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Töpfer: Klimaschutz schon vor Abschluss von UN-Abkommen vorantreiben

Potsdam > Vor der UN-Klimakonferenz in Cancún hat der frühere Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, dazu aufgerufen, den Kampf gegen die Erderwärmung bereits vor Abschluss eines neuen internationalen Abkommens voranzutreiben. “Es ist dringend notwendig, dass wir nicht sagen, ‘Klimapolitik wird nur gemacht, wenn ein neues Vertragswerk vorliegt’, sondern ‘Klimapolitik wird jetzt gemacht'”, sagte Töpfer der Nachrichtenagentur AFP. In seiner Zeit bei der UNO sowie als Bundesumweltminister habe er in Sachen Umwelt- und Klimaschutz immer wieder die Erfahrung gemacht: “In dem Moment, wo man auf alle wartet, handelt keiner, aber wenn die einen oder anderen vorangehen und belegen, welche Chancen darin liegen, kommen alle mit.”

Zusätzlich zu den nationalen Anstrengungen könnten sich einzelne Länder zur Umsetzung von Klimaschutzprojekten etwa beim Waldschutz oder zur Erhöhung der Energieeffizienz zusammenschließen, sagte Töpfer, der das Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) leitet. So arbeite etwa Deutschland im Bereich der Umwelttechnologien schon mit China und anderen Staaten zusammen. Solche bilateralen und regionalen Projekte zeigten anderen Ländern, dass die Minderung von Kohlendioxid-Emissionen nicht nur klimapolitisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll und nötig sei und “die Stabilität einer Wirtschaft in gar keiner Weise gefährdet”.

Die nationalen und regionalen Vorhaben dürften allerdings nur eine Ergänzung zu einem globalen Klimaschutzabkommen sein, mahnte Töpfer. Sie müssten sich bei den internationalen Verhandlungen “wieder zusammenbinden lassen zu globalen Lösungen”. Ein Abwenden vom UN-Verhandlungsprozess wäre “Resignation vor dem Notwendigen”, warnte der Klima-Experte.

Der Abschluss eines verbindlichen internationalem Abkommen ist aus Töpfers Sicht derzeit jedoch nicht absehbar. Der weltweit größte CO2-Emittent China habe zwar eingesehen, dass er seine Energieeffizienz deutlich steigern müsse und gehöre bei den erneuerbaren Energien bereits zu den führenden Nationen. Die Volksrepublik werde ihre Klimaziele aber “sicherlich nicht in eine völkerrechtlich verbindliche Vereinbarung einbringen”. Auch in den USA sei die notwendige Mehrheit für verbindliche und überprüfbare Klimaschutzzusagen nicht zu erwarten.

Bei der am Montag in Cancún beginnenden Klimakonferenz ist es aus Töpfers Sicht wichtig, dass die UN-Verhandlungsebene gestärkt hevorgeht. “Cancún muss dazu betragen, dass wieder Vertrauen und Verlässlichkeit in diese Verhandlungen hineinkommen”, sagte der frühere Umweltminister. Dazu müssten durch ernste und intensive Verhandlungen “viele kleinere und größere Stolpersteine” aus dem Weg geräumt werden. Fortschritte erhofft Töpfer sich bei der Zusammenarbeit zur Förderung klimafreundlicher Technologien, beim Schutz der Wälder und bei den Finanzhilfen der Industriestaaten für den Klimaschutz und die Anpassung an Klimafolgen in Entwicklungsländern. Deutschland habe bei den Verhandlungen “eine ganz wichtige, wenn nicht sogar eine zentrale Rolle mitzuspielen”.