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Brauchen wir Nachhaltigkeitspreise? Und interessieren sie?

Am 26. November wird der „Deutsche Nachhaltigkeitspreis“ verliehen. Sie sind nicht dabei? Nicht schlimm, versuchen Sie es beim Deutschen CSR-Preis, beim Deutschen Engagementpreis, beim Deutschen Preis für Wirtschaftsethik, beim Deutschen Umweltpreis, beim Utopia Award …

Brauchen wir alle diese Auszeichnungen? Oder feiern wir damit uns selbst – ohne Außenwirkung?

Nehmen Sie zum Beispiel den jetzt anstehenden Preis: Trotz allen Werbeaufwandes verlief die Vergabe des „Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2009“ ohne nennenswerte Medienresonanz. Um genau zu sein: Dass der britische Thronfolger Prinz Charles mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde, fand sich den Medien. Aber deutsche Unternehmen kamen in den Meldungen nicht vor. Ähnliches gilt für die Preisvergabe 2008 an die Pop-Sängerin Annie Lennox: Sie und andere Promis kommen in den Meldungen vor, deutsche Unternehmen nicht. Dabei muss man anerkennen, dass es der deutsche Nachhaltigkeitspreis mit so viel Prominenz überhaupt in die Publikumsmedien schafft! Fazit: Ein öffentliches Bewusstsein für die verantwortungsvolle Unternehmensführung schaffen diese Preise nicht, und der PR der Unternehmen dienen sie kaum.

Ein Gegenargument lautet: Wir brauchen solche Preise für die nachhaltige Argumentation nach innen, solche Auszeichnungen überzeugen unsere Kollegen und Geschäftsführungen. Mag stimmen, aber man darf skeptisch sein.

Und schließlich ist da noch das Problem mit dem Greenwashing-Vorwurf. Das gilt besonders für alle Auszeichnungen, bei denen die Unternehmen für ihre Teilnahme zahlen. Der „Deutsche Nachhaltigkeitspreis“ begegnet dieser Herausforderung professionell und vorbildlich: ein transparentes Verfahren, eine hochkarätige Jury, verschiedenste Kategorien. Und trotzdem: Wie viel Aufwand wäre denn nötig, um tatsächlich „Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen“ zu ermitteln? Und gibt es das angesichts der Vielzahl an denkbaren Kriterien und der Unterschiedlichkeit der Herausforderungen überhaupt?

  • Sollten sich Unternehmen um Nachhaltigkeitspreise bewerben? Um welche?
  • Was bewirken Nachhaltigkeitspreise?
  • Was steigert ihre Glaubwürdigkeit?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Nachhaltigkeitspreisen gemacht?
  • (Wofür) Würden Sie einen weiteren Nachhaltigkeitspreis ausschreiben?

„Wirtschaft will möglichst aufmerksamkeitsstark dokumentieren, wie weit sie es im Kontext Verantwortung gebracht hat. Also bewirbt sie sich reflexhaft auf entsprechende Preis-Ausschreibungen. Es spricht an sich gar nichts dagegen, Unternehmen auch für ihre CSR-/NH-Performance auszuzeichnen. Allerdings sollten sich die Ausrichter die (selbst)kritische Frage stellen, ob sie die richtigen Maßstäbe anwenden“, schreibt Karsten Tappe (Ketchum Pleon GmbH) in seinem Kommentar.

Und Constantin Wollenhaupt (diabla media Verlag) berichtet: „Ich komme just im Moment von der Preisverleihung der Austrian Sustainability Report Austria. Dort wird die Qualität der Nachhaltigkeitsberichte bewertet. Ich fand das wichtig. Obgleich sich geschätzte 80% der Teilnehmer des Events aus den Veranstaltern und den Gewinnern zusammengesetzt haben. Daher ist die Frage nach der Legitimität schon berechtigt.“

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