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Blood In The Mobile: bewegende Bilder zu einem bekannten Problem und das Kommunikationsverhalten eines Konzerns

Amsterdam > Bewegende Bilder aus Coltanminen im Kongo zeigt der Film „Blood In The Mobile“ (Blut im Handy) des dänischen Regisseurs Frank Poulsen, der auf dem am 17. November begonnenen Dokumentarfilmfestival in Amsterdam vorgestellt wurde. Das in Handys, Laptops und Flachbildschirmen enthaltene Coltan wird unter oft unmenschlichen Bedingungen in den Bürgerkriegsgebieten der Demokratischen Republik Kongo abgebaut und dient den Kriegsherren zur Finanzierung ihrer Waffen. Rund vier Millionen Tote haben diese Konflikte in den letzten Jahren gefordert. Neu ist das Thema Coltan nicht, es gibt auch andere filmische Dokumente dazu, jedoch ist der Beitrag in zweifacher Hinsicht bemerkenswert:

Poulsen hat das Elend der Menschen in den Coltanminen sehr unmittelbar erlebt und beschreibt es lebendig: Junge Männer – Teenager – drängen dorthin und hoffen auf ein neues, besseres Leben. Ihre Reise bringt sie in abgelegene Gebiete, mitten im Regenwald gelegen. Dann geht es in die improvisierten Löcher im Boden, in denen ohne eine irgendwie ausreichende Ausrüstung gearbeitet wird. Etwa einmal im Monat breche eine solche Mine in sich zusammen und begrabe die Arbeiter unter sich, ist Poulsen berichtet worden. Und dann kämpfen rivalisierenden Kriegsherren um die Minen und ihre reichen Erträge; Massaker sind an der Tagesordnung. Für viele junge Männer ist die Reise zu den Minenfeldern eine Reise ohne Rückfahrschein: Die bewaffneten Milizen verhindern ihre Flucht und zwingen sie zur Arbeit und Zollforderungen bringen sie in finanzielle Abhängigkeiten.

Bemerkenswert ist zum zweiten, was Poulsen über das Kommunikationsverhalten des Nokia-Konzerns berichtet. Dazu muss gesagt werden, dass der Regisseur in keiner Weise agitatorisch oder effektheischerisch arbeitet. Im Gegenteil: Poulsen besitzt ein Nokia-Handy. Und in einem Interview zum Film weist er ausdrücklich darauf hin, dass Coltan in den Handys aller Marken steckt. Und – allerdings fälschlich – auch darauf, dass die Identifikation der Herkunft des Coltans den Herstellern unmöglich sei. Jedenfalls bemühte sich Poulsen nach seinen Dreharbeiten im Kongo etwa ein Jahr lang vergeblich um ein Gespräch mit Nokia über das Thema. Er erhielt Standardantworten, wurde auf die Website verwiesen, nicht zurückgerufen – und kam erst nach intensiven Bemühungen an ein Statement für den Film.

Der Begriff „Coltan“ bezeichnet Mineralkonzentrate mit einer hohen Konzentration der Elemente Tantal (Ta) und Niob (Nb). Tantal wird in der Mikroelektronik für die Herstellung kleinster Kondensatoren mit hoher elektrischer Kapazität benötigt. 2008 wurden weltweit etwa 1930 Tonnen Tantalpentoxid abgebaut. Die Hälfte dieses Metalls stammt heute aus Afrika, davon wiederum etwa die Hälfte aus der Demokratischen Republik Kongo. Das Coltan aus dieser Region ist oftmals mit radioaktiven Elementen vermischt, weshalb entlang der Minen beobachtete Missbildungen von Neugeborenen auf die radioaktive Strahlung zurückgeführt werden.

Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Berlin) ist es im vergangenen Jahr gelungen, den „Fingerabdruck“ des aus dem Kongo stammenden Coltans zu ermitteln. Bei dem forensischen Nachweis werden an Hand gemessener chemischer und mineralogischer Parameter die Herkunftslagerstätten von gehandelten Tantalerzkonzentraten eindeutig lokalisiert, sodass illegale Lieferungen aus möglichen Konfliktregionen wie dem Kongo identifiziert werden können.

Weitere Informationen:

Das Interview mit Regisseur Frank Poulsen (englisch).

Coltan-Informationen auf der Website von Nokia (englisch).

The Real Mobile Phone Wars: ein Journeyman Pictures Film zum Coltanabbau im Kongo (englisch) auf YouTube.

Der von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe entwickelte „Fingerabdruck“ des Coltans.

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