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dm-Drogeriemarktgründer Werner gibt Firmenanteil an Stiftung und plädiert für Grundeinkommen

Karlsruhe > Götz Werner sieht weder aus wie ein Milliardär noch wie ein Revolutionär. Doch der 66-Jährige ist beides. Als Gründer der Drogeriemarktkette dm baute er ein Imperium mit über 2000 Läden auf. Parallel dazu kämpft der Mann mit dem kantigen Gesicht und der Halbglatze seit vielen Jahren für eine gerechtere Welt. „Hartz IV ist offener Strafvollzug“, sagt er etwa und fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1000 Euro monatlich für jeden Bürger. Am Wochenende ließ er wie nebenbei wissen, dass er seine gesamten Anteile am dm-Konzern in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht hat.

Für seine Forderung nach einem radikalen Umbau des Sozialstaats, der die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt, wirbt Werner unermüdlich in Vorträgen und Interviews quer durch die Republik. In seinen rund 2200 Drogeriemärkten ist das von ihm propagierte soziale Denken Unternehmensphilosophie. Den Grundstein dazu legte der Sohn einer Drogistenfamilie in dritter Generation mit der Gründung des ersten eigenen Drogeriemarkts in Karlsruhe im Jahr 1973.

Damals war die Preisbindung weggefallen und Werner entwickelte das Vertriebskonzept eines Selbstbedienungs-Supermarkts für Shampoo, Zahnpasta und Klopapier. Dass die Kette heute mehr als fünf Milliarden Euro im Jahr umsetzt und damit nach Schlecker auf den bundesweit zweiten Rang der Branche vorgerückt ist, hat nichts mit Lohndumping oder sonstiger Mitarbeiterausbeutung zu tun.

Im Gegenteil. Werner gilt selbst Gewerkschaftsfunktionären als Anti-Schlecker, weil er seine mittlerweile 21.000 Beschäftigten besser entlohnt und besser behandelt als seine Mitbewerber. Werner ist stark vom antroposophischen Denken geprägt und legt im Umgang der Beschäftigten Wert auf gegenseitiges Verständnis, Vertrauen sowie Respekt und vor allem auch auf Kreativität. Filialleiter bekommen während der bezahlten Arbeitszeit Fortbildungskurse zum Fotografieren und Malen. Lehrlinge dürfen und sollen in Theatergruppen Kommunikationsfähigkeit und situationsangemessenes Handeln lernen.

Das Konzept, den Menschen in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen und Respekt vor seiner Individualität zu haben, hat der gebürtige Heidelberger auch in seiner Familie zum Prinzip erhoben. Seine sieben Kinder wurden in Waldorfschulen erzogen und kannten zu Hause lange keinen Fernseher und auch keinen Computer. Stattdessen gab es Hausmusik, mit dem Vater an der Querflöte. Er „fördert“ nun nach eigenen Worten seine Kinder dadurch, dass er seine Unternehmensanteile an eine gemeinnützige Stiftung übertragen hat. Die Kinder könnten sich nun selbst beweisen und zeigen was sie können, sagt er.

Dieses konsequente Handeln und sein erfolgreicher Weg zum Milliardär machen es Kritikern schwer, seine Ideen zum Umbau des Sozialstaats als Sozialromantik und Spinnerei abzutun. „Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen“ lautet der Untertitel seines neuen Buches „1000 Euro für jeden“. 1000 Euro im Monat soll jeder Bundesbürger vom Staat als Grundeinkommen erhalten. Diese Summe sei finanzierbar, argumentiert Werner, wenn im Gegenzug die Steuer- und Transfersysteme radikal zurückgefahren werden.

Der Effekt solche eines radikalen Umbaus: Das Grundeinkommen „würde die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft entfesseln“, sagt Werner. Menschen würden von ihren Existenzsorgen befreit. Sie könnten ihre Talente entfalten und würden aus eigener Initiative sinnvollen Tätigkeiten nachgehen. Sie könnten und Würde und Sicherheit gewinnen. Aber auch Macht, argumentiert der dm-Gründer: Die Menschen könnten einem Arbeitgeber sagen, dass sie bei ihm nicht mehr arbeiten wollen, weil er die Umwelt verschmutzt oder weil er seine Angestellten schlecht behandelt.

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