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Die nationale CSR-Strategie

Im Oktober 2010 hat das Kabinett einen CSR Aktionsplan veröffentlicht. Birgit Riess (Director bei der Bertelsmann Stiftung) hat im CSR Forum an der Entwicklung mitgearbeitet.

Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen hat unter dem Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) in Deutschland seit Mitte der 1990er-Jahre verstärkt Aufmerksamkeit gefunden. Dennoch ist ein „Fremdeln“ mit diesem Konzept spürbar: Weil soziales Engagement eigentlich nichts Neues ist im deutschen Kontext, weil lange nicht verstanden wurde, dass CSR mehr ist als soziale Wohltätigkeit, und auch weil ein hohes Regulierungsniveau in den Kernbereichen von CSR vieles schon gesetzlich vorschreibt. Die Idee, dass Unternehmen mit freiwilligen Beiträgen an der Lösung ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen mitwirken, ist vor dem Hintergrund einer traditionsgeprägten Staatlichkeit und eher korporatistisch angelegter Aushandlungsprozesse ungewohnt. Damit ist auch die lange verhaltene Position der Politik in Deutschland gegenüber CSR zu erklären.

Hin zur nationalen CSR-Strategie

Die Entwicklung einer nationalen CSR-Strategie wurde vom Bundesarbeitsministerium koordiniert. Doch auch in anderen Ressorts lassen sich vielfältige Aktivitäten finden, die unter den Oberbegriff CSR fallen. Das Wirtschaftsministerium etwa ist zuständig für die Nationale Kontaktstelle zur Förderung und Anwendung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, das Umweltministerium hat eine Reihe von Studien zum Thema CSR veröffentlicht, das Auswärtige Amt will die Außenwirtschaftsförderung mit CSR-Aktivitäten von deutschen Unternehmen im Ausland verknüpfen und das Familienministerium adressiert mit der Nationalen Engagementstrategie auch die Förderung von „Corporate Citizenship“ (CC), des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen.

Zwei Ziele der CSR-Strategie

Zwei Ziele verfolgt die Bundesregierung mit der CSR-Strategie: „Die Förderung von CSR durch die Erhöhung der Sichtbarkeit in der breiten Öffentlichkeit und dadurch die Schärfung des deutschen CSR-Profils im In- und Ausland“ und zweitens „das Ziel, zu einer sozialen und ökologischen Gestaltung der Globalisierung beizutragen.“ CSR hat – gerade angesichts der fortschreitenden Globalisierung – das Potenzial, Lösungen zur Bewältigung zentraler sozialer und ökologischer Herausforderungen beizusteuern. Die Bundesregierung sieht CSR als „Ausdruck eines neuen Zusammenspiels zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“ sowie als „zeitgemäßes Element der Sozialen Marktwirtschaft“ – eine keineswegs triviale Feststellung, bedenkt man die sozialstaatliche Tradition in Deutschland.

Das CSR-Forum

Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirtschaft zutiefst erschüttert hatte, bot eine Steilvorlage für die Bundesregierung, das CSR-Forum im Januar 2009 ins Leben zu rufen. Das Forum ist konzipiert als eine „Plattform für den Dialog und die Verständigung mit den CSR-Akteuren“. Ihm gehören Vertreter aus Wirtschaft und Unternehmen, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft, Politik und internationalen Organisationen an. Die Empfehlungen des CSR-Forums waren Grundlage für den Aktionsplan CSR der Bundesregierung. Das Gremium wird auch weiterhin beratend die Umsetzung des CSR-Aktionsplans begleiten.

Zunächst hatte das CSR-Forum ein gemeinsames Verständnis von CSR zu entwickeln. Trotz der Heterogenität des Forums waren die Diskussionen zwischen den Akteuren erstaunlich konstruktiv – vielleicht auch deshalb, weil die „CSR-Community“ schon seit geraumer Zeit über diese Fragen debattiert. Nach dem Verständnis des Forums bezeichnet CSR „die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen über gesetzliche Anforderungen hinaus“. Die Feststellung, dass „CSR freiwillig, aber nicht beliebig“ ist, unterstreicht, dass CSR in erster Linie ein Unternehmenskonzept ist. Sie macht aber auch deutlich, dass sich die CSR-Aktivitäten der Unternehmen an gewissen Grundsätzen orientieren müssen, um glaubwürdig zu sein.

Birgit Riess
birgit.riess@bertelsmann.de