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Urwaldschutz-Projekt in Ecuador ohne Deutschland

Berlin > Die Bundesregierung hat einer Teilnahme an einem Umweltschutz-Projekt in Ecuador eine Absage erteilt, bei dem das Land für den Verzicht auf Erdölförderung im Regenwald einen finanziellen Ausgleich erhalten soll. “Deutschland möchte das Projekt nicht unterstützen”, sagte ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Donnerstag auf Anfrage. Aus “grundsätzlichen Bedenken” werde das Vorhaben in dem südamerikanischen Land nicht gefördert.
Das Projekt sieht vor, dass Staaten, Investoren und Privatleute Ecuador insgesamt 3,6 Milliarden US-Dollar (gut 2,8 Milliarden Euro) dafür zahlen, dass die Erdölvorräte des im Yasuní-Nationalpark gelegenen Regenwald-Gebietes Ishpingo-Tiputini-Tambococha (ITT) nicht ausgebeutet werden. Die Summe entspricht der Hälfte der möglichen Einnahmen durch die Ölförderung. Die Regierung in Quito hatte Anfang August zusammen mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) einen Treuhandfonds eingerichtet, in den die Mittel für die Initiative fließen sollen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) schrieb nun einem Vorabbericht der “tageszeitung” (Freitagsausgabe) zufolge in einem Brief an die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ute Koczy, die Bundesregierung werde eine Einzahlung in diesen Fonds “nicht in Betracht ziehen”. Der Sprecher des Entwicklungsministeriums sagte, dadurch habe sich kein neuer Sachstand ergeben. Die Bundesregierung habe nie eine Zusage für eine Einzahlung in diesen Fonds gemacht.

Bislang war Deutschland als möglicher Unterstützer genannt worden. Der deutsche Botschafter in Ecuador, Peter Linder, hatte am 21. August noch bei einem Besuch in der östlichen Provinz Orellana, in der ein Teil des Yasuní-Nationalparks liegt, gesagt, die Verhandlungen über eine Unterstützung durch die Bundesregierung sollten im September beginnen.

Das Projekt soll die Zerstörung des Regenwaldes eindämmen und dem Kampf gegen den Klimawandel zugute kommen. Nach Angaben aus Ecuador wird durch den Verzicht auf die Erdölförderung verhindert, dass 407 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre gelangen.

Der Yasuní-Nationalpark wurde 1989 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Im Boden des Gebiets lagern nach Angaben der Regierung 20 Prozent der ecuadorianischen Erdölvorräte. In dem Regenwald-Gebiet leben aber auch die letzten nomadischen Indianer des Landes. Zudem gibt es dort eine sehr große Artenvielfalt.