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Diversity Management braucht eine ethische Überzeugung, um wirtschaftliche Vorteile zu erzielen

Mit einem proaktiven Diversity Management kann die gesellschaftliche Vielfalt im Unternehmen abgebildet werden. Zum Nutzen aller Beteiligten. Albert Kehrer, längjahriger Diversity Manager in einem großen Unternehmen und Vorstand des Völklinger Kreises, berichtet von seinen Erfahrungen.

Ständig steigt die Zahl der Unternehmen, die die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnen. Diversity Management ist „in“. Fraglich bleibt, ob viele der Verantwortlichen tatsächlich die Ziele der Charta unterstützen. Zumindest wird immer wieder die Frage nach dem Business Case laut: Welche internen und externen wirtschaftlichen Vorteile lassen sich aus Diversity-Maßnahmen von Unternehmen generieren?

Intern ist an eine gesteigerte Motivation der Mitarbeiter, sinkende Fehlzeiten, weniger Fluktuation und gesteigerte Produktivität zu denken. Natürlich lässt sich aber der direkte Einfluss der Diversity-Maßnahmen auf diese Faktoren nur schwer bestimmen. Die allgemeine wirtschaftliche Lage des Unternehmens, das generelle Klima und die Stimmung unter der Belegschaft etwa spielen hier auch eine gewichtige Rolle.

Extern, wie Beispiele bei IKEA und der Deutschen Bank gezeigt haben, lässt sich der Business Case deutlich einfacher darstellen: Durch Diversity Management erhalten Unternehmen Zugang zu neuen Kunden und Märkten. Jedoch, und da sind sich die Experten einig, müssen die Unternehmen zuerst ihre internen Personalprozesse so anpassen, dass echte Chancengleichheit für alle und ein wertschätzender Umgang miteinander gewährleistet werden, bevor sie nach außen hin glaubhaft wirken können.

Gründe für Diversity Management

Drei Antriebe bringen Unternehmen dazu, Diversity Management zu betreiben: Die rechtliche Verpflichtung durch das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), SGB IX und andere gesetzliche Regelungen, die Unterstützung eines nachhaltigen wirtschaftlichen Wachstums und die ethisch-moralische Begründung, dass es sich ‚gehört‘, mit seinen Mitarbeitern korrekt umzugehen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man gut, dass die drei Gründe sich gegenseitig bedingen: Wirtschaftliche Vorteile entstehen durch die Einhaltung von Gesetzen, etwa weil kostspielige Prozesse verhindert werden. Ein ethisch korrekter Umgang mit den Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten führt intern wie extern zu wirtschaftlichen Vorteilen, weil dadurch ein höherer Einsatz der Mitarbeiter, aber auch eine bessere Kundenbindung generiert werden.

Jede Führungskraft muss sich darüber im Klaren sein, dass die Wertschätzung des Einzelnen zu seiner Grundaufgabe gehört. Denn der Unternehmenserfolg ist abhängig von dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Je mehr Wertschätzung sie von ihrem Arbeitgeber erfahren, desto mehr Einsatz zeigen sie. Echte Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch die Einführung einer Diversity-Abteilung oder das Aufsetzen von Programmen. Die Unternehmensführung muss verstanden haben, dass unsere Gesellschaft schon längst äußerst heterogen ist. Die Führungsmannschaft muss daher fragen, wie das Unternehmen in der Zukunft die Vorteile der Vielfalt in der Belegschaft nutzen kann.

Ein Weg zur Win-Win-Situation

Mit Diversity lässt sich aber nur Geld machen, wenn es ein Geben und Nehmen, eine klassische Win-Win-Situation ist, wie dies der Top-Manager John Browne in seinem Buch „Beyond Business“ beschreibt: Ein Unternehmen kann nur Erfolg haben, wenn es auch die Belange der Umwelt, in der es agiert, mit berücksichtigt. Paul Overdijk, Director Strategy bei TNT Post Parcels, sprach kürzlich auf einer Veranstaltung von der Notwendigkeit, Diversity als einen Aspekt von Corporate Social Responsibility zu sehen. Es muss ein klarer Auftrag der Unternehmen sein, mit ihrem Umfeld verantwortungsvoll umzugehen und auch Verhalten von Anderen nicht zu akzeptieren, wenn dieses den eigenen Prinzipien widerspricht. Der Kampf gegen Kinderarbeit und der Einsatz für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit für Unternehmen, nicht zuletzt dank einer wachsenden Anzahl von verantwortungsbewussten Käufern. Wann ist es endlich auch selbstverständlich, dass Frauen gleiche Chancen am Arbeitsmarkt haben wie Männer und Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen am Arbeitsmarkt voll akzeptiert sind?

Unsere Gesellschaft ist vielfältig

Es geht um die ethische Überzeugung, dass Vielfalt ein unabänderliches Merkmal unserer Gesellschaft ist und dass nur das Miteinander Gesellschaft und Unternehmen zukunftsfähig hält. Wenn dies von der Unternehmensführung erkannt und gelebt wird, wird der Business Case von Diversity Management auch aufgehen: Das Unternehmen setzt dann beispielsweise transparente Personalprozesse um, die Chancengleichheit auf allen Ebenen sicherstellen, im Gegenzug profitiert das Unternehmen von einer höheren Produktivität in der Belegschaft. Das Unternehmen bewirbt Schwule und Lesben über eine gezielte Marketingaktion, und gleichzeitig akzeptiert es auch intern moderne Lebensweisen und stellt eingetragene Lebenspartnerschaften verheirateten Mitarbeitern gleich.

Vielfalt im Unternehmen spiegeln

Nur schleichend verändert der demografische Wandel das Gesicht unserer Gesellschaft. Aber auch Unternehmen verändern sich nicht von heute auf morgen radikal. Der bewusste Veränderungsprozess, unsere vielfältige Gesellschaft im Unternehmen zu spiegeln, braucht Zeit und muss trotzdem schnellstmöglich angegangen werden. Unternehmen, die den Wandel zu spät erkennen, werden in wenigen Jahren Probleme haben, ihre Kunden zu verstehen, weil ihre Mitarbeiterstruktur nicht mehr die Struktur der Gesellschaft abbildet.

Albert Kehrer
mail@albertkehrer.de

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