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Studie: Rund eine Milliarde Menschen hungern weltweit

Bonn > Armut, Konflikte und politische Instabilität haben zur Folge, dass weltweit rund eine Milliarde Menschen Hunger leiden. Die meisten von ihnen leben in Afrika und Asien, wie aus dem am Montag veröffentlichten Welthungerindex hervorgeht. Demnach ist die Hungersituation in 29 Entwicklungsländern, den meisten von ihnen auf dem afrikanischen Kontinent, „alarmierend“ oder sogar „extrem alarmierend“. Besonders dramatisch sei die Lage in der Demokratischen Republik Kongo, in Burundi, Eritrea und im Tschad.

Für ihre Untersuchung werteten das Forschungsinstitut IFPRI, die Hilfsorganisation Concern Worldwide und die Welthungerhilfe Daten aus 122 Ländern aus. Verglichen wurden der Anteil unterernährter Menschen, die Zahl untergewichtiger Kinder und die Kindersterblichkeit.

Das Thema Welthunger betrifft Unternehmen: Ein Teil der Ursachen liegt im Klimawandel begründet. Ein anderes zentrales Thema ist der Umgang mit der knappen Ressource Wasser. In der Nahrungsmittelkette spielt die Verfügbarkeit von Produkten eine Rolle, die Ernteerträge steigern können. Und nicht zuletzt beeinflussen unternehmerische Entscheidungen die Preisniveaus von Lebensmitteln.

Im vom Bürgerkrieg geplagten Kongo sind dem Welthungerindex zufolge drei Viertel der Bevölkerung unterernährt. Die Kindersterblichkeit ist dort eine der höchsten weltweit. In der Studie heißt es, der seit Ende der 90er Jahre anhaltende Bürgerkrieg habe zu einem „Zusammenbruch der Wirtschaft, massiven Vertreibungen von Menschen und chronischer Nahrungsmittel-Unsicherheit“ geführt. Mit Ausnahme von Haiti und dem Jemen liegen alle Länder, in denen die Situation als „alarmierend“ eingestuft wird, in Afrika.

Die Mangelernährung bei Kindern unter zwei Jahren stellt laut der Welthungerhilfe eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen den Hunger dar. Sie habe lebenslange Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Betroffenen, wie Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, bei der Vorstellung des Welthunger-Indexes 2010 in Bonn betonte.

„Mütter, die als Kind schlecht ernährt waren, bringen häufig untergewichtige Kinder zur Welt. Diesen Teufelskreis der Unterernährung müssen wir durch konsequente Beratung und Förderung der ländlichen Entwicklung durchbrechen“, sagte Dieckmann. Sie appellierte an die Bundesregierung, die Themen ländliche Entwicklung und Ernährungssicherheit in den Mittelpunkt der Entwicklungszusammenarbeit zu stellen.

Die Studie wurde anlässlich des Welternährungsgipfels veröffentlicht, der am Montag in Rom begann. Im Mittelpunkt des einwöchigen Treffens des UN-Welternährungsausschusses, in dem unter anderem Regierungsvertreter, Hilfsorganisationen und UN-Institutionen vertreten sind, steht die Suche nach Lösungen im Kampf gegen den Hunger. Die internationale Gemeinschaft will die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 halbieren. Das geht nicht ohne Kooperationen mit allen Bereichen der Zivilgesellschaft – mit Bürgern und Unternehmen. Derzeit leiden nach Angaben der FAO weltweit rund 925 Millionen Menschen an Unterernährung.