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Studie: Chancengleichheit von Frauen in Nordeuropa am größten

Genf > Frauen haben einer Studie zufolge in Nordeuropa am meisten Chancen auf Erfolg in Wirtschaft und Gesellschaft. Das Land mit der größten Gleichberechtigung sei Island, gefolgt von Norwegen, Finnland und Schweden, wie das Weltwirtschaftsforum am Dienstag unter Berufung auf eine jährliche Untersuchung mitteilte. Deutschland belegt unter 134 Ländern Platz 13 und ist damit weiter abgerutscht. 2006 war Deutschland noch auf Rang fünf.

In Deutschland habe es in den vergangenen Jahren bei der Gleichberechtigung zwar Fortschritte gegeben, heißt es in der Studie. In anderen Ländern seien diese aber größer gewesen. Die USA verbesserten sich den Angaben zufolge in der Rangliste von Platz 31 auf Platz 19 wegen Verbesserungen im Bildungssystem. Frankreich wiederum fiel demnach um 25 Plätze zurück und landete auf Rang 46 wegen schlechter Beteiligungschancen für Frauen in der Politik.

Das Weltwirtschaftsforum bewertet für seine Untersuchung die Chancengleichheit in der Wirtschaft, etwa bei Lohn oder Aufstiegschancen, die Gleichheit und Chancen im Bildungsbereich, die Beteiligung in der Politik und Geschlechterunterschiede bei Gesundheit und Lebenserwartung.

Grund für das gute Abschneiden der skandinavischen Länder sei unter anderem, dass es dort besonders viele Frauen einer Arbeit nachgehen könnten, teilte das Weltwirtschaftsforum mit. Daneben gebe es die geringsten Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern sowie gute Aufstiegschancen für Frauen. Auch seien dort die Geburtenraten höher als in anderen großen Wirtschaftsnationen wie etwa Deutschland oder Japan.

Am schwächsten sei die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Jemen ausgeprägt sowie im Tschad und Pakistan, teilte das Weltwirtschaftsforum mit. Mali, die Elfenbeinküste und Saudi Arabien landeten ebenfalls auf den letzten Rängen. Das Weltwirtschaftsforum ist eine gemeinnützige Stiftung, die unter anderem das gleichnamige jährliche Treffen von Wirtschaftsexperten im Schweizer Ort Davos veranstaltet.

Unterdessen stellten die Grünen am Dienstag einen Gesetzentwurf vor, mit dem sie die Chancengleichheit für Frauen in den Führungsetagen deutscher Unternehmen stärken wollen. Demnach soll es in den Aufsichtsräten von Unternehmen eine Frauenanteil von mindestens 40 Prozent geben.

Der Entwurf sieht den Angaben zufolge auch vor, dass gegen Beschlüsse von Aufsichtsräten geklagt werden kann, wenn diese nicht mit einer entsprechenden Frauenquote getroffen wurden. Die Regelung für Aufsichtsräte solle nur ein Anfang sein, erklärte die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast. Weitere Vorschriften zu mehr Gleichberechtigung sollten folgen.