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Zehntausende Menschen in aller Welt fordern besseren Klimaschutz

Berlin > Mit Baumpflanz-Aktionen, Stromwechselpartys und Fahrradtouren haben rund um den Globus zehntausende Menschen einen stärkeren Einsatz für den Klimaschutz gefordert. Am Klima-Aktionstag beteiligten sich am Sonntag Menschen in 188 Ländern, darunter auch Deutschland. Die Verhandlungen um ein neues globales Klimaschutzabkommen erlitten beim Vorbereitungstreffen zum UN-Klimagipfel in Mexiko allerdings einen Dämpfer.

Am Brandenburger Tor in Berlin feierten nach Angaben der Umweltschutzgruppe 350.org rund hundert Menschen eine Stromwechselparty und zogen in einem Aktionstheater einem Kohle- und Atomkraftwerk den Stecker. Rund 400 Menschen versammelten sich zudem in der Hauptstadt, um bei der sogenannten Silent Climate Parade unter anderem zu den Technobeats von Dr. Motte für einen besseren Klimaschutz durch die Straßen zu ziehen.

In ganz Deutschland gab es rund hundert Klimaschutzaktionen: Im niedersächsischen Scheeßel wollten Anwohner einen Fahrradlaternen-Umzug veranstalten. „Die Menschen sind bereit, die Klimakrise anzupacken – und sie erwarten, dass auch ihre Regierungen endlich ernsthaft handeln“, erklärte die Europa-Koordinatorin von 350.org, Diana Vogtel. Das Netzwerk ist nach der laut Wissenschaftlern für den Menschen sicheren Obergrenze von CO2 in der Atmosphäre benannt. Derzeit liegt der Wert allerdings bei etwa 390 ppm (Teilchen pro Million).

Die Zahl 350 spielte bei vielen Aktionen eine zentrale Rolle. In Portugal rief die Umweltschutzorganisation Quercus zu einer Fahrradtour auf, bei der sich die Teilnehmer am Ufer des Flusses Tejo in Form einer 350 aufstellen sollten. Auf einer früheren illegalen Deponie im Süden des Landes sollten 350 Bäume gepflanzt werden.

Weltweit beteiligten sich Menschen in 188 Ländern an dem Aktionstag: In Peking sammelten hunderte Freiwillige Müll. In der philippinischen Hauptstadt Manila beteiligen sich tausende Menschen an einem Lauf, um auf die Verschmutzung des Flusses Pasig aufmerksam zu machen. Auf kleineren Pazifikinseln wurden Bäume gepflanzt und Fahrradtouren organisiert. In Barcelona war ein Musikfestival geplant, dessen Stromverbrauch mit Fahrrädern gedeckt wird.

Die internationale Gemeinschaft ringt derzeit um ein Nachfolge-Abkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll. Beim UN-Klimagipfel Ende vergangenen Jahres in Kopenhagen hatten sich die Teilnehmer nur auf das vage Ziel geeinigt, die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Die Verhandlungen um ein neues Klimaschutzabkommen kommen allerdings nur schleppend voran. Zum Abschluss der Vorbereitungskonferenz für den Klimagipfel in Mexiko traten am Samstag im chinesischen Tianjin erneut die Differenzen zwischen den USA und China offen zu Tage. Die beiden größten Klimasünder warfen sich gegenseitig vor, Fortschritte zu verhindern.

UN-Klimachefin Christiana Figueres zeigte sich dennoch optimistisch. Das Treffen in Tianjin habe die internationale Gemeinschaft „näher zu strukturierten Entscheidungen“ gebracht. Sie sei zuversichtlich, dass sich die Industrienationen in Mexiko auf einen Plan zur finanziellen Unterstützung von ärmeren Ländern beim Klimaschutz einigen würden. Es wird aber nicht damit gerechnet, dass beim Weltklimagipfel in Cancún vom 29. November bis zum 10. Dezember ein neues globales Abkommen vereinbart wird, sondern vermutlich frühestens auf der folgenden UN-Klimakonferenz 2011 in Südafrika.

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