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Initiative kritisiert Konzept der Wirtschaft für Schulfach Ökonomie

Bielefeld > Wissenschaftler haben die Konzepte der Wirtschaftsverbände für ein Schulfach Ökonomie scharf kritisiert. Das jüngste Konzept der Wirtschaft sei auf die Volkswirtschaftslehre fixiert und weit entfernt von der ökonomischen Wirklichkeit in Unternehmen und Haushalten, kritisierte die Initiative für besseres ökonomisches Lernen (iböb) am Montag. Das Konzept blende zudem die großen gesellschaftlichen Probleme aus und sei insgesamt interessenspolitisch einseitig, heißt es in einer Studie der Initiative.

Hauptaugenmerk im Konzept der Wirtschaftsverbände ist laut iböb-Studie die Vermittlung von Wissen, und zwar ausgerichtet auf die Denkmuster von Volks- und Betriebswirtschaftslehre. Erfahrungen, Interessen und Probleme der Schüler dagegen würden nicht aufgegriffen, kritisieren die Autoren. Einziges Entscheidungskriterium für die Schüler sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis oder die Effizienz – Emotionen oder Bedürfnisse blieben außen vor. Vermittelt würden „praktisch nutzlose“ Kompetenzen, vernachlässigt werde das kritische Nachdenken über persönliche Vorstellungen vom guten Leben und Arbeiten.

Als Beispiel für die Einseitigkeit des Konzepts nennt die Initiative das Thema Wirtschaftskriminalität. „Frappierend“ sei, dass nur Arbeitnehmer, Verbraucher und Versicherte zu kriminellen Handlungen neigten, Unternehmen dagegen gar nicht. Aufgezählt würden Krankfeiern, Zigarettenschmuggel und Versicherungsbetrug – Subventionsbetrug, Steuerhinterziehung oder Bilanzfälschung kämen in dem Konzept nicht vor, kritisiert die iböb-Studie. Das Konzept verstärke zudem Stereotypen: Unternehmer oder Energiesparberater sind Männer, Murat und Elena dagegen gehen auf die Hauptschule.

Dass allerdings mehr Bildung zum Thema Wirtschaft nötig ist, zeigt eine ebenfalls am Montag veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Zeppelin University in Friedrichshafen. Demnach erreichten die 1300 Befragten im Schnitt 61 von 100 möglichen Punkten des von den Wissenschaftlern definierten „minimalen Wirtschaftswissens“.

Gefragt wurde unter anderem nach dem aktuellen Wirtschaftsminister, der Arbeitslosenquote, der Anlageform mit dem geringsten Verlustrisiko, der Umsatzsteuer für Lebensmittel oder dem Wirtschaftssystem der Bundesrepublik. Aber auch Fragen nach dem Land mit dem größten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, der Liquidität einer Firma oder den Folgen einer Dollarkurs-Steigerung für deutsche Unternehmen gehörten dazu.

Fast die Hälfte der Befragten wusste nicht, wie hoch zurzeit die Arbeitslosenquote ist, knapp drei Viertel beherrschten die Prozentrechnung nicht, wie das „Handelsblatt“ über die Studie berichtete. Fast jeder vierte wusste demnach nicht, dass er in einer sozialen Marktwirtschaft lebt. Das Wirtschaftswissen nimmt laut der Studie mit Alter, steigendem Einkommen und höherer Bildung zu; Männer schnitten besser ab als Frauen.

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