vorteile der GRI-Leitlinien für sich erkennen und diese anwenden.

Welche Unternehmen sollten den UN Global Compact unterzeichnen?

Alle Unternehmen, die die GC-Prinzipien aus tatsächlicher Überzeugung in ihren Unternehmenstätigkeiten langfristig verankern möchten und nicht nur aus Imagegründen eine ’nette Mitgliedschaft‘ suchen.

Ist der damit verbundene Kommunikationsprozess effektiv und ausreichend?

Durch eine Berichterstattung nach GRI würde die Mitgliedschaft im Global Compact transparenter, glaubwürdiger und professioneller belegt werden, da intensiver erläutert werden würde, in wie weit die GC-Prinzipien im Unternehmen umgesetzt werden. Durch die umfangreichen GRI-Kriterien würden zudem Unternehmen der Horizont für weitere wichtige Nachhaltigkeitsbereiche geöffnet werden – wie z.B. Produktverantwortung oder gesellschaftliches Engagement. Durch eine GRI-konforme Berichterstattung wären zudem die Global Compact Mitglieder leichter vergleichbar, könnten sich selbst durch eine einheitliche Berichterstattung gegenseitig einfacher benchmarken, aber vor allem inspirieren und kontinuierlich verbessern.

Vielen Dank!

Gemeinsam mit der GRI will der Global Compact Leitlinien für die Anwendung des GRI-Standards entwickeln – insbesondere zu den unterschiedlichen Anwendungsebenen und den für die jeweiligen Anwendungsebenen erforderlichen Berichtsinhalte. Insbesondere für KMU und für Unternehmen in noch wenig entwickelten Märkten wollen GRI und Global Compact Vor-Ort-Trainingsmöglichkeiten schaffen.