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Vattenfall will Energie klimafreundlicher produzieren

Stockholm > Deutschlands drittgrößter Versorger Vattenfall will Energie künftig deutlich klimafreundlicher produzieren. Das Unternehmen plane, seinen Kohlendioxid-Ausstoß in den kommenden Jahren um rund ein Drittel zu verringern und verstärkt in erneuerbare Energien wie Wind- und Wasserkraft zu investieren, teilte der schwedische Staatskonzern am Dienstag mit. Vattenfall werde aber an Energie aus Atomkraft und Kohle festhalten.

Die stärkere Ausrichtung auf klimafreundliche Energieerzeugung sein Teil der neuen Konzernstrategie, sagte Vattenfall-Chef Öystein Löseth am Dienstag in Stockholm. Vattenfall wolle in Europa „einer der Marktführer in der Entwicklung nachhaltiger und umweltfreundlicher Energieerzeugung“ werden. Es gehe aber auch darum, Schulden abzubauen und den Konzern schlanker zu machen. Schwerpunkt der Geschäfte von Vattenfall seien künftig Deutschland, Schweden und Dänemark.

Vattenfall werde in den nächsten zwei bis drei Jahren drastisch umgebaut, sagte Löseth. Dann könne das Unternehmen wieder wachsen. Es werde dauern, „den Tanker zu wenden“.

Dem Kurswechsel bei Vattenfall dürfte massiver Druck der schwedischen Staatsregierung vorausgegangen sein. Es kürzlich hatte sie neue Vorschriften erlassen, mit denen die Klimaziele zur Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) bis zum Jahr 2020 erreicht werden sollen. Derzeit liegt Vattenfall mit seinem CO2-Ausstoß bei der Energieerzeugung über dem Durchschnitt der Branche.

In Deutschland steht der schwedische Konzern wegen mehrerer Projekte in der Kritik. In Hamburg-Moorburg etwa baut das Unternehmen momentan ein Steinkohle-Kraftwerk, was dort für heftige Proteste unter Bürgern sorgte. Auch eine Versuchsanlage in Brandenburg zur Trennung von CO2 aus Kraftwerksabgasen und deren unterirdischer Lagerung stößt auf Widerstand. Daneben betreibt Vattenfall in Deutschland weitere Kohlekraftwerke. Auch geriet Vattenfall wegen seiner Informationspolitik nach Störfällen in seinen Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel in die Kritik.

An seinen Kohlekraftwerken in Deutschland werde Vattenfall entgegen anders lautender Gerüchte festhalten, sagte Konzernchef Löseth. Auch werde der Konzern alle noch im Bau befindlichen Kohle-Anlagen fertig bauen und ans Netz gehen lassen wie etwa in Hamburg. Jedoch wolle das Unternehmen in Zukunft keine weiteren Kohlekraftwerke mehr bauen und die bestehenden Anlagen „so effizient wie möglich“ betreiben.

Vattenfall könne seinen CO2-Anteil künftig dadurch reduzieren, indem es beispielsweise Kohlekraftwerke in anderen Ländern verkaufe, etwa in Polen oder Dänemark, sagte Löseth. Er wolle „nicht ausschließen“, dass sich Vattenfall von Anlagen in Ländern trenne, die nicht zur Gruppe der drei Kernmärkte gehöre. Ganze Unternehmensteile würden jedoch nicht verkauft. Neben Kohle und Atomkraft setze Vattenfall künftig verstärkt auch auf Biomasse, Gasenergie und Wasserkraft. Insgesamt rechne der Konzern durch seine Neuausrichtung mit Einsparungen von jährlich sechs Milliarden schwedischen Kronen (648 Millionen Euro), teilte Vattenfall mit.

Über den Autor

CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

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