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Kohle: Kontroverse um Nutzen der CO2-Abscheidung

Berlin > Das Auffangen und unterirdische Speichern von Kohlendioxid aus Kraftwerken wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) keinen Beitrag zum Klimaschutz liefern können. Die mit vielen Hoffnungen verbundene sogenannte CCS-Technologie habe sich „als sehr unsicher und gleichzeitig sehr teuer erwiesen“, erklärte DIW-Forschungsdirektor Christian von Hirschhausen am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zu dem Thema. Technische und ökonomische Probleme, die starke Ablehnung der Bevölkerung sowie ungelöste Rechtsfragen würden den Einsatz der CO2-Abscheidung in Deutschland und Europa verhindern.

Energieaufwand bei CO2-Abscheidung reduzieren

In der vergangenen Woche hatten RWE, Linde und BASF noch einen Durchbruch mit einer neuartigen Technologie zur Abtrennung von CO2 aus Rauchgasen gemeldet. Das Verfahren wurde in einer Pilotanlage am RWE-Kraftwerk Niederaußem bei Köln getestet. Dort konnte der Energieaufwand unter Einsatz neuartiger chemischer Lösemittel um etwa 20 Prozent reduziert und der Kostenaufwand entsprechend gesenkt werden. RWE Power-Forschungsleiter Dr. Johannes Heithoff hatte das Verfahren als „Schlüssel zu einer klimaverträglichen Kohleverstromung“ bezeichnet.

Neue Wege zur Kohlendioxid-Nutzung

Die Unternehmen Bayer Technology Services (BTS), Bayer MaterialScience, RWE und Siemens haben sich mit zehn Partnern aus Hochschule und Wissenschaft zur Initiative CO2RRECT (CO2-Reaction using Regenerative Energies and Catalytic Technologies) zusammengeschlossen. Die Initiative will neue Wege zur stofflichen Nutzung von Kohlendioxid unter Einsatz regenerativer Energien erforschen. Dabei soll die stark schwankende elektrische Energie aus regenerativen Quellen zur CO2-Umsetzung genutzt werden. Das im Rahmen des Projekts eingesetzte CO2 stammt aus dem Braunkohlekraftwerk von RWE Power in Niederaußem. CO2RRECT wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt. „Die Verwendung von CO2 als Kohlenstoffbaustein unter Nutzung überwiegend regenerativer Energie liefert einen wertvollen Beitrag für die CO2-Minderung in der Energiewirtschaft und in der chemischen Industrie“, betont Dr. Helmut Mothes, Senior Vice President der Bayer Technology Services. An dem Projekt sind INVITE, die RWTH Aachen, die Universität Rostock, die Ruhr-Universität Bochum, die TU Dortmund, die TU Dresden, die Universität Stuttgart, die Max-Planck-Gesellschaft, das Karlsruhe Institute of Technology und die TU Darmstadt beteiligt.

CCS-Technologie ein Feigenblatt

Der BUND kritisiert das Engagement für eine CCS-Technologie als „Feigenblatt der Stromkonzerne“. Diese Technologie bedinge einen Energie-Mehraufwand von 10 bis 15 Prozent in den Kraftwerken. Zudem sei das Verfahren in keinem der jetzt geplanten neuen Kohlekraftwerke vorgesehen und – wenn überhaupt – frühestens ab 2020 einsetzbar.

IG BCE-Vorsitzender plädiert für saubere Kohle

Dagegen hatte Michael Vassiliadis als Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung noch Ende 2009 von der Bundesregierung gefordert, der „sauberen“ Kohle zum Durchbruch zu verhelfen. Die CCS-Technologie könne „qualifizierte Arbeitsplätze und Exportchancen schaffen“ und wegen des hohen Anteils von Stein- und Braunkohle an der deutschen Stromerzeugung „wesentlich mehr für den Klimaschutz“ leisten als viele erneuerbare Energieträger.

Bundesregierung will CCS-Projekte gesetzlich regeln

Die Bundesregierung plant derzeit einen erneuten Anlauf für eine gesetzliche Regelung erster CCS-Testprojekte. Das Bundeskabinett beschloss im Juli einen Entwurf, nachdem zunächst nur ein Erprobungsbetrieb erlaubt sein soll. Demnach wird die Größe der Gasspeicher auf eine maximale jährliche Speichermenge von drei Millionen Tonnen CO2 begrenzt. Insgesamt dürfen in Deutschland bis 2015 nur unterirdische Speicher mit einer Kapazität von bis zu acht Millionen Tonnen CO2 pro Jahr genehmigt werden. Ein erster Gesetzentwurf war 2009 unter anderem am Streit über die Haftungspflichten der Betreiber gescheitert. Auch gegen den neuen Entwurf gibt es bereits Widerstände, auch aus der Regierungskoalition.

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