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Die Berichterstattung nach GRI prägt das Umweltmanagement. Ein Interview zum Umweltreporting bei der BSH

Im Vergleich zu anderen Themenbereichen der Global Reporting Initiative (GRI-G3) stellt der Umweltbereich mit 35 von insgesamt 86 Indikatoren einen großen Teil der abgefragten Daten dar. Aber was bedeutet die Erhebung einer so großen Datenmenge für ein Unternehmen?
Im Rahmen der Beitragsserie zur GRI sprach akzente mit Dr. Herbert Mrotzek von der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH über Umweltmanagement, die Praktikabilität der Umweltindikatoren und die Notwendigkeit einer Prüfung der Zahlen durch einen Wirtschaftsprüfer. Mrotzek ist seit 1991 Leiter Zentralabteilung Umweltschutz und Arbeitssicherheit.

  • Herr Dr. Mrotzek, die BSH wird im nächsten Jahr den 19. Nachhaltigkeitsbericht publizieren. Was war die Initialzündung überhaupt einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen?
  • Vor etwa 20 Jahren hat die BSH ein zentrales Umweltmanagement eingerichtet. Die Erfolge, die damals schon in unseren Werken erreicht worden sind, sollten sichtbar und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Umweltbericht, wie er damals noch hieß, bot hierfür eine geeignete Möglichkeit. Das war die Pionierzeit der Berichterstattung und des Umweltmanagements: Nur wenige Firmen hatten zu dieser Zeit einen Bericht herausgegeben, der einen Datenteil enthielt, wie wir ihn heute kennen und sich damit eindeutig von einer Werbebroschüre unterschied.

  • Haben Sie sich dabei schon an internationalen Standards orientiert?
  • Die gab es damals noch nicht. Unser erster Bericht wurde 1993 veröffentlicht, die ersten GRI-Richtlinien wurden 1999 publiziert. Ich gehe davon aus, dass die GRI die vorhandenen Berichte als Basis nahm, um entsprechende Kriterien daraus abzuleiten – da war unser Bericht bestimmt auch dabei.

  • Ist Umweltschutz Teil Ihres Kerngeschäftes?
  • Ja, in den letzten Jahren zunehmend, da wir unsere Geräte den ökologischen Anforderungen der Zukunft anpassen müssen. Ich bin überzeugt, dass Nachhaltigkeit die Basis für unseren langfristigen Unternehmenserfolg ist. Im letzten Nachhaltigkeitsbericht der BSH betonte Herr Dr. Kurt-Ludwig Gutberlet, unser Vorsitzender der Geschäftsführung, dass Klimaschutz, Energieeffizienz und Ressourcenschonung die wichtigsten Themen der Zukunft sind, und dass die BSH mit innovativen und supereffizienten Hausgeräten maßgeblich zum Klima- und Umweltschutz beitragen kann. Unseren Kunden helfen wir damit Strom- und Wasserkosten zu sparen.

  • In Ihrem Supereffizienz-Portfolio findet man die sparsamsten Geräte der BSH. Warum hat die BSH den Weg eines extra Portfolios für umweltfreundliche Produkte eingeschlagen und Umweltkriterien nicht in die gesamte Produktpalette integriert?
  • Wir haben unsere gesamte Produktpalette in den letzten Jahren immer weiter an die Umweltanforderungen angeglichen. Die Entwicklung, wie sich unserer Produkte über die Jahre in den Energieeffizienzklassen verbessert haben, macht dies deutlich. Darüber hinaus wollten wir aber unsere Kunden gezielt auf unsere effizientesten Hausgeräte aufmerksam und unsere Fortschritte sichtbar und messbar machen. Deshalb wurde im letzten Jahr das Supereffizienz-Portfolio eingeführt. 2008 hatten die hocheffizienten Geräte lediglich einen Anteil von vier Prozent unseres Produkt-Portfolios. Aber wir konnten in der Folge den Absatz dieser supereffizienten Produkte enorm steigern.

  • Seit 2004 berichtet die BSH nach den Richtlinien der GRI. Welche Umweltindikatoren sind für die BSH am wichtigsten und wie werden sie erhoben?
  • Im Zuge der Ausweitung des früheren Umweltberichts zum Nachhaltigkeitsbericht haben wir in der BSH die Berichterstattung den GRI Richtlinien angepasst. Die Hauptindikatoren für uns sind der Energie- und Wasserverbrauch sowie das Abfallaufkommen, jeweils spezifisch pro Tonne Produkt gemessen. Diese und eine Vielzahl weiterer relevanter Daten werden von unseren Umweltbeauftragten in den Fabriken erhoben. Diese Systematik der Berichterstattung hat sich seit 1999 natürlich weiter entwickelt, aber die Datenqualität war schon damals vergleichbar hoch.

  • Welche Umweltaspekte werden aus Ihrer Sicht und im Hinblick auf Ihr Geschäft von der GRI vernachlässigt?
  • GRI liefert insgesamt ein sehr umfassendes Spektrum an Umweltkennzahlen, die überwiegend auf die Produktionsprozesse ausgelegt sind. Kennzahlen, die sich auf Produkte und deren Transport beziehen, werden etwas vernachlässigt. Dies lässt sich wohl darauf zurückführen, dass die große Bandbreite an unterschiedlichsten Produkten und Dienstleistungen kaum mit allgemeinen Kennzahlen abgedeckt werden kann.

  • Wie fängt GRI die Tatsache auf, dass 90 Prozent der Umweltbelastungen im Produktlebenszyklus in der Nutzungsphase und damit durch den Nutzer entstehen?
  • Gerade dieser Gesichtspunkt wird von den GRI Richtlinien wenig beachtet. Es wird hauptsächlich auf den Recyclingaspekt Bezug genommen. Allerdings ist die Betrachtung der Nutzungsphase besonders für energieverbrauchende Produkte relevant, nicht aber generell für alle Produkte.

  • Hilft Ihnen die Berichterstattung nach GRI in den Geschäftsprozessen?
  • Ja, auf jeden Fall. Die Berichterstattung macht ja die Umweltrelevanz der einzelnen Geschäftsprozesse transparent. Damit liefert sie auch Ansätze für Verbesserungen in diesen Prozessen.

  • Hilft Ihnen die Berichterstattung nach GRI bei der Kommunikation von Umweltthemen?
  • Ja, selbstverständlich. Durch die Berichterstattung, die sich an klaren Kennzahlen orientiert, können unsere Umweltleistungen viel besser kommuniziert werden – sowohl intern, als auch extern. Unser 8. Platz im letzten future/IÖW-Ranking der Nachhaltigkeitsberichte bestätigt uns, dass wir ein sehr hohes Niveau im Umweltschutz erreicht haben. Aus internen Mitarbeiterbefragungen geht zudem hervor, dass unser Nachhaltigkeitsbericht und die Leistungen im Umweltbereich auch intern sehr hoch geschätzt werden.

  • Wie relevant ist die Berichterstattung für Kunden, denen die GRI-Richtlinien nicht unbedingt bekannt sind?
  • Ehrlich gesagt halten wir aus guten Gründen an dem früh eingeführten BSH-Berichtsstil unseres Nachhaltigkeitsberichts fest, der für den Leser etwas flüssiger und attraktiver geschrieben und aufgemacht ist als der doch eher trockene GRI-Bericht. Wir setzten jedoch unseren Bericht auch in einer GRI-Bilanz um, die wir im Internet veröffentlichen.

  • Sind die Indikatoren der GRI für Sie maßgeblich bei der Steuerung des Umweltmanagements?
  • Ja, die Indikatoren, die wir als Basiskennzahlen ausgewählt haben, sind für die BSH ein ausgezeichnetes Steuerungsinstrument im Umweltschutz. Sie werden auch im Rahmen der Zielvereinbarungen der Fabriken konzernweit mit herangezogen. Zum Beispiel konnten wir aufzeigen, dass unsere Werke weltweit den Wasserverbrauch über 50 % und den Energieverbrauch über 20 % in den letzten 10 Jahren senken konnten.

  • Müssen Umweltkennzahlen geprüft werden, um glaubwürdig zu sein?
  • Bei unserer kontinuierlichen Berichterstattung seit 1991 ist die Glaubwürdigkeit mittlerweile gegeben, nicht zuletzt bestätigt durch die guten Platzierungen bei zahlreichen Rankings. Eine externe Überprüfung der Kennzahlen und unseres Nachhaltigkeitsberichts ist meines Erachtens nicht zusätzlich notwendig, zumal einige Daten auch in unserem Geschäftsbericht veröffentlicht und somit durch einen Wirtschaftsprüfer verifiziert werden. Da wir aber unser Supereffizienzportfolio zum ersten Mal veröffentlicht haben, haben wir es extern überprüfen lassen.

  • Wie sieht Berichterstattung nach GRI im Jahr 2030 aus?
  • Das ist ein langer Zeitraum. Wenn wir uns zurückbesinnen, an unsere ersten Berichte vor 20 Jahren, dann wird deutlich, dass sich in der Zwischenzeit viel verändert hat. Wenn Sie mir diese Frage damals gestellt hätten, hätte ich mir nicht vorstellen können, welche Bedeutung diese Berichterstattung für unser Unternehmen erlangt. Aber ich glaube sagen zu können, dass die Entwicklung weitergehen wird und Nachhaltigkeitsberichte im Jahre 2030 völlig selbstverständlich sein werden, wie heute Geschäftsberichte.

  • Wir danken Ihnen sehr für das Gespräch!
  • In dieser Reihe sind bisher Beiträge zur Bedeutung der GRI-Richtlinie sowie zur Indikatorengruppe Ökonomie erschienen.