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CSR 2010 – 2011: Rückblick und Ausblick

Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und der dadurch veranlassten Einsparungen in den Unternehmen sagte mancher der Corporate Social Responsibility in diesem Jahr einen frühen Tod voraus. Und auch wenn von vielen Seiten bedauert wird, dass die Wirtschaftskrise gerade im Finanzsektor nur zu wenigen nachhaltigen Veränderungen führte, so hat das Thema gesellschaftliche Unternehmensverantwortung insgesamt 2010 an Bedeutung gewonnen. Drei Ereignisse haben dazu beigetragen:

Die Explosion der Ölplattform “Deepwater Horizon” am 20. April im Golf von Mexiko hat der Welt neu vor Augen geführt, welche gravierend negativen Auswirkungen unternehmerisches Handeln auf Menschen und Umwelt haben kann. Manchmal geht eben auch keine „Aktion Top Kill“, manchmal gibt es keinen schnellen Weg heraus aus solchen mangelnder Vorsorge geschuldeten Katastrophen.

Zugleich richteten sich die Blicke der Weltöffentlichkeit bei mehreren Gelegenheiten auf die Textilindustrie in Bangladesch: Bei zwei verheerenden Fabrikbränden im März und im Dezember fanden jeweils mehr als 20 Menschen den Tod. Das provoziert Fragen nach der Qualität der Arbeitsstätten, dem Brandschutz – und nicht zuletzt nach der Versorgung von Opfern und Hinterbliebenen. Zudem machten mehrere Streikwellen auf die Situation der Arbeiter in der Hauptstadt Dhaka und andernorts aufmerksam: Erst streikten die Textilarbeiterinnen gegen die Anhebung des monatlichen Mindestlohns von umgerechnet 19 Euro auf nur 34 Euro. Und nun streiken sie erneut, weil nicht einmal diese geringe Lohnerhöhung bei ihnen ankommt. Bei diesen Streiks gab es Tote.

Nach einem fünfjährigen Beratungsprozess wurde im September die Norm „ISO 26000 Social Responsibility“ verabschiedet. Zwar spielte Deutschland mit seiner Enthaltung im finalen Abstimmungsprozess keine rühmliche Rolle. Jedoch gibt die Norm Anlass zu der Hoffnung, dass CSR verstärkt Einzug in die strategischen Unternehmensprozesse erhält.

Im kommenden Jahr stellen sich Unternehmen und Gesellschaft eine genügende Zahl an Herausforderungen:

Wird es gelingen, CSR weiter aus der philanthropischen Ecke herauszubekommen und in die Kernprozesse von Unternehmen zu integrieren? Denn nach wie vor verweisen viele (große und mittelständische) Unternehmen zuerst auf ihre Ausgaben für Soziales, Kultur und Sport.

Wird es gelingen, dass die Bundesregierung, die Länder und Kommunen in Sachen CSR mit gutem Beispiel vorangehen? Vorsichtig deutet sich eine Abkehr an von dem Prinzip, dass die öffentliche Hand der „billige Jakob“ sein muss.

Werden wir zu einer Diskussion über die Bedeutung, die Legitimation und die Transparenz von Nichtregierungsorganisationen und die Strukturen im NGO-Sektor finden? Eine solche Diskussion ist überfällig. Von den NGOs selbst wird sie nicht angestoßen, und Unternehmen scheuen sich aus nachvollziehbaren Gründen. Das führt zu einer weiteren Frage:

Wird die Wissenschaft zu einem Impulsgeber in Sachen CSR werden? Zwar steigt die Zahl der Lehrstühle und Institute, die sich diesem Thema zuwenden. Jedoch sind weder die Universitäten als große Organisationen „nachhaltig hervorgetreten“, noch haben wirtschafts- oder unternehmensethische Diskussionen eine wirklich große Öffentlichkeit erreicht.

  • Wie haben Sie die Entwicklung der Corporate Social Responsibility in diesem Jahr erlebt?
  • Was erwarten, befürchten oder hoffen Sie für das kommende Jahr?

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