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Pakistan: US-Textilbranche will nur Hilfsgüter „made in USA“

Washington > Die US-Textilbranche hat ihre Regierung aufgefordert, nur in den USA hergestellte Hilfsmittel nach Pakistan zu schicken. Sie hätten in einem Schreiben an die Regierung verlangt, dass die pakistanischen Flutopfer künftig nur noch Hilfsgüter wie etwa Zelte „Made in USA“ erhalten sollten, erklärten fünf Arbeitgeberverbände aus der Textilbranche am Mittwoch. Statt zunehmend Arbeitsplätze auszulagern, sollten die USA lieber ein Hilfspaket „Made in USA“ schnüren, erklärte der Chef der American Manufacturing Trade Action Coalition (AMTAC): „Dies hilft Pakistan und schafft Arbeitsplätze für Amerikaner“.

Zollgebühren auf pakistanische Exporte sollen bleiben

AMTAC und die vier weiteren Arbeitgeberverbände protestierten mit ihrem Brief gegen einen Vorschlag der US-Handelskammer. Diese hatte angeregt, die Zollgebühren auf pakistanische Exporte zu erlassen, um der Wirtschaft des von den Fluten zerstörten Landes zu helfen. In ihrem Schreiben an US-Außenministerin Hillary Clinton und den US-Handelsvertreter Ron Kirk kritisierten die Verbände, der Vorschlag schade der US-Textilindustrie und könnte einen erheblichen Abbau von Arbeitsplätzen nach sich ziehen. Pakistan ist nach dem Volumen der drittgrößte Exporteur von Textilien in die USA.

Humanitäre Hilfsaktion ungesehenen Ausmaßes

Acht Millionen Menschen sind noch immer auf sofortige Hilfe angewiesen, so der Chef des UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), Manuel Bessler. Angesichts dieser Zahl handele es sich um eine humanitäre Hilfsaktion „ungesehenen Ausmaßes“. „Wir müssen acht Millionen Menschen erreichen von der Karakoram-Bergkette im Norden bis zum Arabischen Meer im Süden.“ Von den seit mehr als einem Monat anhaltenden Überschwemmungen sind nach UN-Angaben mehr als 18 Millionen Menschen direkt betroffen, mindestens 1.760 kamen ums Leben. 4,8 Millionen Menschen wurden durch die Katastrophe obdachlos. Mehr als 3,6 Millionen Hektar Ackerland wurden von den Fluten zerstört. Regierungschef Yousuf Raza Gilani bezifferte den durch die Fluten verursachten wirtschaftlichen Schaden auf rund 34 Milliarden Euro.

Weltbank fordert wirtschaftliche Reformen

Weltbank-Chef Robert Zoellick teilte am Mittwoch (Ortszeit) in Washington nach einem Treffen mit dem pakistanischen Finanzminister Hafeez Shaikh mit, das dem Land Mitte August gewährte Darlehen über 900 Millionen Dollar werde auf eine Milliarde Dollar (rund 781 Millionen Euro) aufgestockt. Das Geld solle ebenso für dringende Nothilfe wie für den langfristigen Wiederaufbau des Landes benutzt werden. Trotz der aktuellen Krise dürften auf lange Sicht jedoch auch „wichtige wirtschaftliche Reformen“ nicht aus dem Blick verloren werden, mahnte Zoellick. Der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington gewährte Pakistan am Donnerstag eine Sofortfinanzierung in Höhe von 450 Millionen Dollar.

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