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Kompass Nachhaltigkeit: Eine gute neue Seite im Kommunikationswirrwarr der Regierung

Berlin > Die Website Kompass Nachhaltigkeit bietet kleinen und mittleren Unternehmen Unterstützung bei der Beschaffung: umfangreiche Informationen zu Themen der nachhaltigen Beschaffung, einen Self Check für Unternehmen sowie eine Datenbank zu Nachhaltigkeitsstandards. Mit einer detaillierten Standardsuche lassen sich Standards und Labels für unterschiedliche Sektoren finden und miteinander vergleichen. Das ist technisch interessant gelöst: Im Menüpunkt „Standardsuche“ kann eine Produktgruppe angehakt werden, zum Beispiel Kakao. Die Datenbank wirft für Kakao zehn Standards aus, von denen jeweils zwei Standards gut gegliedert und detailliert miteinander vergleichen werden können. Ein nützliches und schnelles Tool. Beim Self Check lädt ein Online-Fragebogen zur Teilnahme ein. Nach zwei Frageseiten gelangt der Nutzer zu einer Self Check Auswertung. Das Ganze ist einfach, übersichtlich und nicht zu anspruchsvoll. Noch leer ist der Menüpunkt mit Praxisbeispielen deutscher Unternehmen.

Das vielleicht wichtigste bei dieser Plattform: Sie ist zweigleisig, neben den KMU zielt sie auf die Träger der öffentlichen Beschaffung, insbesondere auf die Kommunen. In Deutschland haben öffentliche Aufträge mit einem Einkaufsvolumen von jährlich etwa 260 Milliarden Euro einen Anteil von 13 Prozent am Bruttoinlandprodukt, die Hälfte dieses Auftragsvolumens stammt aus den Kommunen. Und insbesondere den Kommunen bietet der Kompass Nachhaltigkeit ganz ähnliche Orientierungshilfen wie den KMU.

Beauftragt wurde die Internetplattform vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und umgesetzt durch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Weitere Beteiligte waren das Beratungsunternehmen Leading Standards (Bonn) sowie das Internationale Handelszentrum in Genf. Vorgestellt wurde die neue Internetplattform Ende Oktober in Berlin. Jetzt braucht sie den Erfolg in der Praxis, sie muss KMUs und öffentliche Auftraggeber tatsächlich erreichen. Die Zugriffszahlen werden ein wichtiges Indiz dafür sein, welchen Einfluss Kompass Nachhaltigkeit auf die Praxis gewinnen kann.

Als ein Schwachpunkt könnte sich dabei erweisen, dass es der Bundesregierung offensichtlich an einer übergreifenden Strategie der Nachhaltigkeitskommunikation fehlt. So präsentiert auch die vom Auswärtigen Amt und der Bertelsmann Stiftung initiierte Plattform CSR Weltweit viele relevante Informationen zu Beschaffungsmärkten, aber die beiden Plattformen stehen unverbunden nebeneinander. Das Bundesforschungsministerium bietet die Plattform FONA Forschung für nachhaltige Entwicklung. Die Bundesaktion „Bürger initiieren Nachhaltigkeit“ findet sich ebenso auf einer eigenen Seite im Netz wie der Bürgerdialog „Nachhaltigkeit“ und die Informationen des Nachhaltigkeitsrats. So gehen Übersichtlichkeit und Synergien verloren.

Bleibt zu hoffen, dass der Prozess der Entwicklung einer Nationalen CSR-Strategie dieses Kommunikationswirrwarr beenden wird. Informationen dazu finden sich übrigens auf der Website www.csr-in-deutschland.de. Auch wer sich in den Nachhaltigkeitsinformationen der Bundesregierung zurecht finden will, braucht einen Kompass.

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