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Dow Jones Sustainability Index in der Kritik

Zürich > Gestern gaben die Sustainable Asset Management Group (SAM) und Dow Jones Indexes die Ergebnisse des jährlichen Reviews 2010 für die Dow Jones Sustainability Indexes (DJSI) bekannt: 48 Unternehmen steigen in den Dow Jones Sustainability World Index (DJSI World) auf, 46 dagegen scheiden aus. Zu den größten Aufsteigern gehören Standard Chartered, Morgan Stanley and ArcelorMittal, zu den größten ausscheidenden Unternehmen Toyota Motor, Royal Dutch Shell und die UniCredit. Ein Unternehmen war bereits am 1. Juni ausgeschieden: BP. Wegen eines „außerordentlichen Ereignisses“.

DJSI – Mehr Schein als Sein?

Am Fall BP hängt sich die Kritik am Dow Jones Sustainability Index auf, die das manager magazin in der aktuellen Ausgabe seinen Lesern bietet. In dem Beitrag mit dem Titel „Mehr Schein als Sein“ zitiert das Magazin die namentlich nicht genannte Nachhaltigkeitsbeauftragte eines Dax-Konzerns, der bei seinem ersten Anlauf in den DJSI scheiterte. In einem SAM-Lehrgang erfuhr die Dame, worauf es ankommt. Dass Konzern daraufhin seine Praxis änderte, ist nicht zu lesen. Wohl aber änderte er die Angaben im Fragebogen und ist heute im DJSI vertreten, so schreibt es das manager magazin. Die Kritik im Kern: Für die Aufnahme in den Nachhaltigkeitsindex werden Nachhaltigkeitsberichte und andere öffentlich zugängliche Informationen und ein von den Unternehmen auszufüllender Fragebogen ausgewertet. Der Fragebogen könne manipuliert werden und die Nachhaltigkeitsberichte verkörperten wenig solide Zahlen, heißt es in dem Artikel.

Wie glaubwürdig sind Nachhaltigkeitsberichte?

Nachhaltigkeitsberichte werden selten von Wirtschaftsprüfern zertifiziert. Sofern dies doch geschieht, handele es sich zumeist um eine „Limited Assurance“ mit beschränkter Aussagekraft. Anders als bei den Geschäftsberichten könne kein Dax-Konzern einen Nachhaltigkeitsbericht mit einer „Reasonable Assurance“ vorweisen, die bis zu einem gewissen Grad für die Richtigkeit der Aussagen steht. Zudem fehle es an anerkannten Berichtsstandards für zentrale Nachhaltigkeitsdaten wie etwa den Wasser- und Energieverbrauch oder das Abfallvolumen.

Überhaupt geht der Beitrag mit der Nachhaltigkeit von Unternehmen hart ins Gericht: Es fehle an Nachhaltigkeit im Kerngeschäft, während nebensächliche Projekte und Erfolge überschwänglich publiziert würden. Mit anderen Worten: Greenwashing. „Starte möglichst viele Projekte … Aber lasse auf keinen Fall zu, dass der ganze Öko- und Sozialklimbim deine Profitabilität beeinträchtigt“, lautet das Motto laut manager magazin. „Die Grünmacher“ überschreibt das Blatt dann auch eine Box, in der es den wichtigsten Nachhaltigkeitsindex der Welt erklärt.

Der DJSI World arbeitet nach dem „Best-in-Class“-Ansatz: Jährlich werden aus den 2.500 Unternehmen des „Dow Jones Global Index“ die zehn Prozent der Unternehmen einer Branche ermittelt und aufgenommen, die ökonomische, ökologische, ethische und soziale Kriterien am besten erfüllen. Analysiert werden etwa Aspekte aus den Bereichen Corporate Governance und Risk Management, ebenso Maßnahmen zur Verringerung des Klimawandels, Zulieferstandards und Arbeitsbedingungen. Die entsprechenden Bewertungen werden von SAM vorgenommen. Die Bedeutung des DJSI World für an Nachhaltigkeit orientierte Investoren ist hoch.