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Hat der existenzsichernde asiatische Grundlohn eine Chance?

Im November werden Näherinnen, Gewerkschafterinnen und Wissenschaftlerinnen aus Bangladesch und Indonesien durch Deutschland reisen. Dabei werden sie einen länderüberschreitenden existenzsichernden „asiatischen Grundlohn“ fordern, kündigt die Kampagne für Saubere Kleidung als Veranstalter an. Länderübergreifend müsse der Mindestlohn sein, damit sich nicht Länder gegenseitig ausspielen, heißt es in der Pressemitteilung dazu. Die Forderungen der Kampagne richten sich an Bundesregierung und europäische Union.

Hat das Konzept des „existenzsichernden Grundlohns“ eine Chance? Der Wettbewerb der Billiglohnländer untereinander ist dabei nur eines von vielen Problemen:

  • In vielen Ländern Asiens und Afrikas werden die existierenden Mindestlöhne unterlaufen. Gleiches gilt für Regelungen zur Kinderarbeit oder zum Arbeitsschutz.
  • Es hat sich eine „Zwei-Klassen-Arbeitswelt“ entwickelt: Die Arbeitsbedingungen in exportorientierten Branchen unterscheiden sich deutlich von den Produktionsstätten für inländische Kunden.
  • Tatsächlich fürchten viele Länder das Abwandern von Industrien, wenn sie Mindestlöhne deutlich erhöhen.
  • Wie errechnet sich ein existenzsichernder Lohn? Lebensbedingungen innerhalb eines Landes unterscheiden sich enorm zwischen Stadt und Land, Familien und ledigen Arbeitern und innerhalb der Branchen.
  • Ein großer Teil der Menschen in Afrika und Asien sind als „Selbständige“ im Kleingewerbe tätig. Sie würden von einem solchen Mindestlohn nicht unmittelbar profitieren.
  • Und nicht zuletzt: Was braucht der Mensch zum Leben? Welche Qualität an Nahrung, Kleidung und Wohnung soll der Lohn sichern? Welcher Umfang an Krankenversorgung soll gesichert werden? Und wie steht es um die Rente?

Die Frage nach Löhnen und Arbeitsbedingungen in Asien (und Afrika) ist ohne Zweifel gerechtfertigt. Kaum jemand von uns wird unter den Bedingungen und für den Lohn arbeiten wollen, wie es Menschen in diesen Ländern tun müssen. Wenn sich Unternehmen in Deutschland auf die Aussage beschränken, dass sie von ihren Lieferanten die Zahlung von Mindestlöhnen fordern, ist das jämmerlich wenig.

Deshalb:

  • Ist die Forderung nach einem grenzüberscheitenden existenzsichernden Grundgehalt hilfreich?
  • An wen sollte sie sich richten?
  • Was ist in diesem Zusammenhang von deutschen Unternehmen zu erwarten, deren Zulieferketten nach Asien oder Afrika reichen?
  • Und was und müssen können Politik und Zivilgesellschaft tun?

Diskutieren Sie die Frage nach dem „existenzsichernden Grundlohn“ mit uns in der XING-Gruppe CSR Professional.