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T-Shirts im CSR-Warentest – und was Unternehmen dazu sagen

Die Stiftung Warentest hat einen CSR-Test zu Damen-T-Shirts veröffentlicht. Nur ein Unternehmen erreicht dort das Prädikat „stark engagiert“. De Warentester kritisieren fehlende Dokumentationen bei Biobaumwolle, die Zahlung von nicht (viel) mehr als Mindestlöhnen oder fehlende CSR-Strukturen. Auch das FAIRTRADE-Logo sichere faire Löhne nur für einen Teil der Lieferkette. Was sagen die beteiligten Unternehmen dazu?

Berlin > Fast alle Modefirmen profitieren von Billiglöhnen insbesondere in asiatischen Zulieferbetrieben. Ein starkes Engagement für Soziales und Umwelt zeigt dagegen nur ein Unternehmen. Und vielen Anbietern fällt der Nachweis schwer, dass ihre T-Shirts aus Biobaumwolle bestehen. So steht es in dem aktuellen CSR-Test zu Damen-T-Shirts der Stiftung Warentest.

Für den CSR-Test erhielten 20 Anbieter von T-Shirts aus dem Warentest einen Fragebogen, der 29 Kriterien zur sozialen und ökologischen Unternehmensverantwortung abfragt. Bei zustimmenden Unternehmen wurden Firmenzentralen von Experten besucht, Konfektion und Färberei überprüft und Arbeiter interviewt. Die Stiftung Warentest führte ihre Untersuchung in den Monaten Februar bis Juli durch. Einzelne Ergebnisse aus der Studie weisen auf Herausforderungen in der Supply Chain der Textilindustrie:

Arbeitslöhne auf Niedrigniveau

Ein Thema sind die Arbeitslöhne. Wenige Unternehmen zahlen deutlich mehr als den Mindestlohn. In Bangladesch protestierten in diesem Sommer Näherinnen für einen Mindestlohn von 58 Euro; derzeit erhalten sie monatlich 20 Euro. Ernsting’s family und Peek&Cloppenburg zahlen in Bangladesch neben den Mindestlöhnen Extraboni. In Indien beträgt der Mindestlohn 50 Euro, in Mauritius sind es 79 Euro, in Bulgarien 123 Euro, in Litauen 232 Euro und in der Türkei 285 Euro. Dabei wird von den Arbeiterinnen für oft wechselnde Kollektionen ein flexibler Einsatz mit Überstunden erwartet. In den von den Warentestern besuchten Fabriken wurden diese Überstanden bezahlt.

Testsieger hessnatur

Deutlich mehr als den Mindestlohn zahlt der CSR-Testsieger hessnatur in Litauen. Und auch am Herkunftsort der Baumwolle in Burkina Faso sticht das Engagement des Unternehmens positiv hervor: hessnatur kann den Biobaumwollanbau in allen Prozessen überblicken. Ein strategischer Vorteil: Nachhaltigkeit ist ein identitätsstiftender Bestandteil des Unternehmens und in alle Managementprozesse integriert. Mit dieser Strategie wirtschaftet hessnatur sehr erfolgreich. „Ökologisch und sozial hergestellte Produkte haben ihren Preis, müssen aber nicht teurer sein als konventionelle Qualitäts-Ware“, betont Unternehmenssprecherin Verena Kuhnert. So investiert hessnatur relativ wenig Geld in Werbung und kann diese Ressourcen an anderer Stelle einsetzen. Allein hessnatur erhielt ein starkes Engagement für Soziales und Umwelt bescheinigt.

C&A: Biobaumwolle wird Standard

Als „engagiert“ nimmt mit C&A ein großes Modehaus einen der ersten Plätze in dem CSR-Test ein. Positiv stechen die weit entwickelten Sozial- und Umweltstandards an den indischen Fertigungsstandorten von C&A heraus. Zudem loben die Warentester die Transparenz des Unternehmens. Kritisch angemerkt wird eine geringe Einflussnahme auf den Baumwollanbau. C&A produziert seine Bio-Kleidung mit indischer Baumwolle in Indien. Hier liegen Baumwollfelder, Färbereien und Nähereien beieinander, was den Transport der Waren rund um die Welt erspart und zudem die Transparenz erleichtert. C&A-Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes bedauert, dass die Tester kein Biobaumwollshirt des Unternehmens für die Untersuchung ausgewählt haben. Etwa 23 Millionen Kleidungsstücke aus Biobaumwolle will C&A in diesem Jahr verkaufen, das sind 10 Prozent aller Baumwollkleidungsstücke. Langfristig will C&A Baumwollkleidung nur noch in Bioqualität anbieten. Bei den Biobaumwollprodukten sei eine lückenlose Dokumentation bis aufs Feld möglich, betont Rolfes. Besonders wichtig ist ihm, dass sein Unternehmen lückenlos alle Unterlieferanten und Produktionsstandorte erfasst. Nur so eine effektive Kontrolle und Umsetzung der Standards möglich.

armedangels mit „engagiert“ nicht zufrieden

Ebenfalls als engagiert eingestuft wurde das junge Modelabel armedangels. Das will allerdings mit seinem besonderen Nachhaltigkeitsengagement punkten und ist deshalb mit der Bewertung nicht zufrieden: Für sein T-Shirt mit Fairtrade-Siegel zahle armedangel faire Preise für die Baumwolle, nicht aber für deren Verarbeitung, so die Tester. Zu den Baumwollbauern und zur Färberei in Portugal besitze das Unternehmen keinen engen Draht. Dazu teilt armedangels in einer schriftlichen Stellungnahme auf seiner Homepage mit: Die Produktion der T-Shirts wird in Portugal von einer Fairtrade-zertifizierten Agentur organisiert; deshalb ist das Unternehmens selbst dort nicht bekannt. Und die Baumwolle werde zwar von einer Spinnerei bezogen, deren Herkunftsort in Indien hätten jedoch Mitarbeiter des eigenen Unternehmens besucht. Schwierigkeiten gab es bei der Anforderung der von den Warentestern verlangten Zertifikate. Diese seien zwar alle vorhanden, teilweise aber erst nach Testabschluss eingegangen.

Das FAIRTRADE-Logo sichert die Zahlung einer Fairtrade-Prämie im Baumwollanbau und nicht für die ganze Lieferkette. „Alles andere wäre unbezahlbar“, so Transfair-Sprecherin Maren Richter. Für die gesamte Lieferkette werden aber Nachweise über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen eingefordert. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich derzeit damit, wie Einfluss auf die Produktionsprozesse in der Lieferkette genommen werden kann, und es gibt dazu Pilotprojekte.

Otto Group mit BSCI-Standard im Mittelfeld

Im Mittelfeld der Bewertungen liegt die Otto Group. Das Unternehmen gilt aufgrund seines Einsatzes für die Business Social Compliance Initiative (BSCI) als ein deutscher Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Das Supply-Chain-Management umfaßt einen Code of Conduct, den Lieferanten durch ihre Unterschrift anerkennen. Es gibt sogenannte Pre-Scans der Produktionsstätten neuer Lieferanten, Audits und Re-Audits sowie Qualifizierungsprogramme für Produzenten, bei denen Defizite festgestellt werden. Der Fokus des CR-Managements der Otto Group liegt dabei auf der Endfertigung des jeweiligen Produktes – die Vorstufen der Produktion durchdringt das System nicht. Das gab bei Stiftung Warentest Minuspunkte.

Zudem konnte die geprüfte Einzelgesellschaft OTTO nach Angaben der Stiftung Warentest nicht lückenlos belegen, dass ihr T-Shirt tatsächlich aus Biobaumwolle besteht. Zwar liegen für alle Produktionsstufen des T-Shirts Dokumente über die Biobaumwollqualität vor, so Corporate Responsibility-Manager Andreas Streubig, aber nicht alle seien extern verifiziert. Andreas Streubig: „Wir sind bereits an diesem Punkt dran. Seit Juni 2010 erarbeitet eine Projektgruppe aus Vertretern der betroffenen Bereiche ein Absicherungssystem für Bio-Baumwolle, durch das zukünftig die gesamte Lieferkette nachweisbar zertifiziert werden kann“. Kritisch sieht Streubig, dass der Warentest auf Basis eines isoliert getesteten Artikels eine Bewertung des gesamten CR-Programms der Otto Group vornimmt.

Label ohne Testteilnahme

H&M, MEXX, NKD und zero verweigerten die Teilnahme am Warentest. Das überrascht zumindest bei H&M: Das Unternehmen legte zuletzt für das Jahr 2009 einen Nachhaltigkeitsbericht vor und bekennt sich offensiv zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung. Diesem Engagement hätte eine Verifizierung durch den Warentest gut getan. Ein interner Abstimmungsfehler habe dazu geführt, dass der der Fragebogen nicht beantwortet wurde, sagte dazu ein Unternehmenssprecher. H&M sei sehr an Transparenz zu seinem Nachhaltigkeitsengagement interessiert und berichte darüber ausführlich im Internet.

Bei dem KiK-Damen-T-Shirt war den Testern eine Bewertung nicht möglich: Es entstand bei einem Konfektionär in Bangladesch, zu dem KiK seine Lieferbeziehungen wegen schlechter sozialökologischer Bedingungen bereits eingestellt hatte.

Der CSR-Warentest zu Damen-T-Shirts im Internet:
http://www.test.de/themen/freizeit-reise/test/Damen-T-Shirts-CSR-Nur-ein-Anbieter-stark-engagiert-4118781-4119108/

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