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Burger King im Selbstversuch: Ganz zart nachhaltig

München > Heute hat es Burger King bis in die Top-Nachrichten geschafft. Die große Meldung: Burger King wird für rund 3,1 Milliarden Euro an den Investor 3G Capital verkauft. Die kleine – kaum wahrgenommene – Meldung: Die zweitgrößte US-Fastfood-Kette will kein Palmöl mehr vom umstrittenen indonesischen Lieferanten Sinar Mas kaufen. Am Hauptbahnhof München entschließe ich mich spontan zum Selbstversuch.

An der Theke dieses Burger Kings spielen die beiden Meldungen keine Rolle. Stattdessen geht es um den Unterschied zwischen einem King Shake Mango (das hatte ich bestellt) und einem X-Cream Sundaes (in dessen Verpackung erhielt ich mein Shake geliefert). Eine über zwei Meter große Mitarbeiterin mit afrikanischem Migrationshintergrund arbeitet eine deutlich kleinere Kollegin mit asiatischem Migrationshintergrund ein. Das gelingt erkennbar nicht reibungslos. Der Bundesbanker Thilo Sarrazin ist gerade nicht im Burger King, sonst hätte ich mit ihm an Ort und Stelle über Migration und Integration diskutiert.

Burger King geht es wirtschaftlich erkennbar schlechter als dem großen Konkurrenten McDonald’s. Zuletzt hatte Burger King einen Rückgang des weltweiten Absatzes vermelden müssen, während der Konkurrent zulegte. McDonald’s adressiert verstärkt die bürgerliche Kundschaft – insbesondere mit seiner McCafé Lounge. Und McDonald’s macht Nachhaltigkeit zum Thema: So verwenden McCafé nur Kaffeebohnen, die von Rainforest Alliance zertifizierten Farmen stammen. All das findet sich bei Burger King nicht. Das Marketing zielt offensichtlich auf Jugendkultur. Regionale Themen sollen es bringen. Eine Marketing Partnerschaft mit dem FC Bayern München erklärt die perfekte Teamarbeit: „Ihr sorgt für die Siege. Wir für die Belohnung.“ Aha, der Whopper-Burger ist also das Geheimnis der rot-weißen Kicker. Dass sich Burger King jetzt dem Thema Palmöl widmet, das überrascht.

Burger King lässt wissen: Ein kürzlich veröffentlichter Prüfbericht habe ergeben, dass die Sinar-Mas-Tochter Smart gegen die „Verpflichtungen zur Unternehmensverantwortung“ der Fastfood-Kette verstoßen habe. „Wir glauben, dass der Bericht berechtigte Zweifel über die Nachhaltigkeit der Palmöl-Produktion von Sinar Mas und ihre Auswirkungen auf den Regenwald aufgebracht hat.“

Die Burgerkette zieht damit gleich mit den großen Lebensmittel-Konzernen Unilever, Kraft und Nestlé, die bereits kein Palmöl mehr von Sinar Mas beziehen. Zugleich erhöht Burger King damit auch den Druck auf die verbliebenen Kunden, zu denen etwa die Fastfood-Ketten Pizza Hut, KFC und Dunkin‘ Donuts gehören. Allerdings bleibt das Problem, dass auch von anderen Lieferanten erworbenes Palmöl möglicherweise letztlich doch von Sinar Mas stammt:

Palmöl wird in der Produktion von Lebensmitteln wie Schokoriegeln genauso eingesetzt wie im Kosmetikbereich. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte Sinar Mas wiederholt vorgeworfen, der Konzern verletze internationale Standards und indonesisches Recht, sei an Landkonflikten beteiligt und rode Regenwälder in Orang-Utan-Gebieten. Sinar Mas hatte dem widersprochen und sah sich durch den Prüfbericht von Mitte August entlastet. Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) sowie das internationale Zertifizierungssystem ISCC gelten als wichtige Instrumente zur Verhinderung von unkontrollierten Abholzungen und Landnutzungsänderungen. Zertifiziertes nachhaltiges Palmöl steht angesichts eines weltweit wachsenden Palmölbedarfs nur in unzureichendem Umfang zur Verfügung.

Ich schaue mich also im Burger King am Münchener Hauptbahnhof nach Spuren der Nachhaltigkeit um und werde immerhin an einer Stelle fündig: Das „Tischtuch“ auf meinem Tablett wirbt für das Grilled Chicken und verspricht unter 5 Prozent Fett. Irgendwie komme ich auf den Gedanken, dass Blatt umzudrehen – und entdecke eine Tabelle der Nährwerte und Allergene. Ziemlich kleingedruckt, völlig unübersichtlich, unangekündigt – aber sie ist da.

Bald gehört Burger King dem Investor 3G Capital. Seit 2006 ist das Unternehmen an der Börse notiert, hatte zuvor allerdings bereits mehrere Besitzer. Zuletzt hatte im Jahr 2002 ein Konsortium unter Beteiligung der US-Investmentbank Goldman Sachs die Restaurant-Kette vom Getränkeriesen Diageo übernommen. Heute hält das Konsortium, das auch den Verwaltungsrat dominiert, noch rund ein Drittel an Burger King. Burger King betreibt in 75 Ländern rund 12.000 Restaurants, fast 700 davon in Deutschland. Und vielleicht hält ja mit dem neuen Eigentümer auch bei Burger King demnächst eine Strategie der Nachhaltigkeit Einzug. Ein Benchmarking würde zu einer solchen Entscheidung führen.

Das King Shake Mango kann ich übrigens empfehlen.

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