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Was CSR in China für deutsche Unternehmen bedeutet

Karlsruhe > Das Thema Corporate Social Responsibility gewinnt in China unverkennbar an Bedeutung. Welche Faktoren aber sind dabei besonders einflussreich? Was bedeutet die Entwicklung für in China engagierte deutsche Unternehmen? Und welchen Einfluss nimmt CSR auf den Bereich der Human Resources? CSR NEWS sprach darüber mit Rainer Beer, Managing Partner der in China engagierten SAM Headhunting Baden-Württemberg, und Christina Werum-Wang, Inhaberin von eurasia enterprise, Interkulturelles Management & Personalentwicklung, Mainz.

CSR NEWS: Herr Beer, was motiviert chinesische Unternehmen, sich der Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen?

Rainer Beer: Für chinesische Unternehmen ist die Außenwirkung von großer Bedeutung, ein positives Image ist im Reich der Mitte ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Nachlässigkeiten gegenüber der gesellschaftlichen Verantwortung ziehen häufig einen gravierenden Imageverlust und nicht selten großen wirtschaftlichen Schaden nach sich. Zum Beispiel hatte der Skandal um melaminverseuchtes Milchpulver einiger Hersteller im Jahr 2008 einen massiven Vertrauensverlust der Verbraucher und in der Folge dramatische Produktions- und Umsatzeinbrüche für die gesamte Branche zur Folge. Die Selbstmordserie im Frühjahr 2010 in den Fabriken von Foxconn, dem weltgrößten Hersteller von Elektronik- und Computerbauteilen, löste in der chinesischen Öffentlichkeit heftige Diskussionen über die Arbeitsbedingungen bei dem Elektroriesen aus, es kam zu Demonstrationen und Boykottaufrufen. In der Folge musste Foxconn die Löhne drastisch anheben und die Arbeitsbedingungen verbessern.

Frau Werum-Wang, welche Faktoren auf dem chinesischen Markt stärken und welche behindern die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung?

Christina Werum-Wang: Die Medien begleiten den wirtschaftlichen Aufschwung mit großem Interesse, allerdings auch durchaus kritisch. Unternehmen, die ihrer Verantwortung insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Arbeitsrecht und Arbeitssicherheit sowie Umwelt nicht nachkommen, werden nicht selten unverblümt an den Pranger gestellt. Die öffentliche Meinung ist ausgeprägt, Protest in Form von Sitzblockaden, Demonstrationen oder Boykottaufrufen gegenüber den Unternehmen ist keine Seltenheit.
In Staatsbetrieben oder halbstaatlichen Unternehmen verhindern insbesondere die Verflechtung mit politischen Entscheidungsträgern und eine insgesamt schwache Transparenz Einblicke in die Aktivitäten des Unternehmens. Auffälligkeiten oder Verstöße werden dadurch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Ausländische, auch deutsche Unternehmen beklagen zuweilen Wettbewerbsverzerrungen dadurch, dass sie schärfer kontrolliert werden als ihre inländischen Wettbewerber.

Wo sehen Sie für deutsche Unternehmen bei Kooperationen, Mergers oder Zweigstellengründungen die großen Herausforderungen in Sachen CSR?

Christina Werum-Wang: An alle Unternehmen in China werden mittlerweile hohe Anforderungen insbesondere bezüglich Nahrungsmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz gestellt, was sich in entsprechender Gesetzgebung niedergeschlagen hat. Die Zeiten von vermeintlicher Narrenfreiheit für Umweltverschmutzung, Ressourcenverbrauch, Lohndumping gehören allmählich der Vergangenheit an.
Eine große Herausforderung für jede Form der Zusammenarbeit deutscher mit chinesischen Unternehmen besteht darüber hinaus im Zusammentreffen der sehr unterschiedlichen Arbeitskulturen. Soll diese im Sinne der CSR verantwortungsvoll gestaltet und nachhaltig wirksam sein, ist die interkulturelle Kompetenz jedes Einzelnen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Deutsche und Chinesen unterscheiden sich teilweise gravierend in ihrer Art und Weise zu denken, zu kommunizieren, zu handeln und zu arbeiten. Diese Unterschiede sind den Akteuren oft nicht oder nur halb bewusst und bergen deshalb mittel- bis langfristig ein umso höheres Konfliktpotential. Dies fordert vor allem von den Führungskräften zusätzliches Know how, das von Hause aus nur wenige mitbringen. Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die nicht in ihrer Muttersprache miteinander kommunizieren können, erfolgreich zu führen und zu einem Team zu formen, ist eine große Herausforderung und Leistung, die zusätzliche Aufmerksamkeit und Unterstützung durch flankierende Maßnahmen verdient.

Ist CSR für Arbeitnehmer ein Thema, wenn es um die Wahl des Arbeitgebers geht?

Rainer Beer: In Deutschland nimmt die Bedeutung erkennbar zu, jüngst entstandene CSR-Jobbörsen unterstützen diesen Trend. Dieser wird durch die Wachstumsraten in Branchen wie z.B. „Erneuerbare Energien“ verstärkt.
In China unterliegt die Wahl des Arbeitgebers in der Regel Prioritäten wie Gehalt, Prestige, Standort. Das Image oder Prestige eines Unternehmens ist also ein sehr wichtiges Kriterium, die spezifische Ausrichtung bezüglich CSR findet in diesem Rahmen ebenfalls Beachtung, steht jedoch nicht an erster Stelle.

Was können Sie in der Begleitung der Stellenbewerber tun, um das Thema CSR in Unternehmen zu stärken?

Rainer Beer: Eine hohe Transparenz im Recruitingprozess sowie interkulturelles Training und Coaching spielen hier die zentrale Rolle. Im Auswahlprozess müssen die Unternehmen und die Kandidaten ihre Vorstellungen und Erwartungen gegenüber dem Headhunter detailliert offenlegen. Nur bei hoher Übereinstimmung ist ein wichtiger Grundstein für ein längerfristiges Arbeitsverhältnis gelegt.
Müssen darüber hinaus unterschiedliche Kulturen zusammen arbeiten, ist interkulturelles Training und Coaching ein weiterer sehr wichtiger Baustein. Dabei ist es wichtig, dass das Training und Coaching beiderseitig erfolgt. Die Erfahrung zeigt, dass dafür eine einmalige Einführung bei weitem nicht ausreicht. Stattdessen ist eine kontinuierliche Begleitung erforderlich, insbesondere um die interkulturelle Handlungskompetenz zu vertiefen, die gerade für Führungskräfte im internationalen Arbeitsumfeld erheblich an Bedeutung gewinnt. Dies gewährleistet eine reibungslosere Zusammenarbeit, die die Mitarbeiterzufriedenheit stärkt und in der Folge auch die Mitarbeiter-Fluktuation mindert, die insbesondere bei chinesischen Mitarbeitern sonst sehr stark ausgeprägt ist.

Vielen Dank!

Kontakt:
Rainer Beer
E-Mail: rb@sam-int.com
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