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Tierexperimente werden in der EU eingeschränkt

Strassburg > In der EU sollen Tierversuche eingeschränkt und zudem strengeren Auflagen unterworfen werden. Darauf zielt eine neue Richtlinie ab, die das Europaparlament am Mittwoch verabschiedete. Die Parlamentarier stimmten mit sehr großer Mehrheit einem Kompromiss zu, der im Juli nach zweijährigen Verhandlungen mit den EU-Staaten vereinbart wurde.

Die EU-Staaten haben nun zwei Jahre Zeit, um den Text in nationales Recht umzusetzen. Der Neuregelung zufolge dürfen Tiere in der EU grundsätzlich nur noch für Experimente verwendet werden, mit denen die Forschung über Krankheiten des Menschen – etwa Krebs, Multiple Sklerose, Alzheimer oder Parkinson – sowie über Tiere vorangebracht werden kann.

Außerdem sind Tierversuche nur noch erlaubt, wenn es keine von der EU anerkannten alternativen Testmethoden gibt. Tödliche Tierversuche sollen nur genehmigt werden, wenn die Tiere mit „geringst möglichen Schmerzen, Leiden und Ängsten“ getötet werden – und wenn verwertbare Ergebnisse erzielt werden können. Tierversuche für die Herstellung von Kosmetika sind in der EU bereits seit 2009 verboten.

Gegen den Kompromiss stimmten die Grünen, welche die Schutzklausel für unzureichend halten. Sie kritisieren unter anderem, dass Versuchstiere auch weiterhin mehrfach schmerzhaften Experimenten unterworfen werden können. Außerdem fordern sie ein komplettes Verbot von Experimenten mit Primaten. Dem Kompromiss zufolge werden jedoch allein Versuche mit Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans verboten. Andere Affenarten wie Makaken und Totenkopfäffchen können hingegen weiter für wissenschaftliche Experimente benutzt werden – etwa zur Erforschung der Alzheimer-Krankheit. Kritik an der Richtlinie äußerten auch einige Vertreter der Konservativen: Nach ihrer Meinung legen die neuen Bestimmungen der Forschung zu enge Fesseln an.

Die Berichterstatterin des Parlaments, Elisabeth Jäggle (CDU), wies die Kritik zurück. Die Neuregelung bedeute einen „Quantensprung für den Tierschutz“. Zugleich bleibe die Verwendung von Versuchstieren zu medizinischen Zwecken in der EU erlaubt. Damit sei ein „schwieriger Spagat“ gelungen. Vorgesehen sei auch ein „wirklich strenges Kontrollsystem“, einschließlich unangekündigter Kontrollen.

Dem Kompromiss zufolge müssen die EU-Staaten sicherstellen, dass mindestens ein Drittel der Labore, die Tierversuche unternehmen, inspiziert werden. Dazu sollen alle 27 EU-Länder Kontrollbehörden einrichten. Die EU werde damit beim Tierschutz „Spitzenreiter“, erklärte der für Gesundheit zuständige EU-Kommissar John Dalli.

„Ich hätte mir noch strengere Vorschriften gewünscht“, sagte die SPD-Abgeordnete Ulrike Rodust. Die EU-Staaten hätten dies aber strikt abgelehnt. Und der nun erzielte Kompromiss sei deutlich besser als die bisher geltenden EU-Vorschriften aus dem Jahr 1986.

Dies räumte auch der Deutsche Tierschutzverband ein. Die neue Richtlinie bleibe zwar deutlich hinter den Erwartungen zurück, betonte ein Sprecher. Trotz aller Mängel werde sie aber die Tierschutzstandards in weiten Teilen der EU, vor allem in Süd- und Osteuropa, verbessern.

In der EU werden jährlich rund zwölf Millionen Tiere zu Experimenten verwendet. Gegner eines völligen Verbots der Tierversuche argumentieren, mit einer solchen Lösung werde die Forschung nur aus der EU in andere Länder verlagert.

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