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WHO fordert bessere Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten

Genf > Eine Milliarde Menschen leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Tropenkrankheiten, deren Bekämpfung von den großen Pharma-Konzernen vernachlässigt wird. Diese Krankheiten seien oft mit Armut verbunden und böten deshalb „wenig Anreiz für die Industrie, in die Entwicklung neuer oder besserer Produkte für Patienten zu investieren“, heißt es in einem am Donnerstag in Genf vorgestellten WHO-Bericht über 17 Tropenkrankheiten – darunter auch das Dengue-Fieber, Lepra, Flussblindheit und Bilharziose. 534.000 Menschen sterben demnach jedes Jahr an diesen Krankheiten.

WHO-Chefin Margaret Chan rief die internationale Gemeinschaft zum „großzügigen Handeln“ zugunsten der Patienten auf, „die andernfalls in aller Stille leiden“. Die 17 Tropenkrankheiten, die in den Industrieländern praktisch nicht vorkommen, blieben mit Ausnahme des Dengue-Fiebers oft ohne große Beachtung, weil sie nicht so viele Todesopfer wie bei Aids oder Tuberkulose forderten.

Viele Betroffene sind der WHO zufolge mit bis zu sieben Tropenkrankheiten gleichzeitig infiziert. Die Krankheiten, zu denen auch als Trachome bezeichnete Augenentzündungen, Leishmaniose und Elephantiasis gehören, werden meist durch Parasiten verursacht, die durch Insekten, Larven oder Weichtiere übertragen werden.

Bis zum Jahr 2015 will die WHO die Tropenkrankheiten nun vollständig unter Kontrolle bringen. Trotz der Vernachlässigung dieser Krankheiten habe es zuletzt Fortschritte in ihrer Bekämpfung gegeben – auch weil private Stiftungen und Regierungen „beträchtliche Mittel“ zur Verfügung gestellt hätten und einige Pharma-Firmen größere Mengen an Medikamenten gespendet hätten. WHO-Chefin Chan bezeichnete das Ziel, die Krankheiten in den kommenden Jahren in den Griff zu bekommen oder sogar vollständig auszurotten als „völlig gerechtfertigt“.